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Alte Fotografien machen Erinnerungen lebendig

Sulzbach. Im Sulzbacher Erzählcafé im Salzbrunnenhaus tauschen die Teilnehmer rege ihre persönlichen Erlebnisse von damals aus. Stefan Bohlander

Der Fußboden war weg, aber ein Leben wurde gerettet. Karl Vogt ließ Revue passieren, wie er während seiner Ausbildung mit seinem Gesellen Renovierungsarbeiten am Salzbrunnenhaus ausführte. "Damals war das Gebäude der Wohnsitz einer Familie Brenner", wie er sich erinnert. An einem Tag rissen die beiden Arbeiter den Fußboden komplett heraus und verlegten einen neuen. Um die Fußleisten wollte man sich am nächsten Tag kümmern. Mit seinem Arbeitskoffer stand er tags darauf im Gebäude. "Siehe da: Der Fußboden war nicht mehr da", so der Senior aus Schnappach. Stattdessen konnte sich sein Geselle gerade noch an einem Balken festhalten, bevor er drohte, in ein tiefes Loch zu fallen. Vogt konnte ihn gerade noch retten. "So haben wir den Salzbrunnen entdeckt", beendet er seine Erzählung.



Diese und weitere Geschichten von Besuchern gab es am vorigen Dienstag im Erzählcafé der Stadt Sulzbach und der Volkshochschule zu hören. Eben dort, wo einst ein Loch klaffte - im Salzbrunnenhaus. Bereits die Premiere im März sei mit etwa 25 Teilnehmern ein Erfolg gewesen, sagt Stadtarchivarin Rita Lampel-Kirchner, die sich mit Hobby-Historiker und Bürgermedaillenträger Werner Klee die Moderation des Nachmittags teilt. "Die Zeitzeugen sollen berichten", bringt die Mitarbeiterin des Archivs das Konzept auf den Punkt.

Und so schauen sich die diesmal rund 20 Besucher die vielen Fotos passend zum Thema "historische Gebäude" an und schwelgen in Erinnerungen. Gedanken an die Zeit, als die ehemalige Festhalle 1959 eingeweiht wurde, komplett mit Gaststätte und Kegelbahn. Mittlerweile ist die Halle wieder abgerissen. Zum historischen Volkshaus weiß noch jemand, dass dies einstmals das Vereinshaus der SPD und von Gewerkschaften war, wo man aktiv gegen das Hitler-Regime protestierte. "Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude das Vereinshaus von Rot-Weiß Sulzbach", erinnert sich ein Besucher.

Der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss war schon in Sulzbach, wie ein Foto belegt. Ein anderes Motiv zeigt das Gasthaus Schaum, was zur Bemerkung führt: "Was sind da doch für Feste gefeiert worden!" Im "Blumengärtchen", so erinnert sich jemand anders, sei man immer übers Büfett gefallen, weil das Haus so schief war - wegen der Grubenschäden.

Über den Förster Paul Schmidt, der von Wilderern erschossen wurde, konnte jedoch selbst die Archivarin Rita Lampel-Kirchner nichts weiter in Erfahrung bringen. Dafür sei sie bei Nachforschungen über die Appolt'sche Gruft auf etwas Interessantes gestoßen: "Da werden Sie nächstes Jahr noch eine große Überraschung erleben."

Auf ein stattliches Archiv von mehr als 13 000 historischen Bildern aus der Salzstadt kann Werner Klee zugreifen, immer wieder kommen neue hinzu. "Ich freue mich über jedes neue", so der Historiker. Bei den beiden nächsten Terminen für das Erzählcafé sind am 16. Mai das Thema "Sulzbacher Schulen" und am 20. Juni das Thema "Kirchen/Religion in Sulzbach" geplant.

Auch dann werden wieder Kaffee und Kuchen gereicht und in Erinnerung an längst vergessene Straßenzüge, Gebäude, einst bekannte Menschen geschwelgt und an die Zeit erinnert, in der Sulzbach ein pulsierendes Mittelzentrum voller gut laufender Geschäfte war.

Diese persönlichen Erinnerungen sollen übrigens nicht verloren gehen, wie Renate Schiel-Kallenbrunnen, stellvertretende VHS-Leiterin, am Rande der Veranstaltung sagte. Vielmehr sollen diese in ein kleines Büchlein einfließen, dass beispielsweise als Gratulationsgeschenk für Altersehrungen dienen soll.