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Alles Tourismus, oder was?

Sulzbach. Mit statistischem Zahlenmaterial sollte man ein wenig vorsichtig umgehen. Anhand neuester Zahlen hinsichtlich des touristischen Aufkommens in Sulzbach gelangt man so zu tieferen Erkenntnissen. Michèle Hartmann

Man reibt sich die Augen und kann's gar nicht glauben: So teilte jüngst der Regionalverband Saarbrücken mit, dass er eine der am stärksten wachsenden Tourismusregionen im Saarland sei. Und: Laut Statistischem Landesamt verzeichne die Stadt Sulzbach in 2014 mit 7,7 Prozent den stärksten prozentualen Zuwachs aller zehn Kommunen im Vergleich zum Vorjahr (rund 12 100 Übernachtungen). Was allerdings unter "Tourismus" von Amts wegen alles subsumiert wird, ist erstaunlich, wie nähere Recherchen der SZ ergaben.

Gegenüber 2013 hat sich die Zahl der Übernachtungen in Sulzbach um insgesamt 860 erhöht, die Zahl der Übernachtungsgäste ist um 155 gestiegen. Doch das hat weniger zu tun mit attraktiven Veranstaltungen, als viel mehr mit Aktivitäten bedeutender Unternehmen in der Salzstadt.

So baute der Autozulieferer Magna (Decoma) von Februar bis August vergangenen Jahres eine große Halle, wobei einige Montagearbeiter von auswärts in Sulzbach übernachteten. Die Firma Hydac wiederum hatte auch einige Montagearbeiter in den Herbergen der Stadt unterzubringen, weil der Erweiterungsbau einer Fertigungshalle für Hydraulikprodukte in Angriff genommen wurde. Das Fraunhofer-Institut ist auch mit von der Partie. Denn im abgelaufenen Jahr gab es im Rahmen einer Standort-Erweiterung ein Mehraufkommen von Handwerkern und Technikern, die in einem Hotel in Neuweiler untergebracht waren. Von all diesen baulichen Aktivitäten einmal abgesehen, hat nach Auskunft eines Hoteliers die Veranstaltung der Guggenmusiker zur Kirmes einige Übernachtungsgäste mehr gebracht. Und wohl auch der Jazz-Workshop der Musikschule über mehrere Tage. Das Historische Salinenfest und die Glaskunsttage haben ebenfalls einzelne Hotelbuchungen nach sich gezogen.

Fazit: Vielmehr Fachkräfte an Sulzbacher Baustellen und weniger die Vergnügungen und kulturellen Events brachten Zuwachs an Übernachtungen. Mit Tourismus hat das alles eher wenig zu tun.

Der Stadtrat befasst sich am kommenden Dienstag, 24. März, um 17 Uhr im Festsaal der Aula im öffentlichen Teil der Sitzung mit dem Thema "Steigende Übernachtungszahlen im Jahr 2014". Zudem wird über die Zusammenlegung von zwei Schiedsbezirken debattiert. Und über eine Härtefallklausel bei den neuen Hallennutzungsentgelten. Die Festlegung des Sanierungsziels "Durchgang Sulzbachtalstraße 64 und 66" steht ebenfalls auf der Tagesordnung, zudem geht es um die Konzentrationszonen für Windenergie-Anlagen.