Ärger mit dem Anbieterwechsel

Nach dem Kauf eines Hauses bekam es SZ-Leser Michael Jenal mit den Stadtwerken Sulzbach zu tun. Seien Erlebnisse schildert er reichlich verärgert. Der Energieversorger seinerseits wehrt sich gegen die Vorwürfe.

SZ-Leser-Reporter Michael Jenal beschwert sich über das Geschäftsgebaren der Stadtwerke Sulzbach . Im Januar 2015 hat er ein Haus im Stadtteil Hühnerfeld gekauft. Zuvort wohnte er in Saarbrücken und wechselte jährlich den Strom- und Gasanbieter. Alles sei bis dahin reibungslos verlaufen. Mit den Stadtwerken Sulzbach sei das aber überhaupt nicht der Fall. Nach dem Hauskauf hat Jenal erneut den Gas- und Stromanbieter gewechselt, ,,und schon begannen die Probleme. Der Zählerstand des Stromzählers sei von den Stadtwerken falsch an den neuen Versorger übermittelt worden, ,,es wurde der NT mit dem HT-Wert vertauscht". Diesbezüglich wandte sich Michael Jenal per Mail an die Stadtwerke Sulzbach - ,,vergebens". Daraufhin habe er mehrfach mit dem zuständigen Sachbearbeiter telefoniert, der ,,haarsträubende Geschichten erzählte, warum solche Dinge bei anderen Anbietern schief gehen können. Da ich technisch nicht ganz unbegabt bin, wurde mir schnell klar, dass ich verschaukelt wurde." Wiederum sei nichts geschehen. Daraufhin die Beschwerde an die Geschäftsleitung . Es folgte die Androhung, einen Anwalt einzuschalten und die Presse wegen der ,,Schikane beim Anbieterwechsel" zu informieren - und dann ,,wurden die Werte innerhalb von zwei Tagen korrigiert."

In diesem Jahr, so Jenal, habe er erneut den Strom- und Gas anbieter gewechselt, ,,wieder musste dies über die Stadtwerke Sulzbach laufen." Der neue Gasanbieter habe darüber informiert, ,,dass zwischen unseren Angaben und den Angaben der Stadtwerke zum Jahresverbrauch erhebliche Unterschiede bestünden." Dies habe Auswirkungen auf den monatlichen Abschlag, der dann sehr viel höher sei, als bei Vertragsabschluss angegeben.

Des Kunden Recherche ergab, ,,dass die Stadtwerke Sulzbach den Verbrauch des Jahres 2014 übermittelt haben, anstatt, wie angefordert, den von 2015." 2014 sei der Verbrauch extrem hoch gewesen, da zuvor ein älterer Herr das Haus bewohnt habe, der immer gut geheizt habe. Jenal: ,,Die Zählerstände und der Verbrauch waren den Stadtwerken bestens bekannt, da Ende November eine persönliche Zwischenablesung durch einen Mitarbeiter der Stadtwerke durchgeführt wurde, und ich den Zählerendstand persönlich dort abgegeben habe." Auch hier habe er aufgrund der Vorkommnisse am 25. Januar eine Beschwerde an die Geschäftsleitung wegen Schikane beim Anbieterwechsel formuliert und den Stadtwerken zugefaxt. ,,Darin habe ich auch um Aufklärung gebeten, wer im November bei mir die Zwischenablesung durchgeführt hat, und ob unser Wechsel wieder von dem gleichen Sachbearbeiter bearbeitet wurde wie letztes Jahr. Bis jetzt habe ich noch keinerlei Antwort erhalten. Leider muss ich davon ausgehen, dass bei den Stadtwerken solch unangenehme Themen lieber totgeschwiegen werden."

Vorgestern nun, so Jenal, sei die Antwort des Unternehmens eingetroffen (siehe zweiter Text; Stellungnahme an die SZ). Die Einlassungen sieht Michael Jenal allerdings sehr kritisch und fühlt sich ,,hochgradig veräppelt". Die Änderungsanfrage seines neuen Anbieters habe er persönlich bei Stromio angeregt und eine Änderung auf 19 000 kWh beantragt, ,,nachdem die mich per Mail auf die sehr hohen Angaben der Stadtwerke aufmerksam gemacht hatten. Ich musste mich also selbst kümmern."

Zur Übermittlung der abgefragten Vorjahresverbrauchswerte solle laut Stadtwerke also ein EDV-Programm Prognosen erstellen und selbstständig weiterleiten: ,,Das ist jeweils eine fünfstellige Zahl, die in der Vorjahresabrechnung abgelesen wird. Das kann man glauben, muss es man aber nicht."

Zum guten Schluss sei er es noch mit Schuld gewesen, ,,weil ich schon wieder den Anbieter gewechselt habe und sich dann wohl alles überschnitten hat". Die höheren Werte seien auch nicht vom neuen Anbieter angesetzt worden, wie es die Stadtwerke in ihrem Schreiben darstellten, ,,sondern wurden von ihnen am 24. Januar dem neuen Lieferanten mitgeteilt".

Auf SZ-Anfrage antworten die Stadtwerke Sulzbach wie folgt: Dass das Unternehmen Kunden beim Anbieterwechsel schikanieren würde, weise die Geschäftsführung ,,entschieden zurück". Der Anbieterwechsel sei ein tägliches Geschäft, das weitgehend automatisiert ablaufe. Beim Strom - Anbieterwechsel Anfang 2015 - seien vom Netzbetrieb der Stadtwerke die Verbrauchswerte an den Anbieter korrekt übermittelt worden: ,,Die Irritationen entstanden, weil der Fremdanbieter bei Zweitarifzählern eine eigene Zuordnung der Zählerstände hat, abweichend von der unsrigen und der anderer Netzbetreiber. Die Unstimmigkeiten wurden von den Stadtwerken zeitnah geklärt und der Kunde detailliert schriftlich informiert."

Beim erneuten Anbieterwechsel beim Gas im Jahr 2016 sei aufgrund eines fehlerhaften Prozesses dem neuen Anbieter eine zu hohe Verbrauchsprognose übermittelt worden. Die Beschwerde des Kunden sei sofort bearbeitet, das Problem mit dem neuen Anbieter geklärt und der Kunde mit Schreiben vom 1. Februar über die Lösung informiert. worden. Von "Totschweigen unangenehmer Themen" könne somit keine Rede sein.