Adolf und Waltraud Schmidt aus Sulzbach feiern am 7. Mai Diamanthochzeit

Serie Menschen im Regionalverband : Das Jawort der Schmidts wird heute 60

Zur diamantenen Hochzeit blickt das Ehepaar aus Sulzbach zurück auf eine große gemeinsame Leistung.

Wenn Lkw-Fahrer Adolf Schmidt (84) Ende der 50er Jahre seinen Wagen am Peka-Haus in der Saarbrücker Bahnhofstraße entladen hatte, ging er zur Nudeltheke. Nicht wegen der Nudeln.  Ihm ging es um die Verkäuferin: „Ich war nur da wegen dieses Mädchens – die war richtig hübsch“, sagt der Sulzbacher Rentner, und seine Frau Waltraud lehnt den Kopf an seine Schulter. Dem Flirt an der Nudeltheke folgte das Jawort. Am 7. Mai feiern die beiden diamantene Hochzeit.

Adolfs Antrag war ein „romantisches Highlight“. Das meint seine Frau eher ironisch, als sie erzählt, dass er ihr den Trauring unter die Nase hielt und fragte, ob sie ihn denn mal anprobieren könne. Sie probierte, sie sagte „Ja“, und dann wurde es gleich turbulent in der Ehe.

Erst fuhren sie noch für einige Tage in den Schwarzwald auf Hochzeitsreise. Als Verkehrsmittel nutzten sie eine Lambretta, einen italienischen Motorroller mit Gepäckkoffer. Kaum waren die beiden zuhause, da überraschte Adolfs Chef den jungen Mann mit einer neuen Aufgabe, dem Wechsel in den Fernverkehr. Harte Zeiten standen der jungen Familie bevor, Adolf lieferte europaweit Waren für eine Spedition aus. Und in drei Jahren hintereinander kamen die drei Kinder der Familie zur Welt.

„Da hatte ich gut zu tun“, sagt die Jubilarin, die froh war, als  die Korzilius-Werke im September 1962 ihrem Mann einen Job anboten. Das Werk handelte mit Glas- und Porzellanwaren, nach dem Unternehmen ist heute noch in Sulzbach die Korziliusstraße benannt. Allerdings bedeutete eine Insolvenz 1997 das Ende der Firma. Entlassungen, Teilabriss.

Adolf Schmidt ist der Letzte, doch er macht das Licht nicht aus, im Gegenteil. Als Hausmeister bleibt er im Dienst des Eigners bis heute und kümmert sich um das Gelände, in dem eine Halle vermietet ist und die „Polizeidienststelle“ des saarländischen ARD-Tatorts ihren Sitz hat. Letztere machte wegen der Filme, aber auch durch Einbrüche und Vandalismus Schlagzeilen.

Schmidt kann nicht verhindern, dass Jugendliche nachts auf das Gelände gelangen, obwohl er jeden Tag nach dem Rechten sieht. Die Tatort-Crew hat ihn ins Herz geschlossen, denn er ist immer da. „Ich habe Devid Striesows berühmten roten Motorroller repariert, als der eines Morgens den Dienst versagte“, erzählt der Rentner. Er jobbte in seiner Jugend im Saarbrücker Großmarkt, um sich einen Motorroller kaufen zu können. Und natürlich hat er nie vergessen, wie man schraubt. Die Werkstatt dafür ist noch da. Bilder zeigen Schmidt beim Feiern mit der Tatort-Crew.

Am Festtag kommen die Kinder und die zwei Enkel. „Die diamantene Hochzeit hätte Adolf fast vergessen, wenn das Bürgermeisteramt ihn nicht angerufen hätte“, vermutet seine Frau. Aber sie hatte den Tag „auf dem Schirm“. „Diese Party wäre nicht ausgefallen“, sagt sie.

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