30 Jahre Jazzworkshop der Musikschule Sulzbach/Fischbachtal

Talentförderung : Sulzbach ist seit 30 Jahren Jazzer-Treffpunkt

Workshop der Musikschule Sulzbach/Fischbachtal lockt die Freunde der Improvisationskunst von weit her in die Stadt.

Kaum zu glauben: Am vergangenen Wochenende feierten die Macher des „Jazzworkshops Sulzbach“ dessen 30-jähriges Bestehen. Wieso im Oktober?, werden Kenner der Szene fragen – üblicherweise wird in Sulzbach doch unmittelbar nach der Fastnacht gejazzt, wenn das Jahr noch jung ist. Nun, wegen geänderter Ferienzeiten musste der Termin erstmals auf den Herbst verschoben werden.

Nur so waren alle Räume der veranstaltenden Musikschule Sulzbach-Fischbachtal für die vielen Kurse und das Salzbrunnenhaus für die Konzerte nutzbar. Ein Blick zurück: Anno 1989 wurde der Jazzworkshop aus der Taufe gehoben, damals noch in bescheidenem Rahmen. 28 Teilnehmer waren bei der Startausgabe mit von der Partie.

Doch Sulzbach wuchs rasant und entwickelte sich zum Mekka der Blue-note-Gemeinde: 90 Teilnehmer waren im Laufe der Jahre keine Seltenheit, und die Veranstalter kamen häufig fast an ihre Grenzen. Diesmal waren immerhin 65 Jazzmusiker und solche, die es werden wollen, angereist, einige davon aus Südbaden, aus der Gegend von Offenburg und aus Karlsruhe. Längst ist der Workshop eine weiträumig überregionale Angelegenheit.

Neben dem Unterricht in Gesang und im gesamten Spektrum der Instrumente, die in diesem Genre so vorkommen, gehört das Spiel im Ensemble zu den Spezialitäten von Sulzbach. Das gerade im demokratisch ausgerichteten Jazz so knifflige Miteinander spielt hier eine zentrale Rolle. Was sicherlich entscheidend zum Erfolg der Kurse beiträgt, die allen Generationen offenstehen, vom Teenager bis zum Senior.

Nun würde es diese bunte Jazzer-Schar wohl kaum in die bescheidene saarländische Stadt ziehen, würden dort nicht erstklassige Dozenten lehren, viele davon schon seit langem. In diesem Jahr waren es Anette von Eichel (Gesang), Daniel Prandl (Klavier), Arnulf Ochs (Gitarre), Ralf „Mosch“ Himmler (Trompete), Frank Spaniol, Kristina Brodersen (beide Saxofon), Alisa Klein (Posaune), Dirik Schilgen (Schlagzeug) und Florian Döling (Bass).

Döling hatte den Workshop damals aus der Taufe gehoben und die Leitung einige Jahre später an Christoph Mudrich (Piano) übergeben. Seither wird der Name Mudrich, er ist Fachbereichsleiter Jazz der Musikschule Sulzbach-Fischbachtal, in einem Atemzug mit dem Jazzworkshop genannt. Krankheitsbedingt musste Mudrich die Ausgabe vom vergangenen Donnerstag bis zum Sonntag nun aus der Ferne leiten. Wie üblich gab es täglich im Anschluss an die Kurse Konzerte. So auch am Samstagabend, der dem großen Jazz-Kontrabassisten und Komponisten Charles Mingus (1922-1979) gewidmet war.

Es erklangen Mingus-Kompositionen, die Christoph Mudrich für eine neunköpfige Besetzung aus Bläsern, Rhythmusgruppe und Gesangsstimme arrangiert und unter dem Titel „Christoph Mudrich Nonet – Beneath the underdog“ bereits als vollständige Suite auf CD verewigt hat.

Dies war ein Projekt eines der vergangenen Sulzbacher Workshops; hier waren nun in Mudrichs Abwesenheit Ausschnitte zu hören – das Nonett auf der Bühne des randvollen Salzbrunnenhauses wurde von der Riege der aktuellen Dozenten (mit Florian Dölings Schüler Dirk Kunz am Kontrabass) gebildet.

Mingus-Hits wie „Goodbye Pork Pie Hat“, „Boogie Stop Shuffle“, „Jelly Roll“ und „Haitian Fight Song“ garantierten fast allein schon beste Jazz-Laune. Obendrein waren die Bearbeitungen von Mudrich einmal mehr hervorragend. Sie tönten gleichermaßen orchestral und klarsichtig und ließen den Dozenten reichlich Freiraum zum Improvisieren.

Ob nun instrumental oder mit Gesang serviert, hier kamen mitreißender Swing und Drive ebenso wenig zu kurz wie balladesker Schmelz. Verdient prasselte der Riesenbeifall auf das spielfreudige Ensemble hernieder, das noch Zugaben kredenzte. Währenddessen strebten bereits zahlreiche weitere Musiker in Richtung Bühne, mit ihren Instrumenten im Anschlag. Denn es ist eine alte Sulzbacher Tradition, dass auf die Konzerte jeweils noch Jam-Sessions folgen, bei denen Workshop-Leute ebenso mitmischen dürfen wie sonstige Interessenten.

Nach einer eröffnenden ellenlangen Dauer-Improvisation mit ständig wechselnden Akteuren ging es auf dem jazzerprobten Podium des Salzbrunnenhauses weiter. Wie hoffentlich mit dem Jazzworkshop Sulzbach – auch im nächsten Jahr wieder im Herbst.

Mehr von Saarbrücker Zeitung