Zweisprachiges Märchenbuch: 132 Seiten bringen Menschen zusammen

Zweisprachiges Märchenbuch : 132 Seiten bringen Menschen zusammen

Im Salzbrunnenhaus wurde ein deutsch-arabisches Märchenbuch vorgestellt. Die Initiatoren berichteten von der Arbeit daran.

„Da ist es“, ruft Stefanie Schmidt laut, und reckt das gute Stück mit einer Hand in die Höhe. „Eine gute Idee und gleichzeitig eine große Herausforderung. Trotz allem haben wir es geschafft und können es heute vorstellen“, sagt sie weiter – und Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Was die Sozialarbeiterin der Gemeinwesenarbeit der Caritas in Sulzbach im Salzbrunnenhaus so stolz zeigt, ist ein deutsch-arabisches Märchenbuch. Etwas, was es vorher noch nicht gab. Und auch ein Projekt, das die Caritas reizte.

Den Stein ins Rollen gebracht hat die enge Kooperation zwischen Stadtbibliothek und Gemeinwesenarbeit (GWA) Sulzbach. Für Migrantinnen bietet die GWA einen niedrigschwelligen Kurs „Mama-lernt-Deutsch“ an. Der Kurs ist für Flüchtlingsfrauen und Kinder gedacht, die noch keinen Platz in den Integrationskursen besuchen. Und angedockt an dieses Kursformat hat sich die Stadtbibliothek mit einer Vorlesestunde für Kinder und Mütter im bekannten „Erzähltheater“. So entstand auch die Idee, die oftmals in Deutsch und Arabisch vorgelesenen Märchen in einem Buch zusammenzubringen. Kurzerhand machte die GWA daraus ein Projekt. Stefanie Schmidt wurde die Leiterin. Unterstützt vom Regionalverband Saarbrücken wurde das Ganze über das Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert. Neben der Stadtbibliothek waren auch das Theodor-Heuss-Gymnasium, die Mellinschule und die Gemeinschaftsschule Kooperationspartner, wie die Sulzbacher Stadtpressestelle weiter mitteilt.

Die Anfänge seien relativ einfach gewesen, erzählt Schmidt den vielen Zuhörern im Salzbrunnenhaus. Dort begrüßt Patrick Jochum, der Projektleiter der GWA in Sulzbach, die Gäste und freut sich über die vielen Kinder, die gekommen sind. Stefanie Schmidt erzählt über die Entstehung des Buches, erinnert an das Basteln in der Bücherei und die Workshops, in denen Bilder für das Märchenbuch in Aquarell gemalt wurden. „Immer waren viele Kinder und auch Erwachsene da. Es gab Kuchen aus Deutschland und Leckereien aus Syrien. Wir hatten immer eine Menge Spaß“, so die Projektleiterin.

Doch dann kamen die Herausforderungen, wie die Übersetzungen der Märchen und das Schreiben der arabischen Texte. Schwierig gestaltete sich auch das Umschreiben verschiedener Ausdrücke. Doch am Ende, nach unzähligen Änderungen und Verbesserungen, war es fertig das erste deutsch-arabische Märchenbuch. „Wir haben es geschafft und dabei gezeigt, dass wir trotz unserer Verschiedenheit, der unterschiedlichen Kulturen und Religionen gemeinsam etwas Schaffen, Kompromisse aushandeln und Lösungen finden können“, so Schmidt.

Caritas-Direktor Michael Groß sprach von einem „schönen Märchenbuch mit tollen Bildern“. Gemeinsam sei hier etwas „Einzigartiges“ entstanden. Der Sulzbacher Bürgermeister Michael Adam zeigte sich überzeugt, dass das neue Buch die Lesekultur in der Stadt bereichere. Allen Beteiligten rief er zu: „Sie können stolz auf dieses Werk sein.“ Regionalverbandsdirektor Peter Gillo lobte das Buch als wunderbares Ergebnis eines besonderen Projektes. Es passe auch exakt in das Bundesprogramm „Demokratie leben.“ Das Buch, so Gillo, habe Menschen verschiedener Kulturen zusammengebracht. Auf 132 Seiten sind in dem deutsch-arabischen Märchenbuch acht verschiedene Märchen, alle bunt illustriert, von „Hänsel und Gretel“ über „Schneewittchen“ bis zu „Kalif Storch“ oder „Jafed, der ehrliche Kaufmann“. Und letztgenannte arabische Geschichte erzählten als „Märchen aus dem Koffer“ Holger Montag und Razan Shik Mous. Da hörten nicht nur die Kinder aufmerksam zu. Und bevor schließlich das Buch an alle Kinder verteilt wurden, staunten die Kleinen noch über das Puppenspiel „Frau Holle“ aus Viola Wundermiste.

Das deutsch-arabische Märchenbuch wird an Schulen und Kindergärten verteilt, kann in der Stadtbibliothek Sulzbach ausgeliehen werden und ist bei der Caritas Gemeinwesenarbeit in Sulzbach erhältlich.

Weitere Infos: Stefanie Schmidt, Telefon (0 68 97) 98 32 39.

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