| 21:51 Uhr

Wochenkolumne
Kann man, muss aber nicht

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Natürlich kann man das Ende einer Baustelle feiern. So wie man Richtfest feiert oder Hauseinweihung. Man muss es aber nicht. Zumal in den vergangenen Wochen schon fast mehr gefeiert wurde als geschafft. Von Thomas Feilen

Die Rede ist hier nicht von „normalen“ Bauherren, sondern von der Stadt Sulzbach und ihren Stadtwerken. Die luden für den Freitag dieser Woche zur großen Stadtparty ein. Sie wollten damit das Ende einiger Baustellen in der Innenstadt feiern. Jetzt ist es aber so, dass, um die freie Fahrt durch die Sulzbachtalstraße zu würdigen, ein Umzug durch dieselbe organisiert wurde. Und der bedingt dann (wenn auch nur kurzzeitig) wieder genau das Gegenteil. Nämlich die Einschränkung der gerade erst zurückgewonnenen Freiheit.


Da ist manchem Anwohner (ob privat oder geschäftlich) sprichwörtlich der Kragen geplatzt. Einige meinen gar, das Geld für die Stadtparty hätte man stattdessen ausgeben sollen, um den Anwohnern finanzielle Erleichterungen für entgangenen Umsatz und/oder Belästigung durch Lärm und Abgase zu gewähren. Nun aber werde da sogar noch eins draufgesetzt: Auf- und Abbau, Umzug, Musik, Essens- und Getränkestände und nicht zuletzt das feiernde Volk verursachen mehr Lärm und auch mehr Schadstoffbelastung, zum Beispiel durch An- und Abfahrt.

Das Geld hätte man auch nutzen können, um zum Beispiel stationäre Blitzer in der Stadt (Vopeliusstraße, Gärtner- oder Marktstraße) aufzustellen und so für ruhigeren Verkehr und weniger Abgase zu sorgen. Über einen oder mehrere Blitzer würden sich sicher auch die Anwohner des städtischen Nordens freuen, wenn die „eisernen Polizisten“ den Verkehr auf der nahen Autobahn bändigen würden. Aber das läge ja gar nicht in den Händen der Stadtverwaltung. Genauso wenig wie der Bahnhof, der eigentlich schon im vorigen Jahr hätte barrierefrei umgebaut sein sollen. Da liegt die Verzögerung bei der Bahn. Der Bürgermeister und sein Team sind damit aus dem Schneider.



Dem sogenannten Normalbürger ist das aber ziemlich egal. Er will einfach, dass es vorangeht in seiner Stadt, tatkräftig und nicht nur mit dem Mund. Getreu dem Motto: „Schaffe statt Party!“

Das wurde in dieser Woche (neben den Vorbereitungen zur Freiluftsause) auch noch in Sulzbach. So wurde auf die Asphaltdecken in Vopelius- und Gärtnerstraße groß in Weiß „30“ gesprüht. Wenn die Fahrer es nicht nur sehen, sondern auch noch Tempo 30 beherzigen, bringt das Entlastung für die Menschen, die dort leben und arbeiten. Und dann könnten die ja Party machen. Aber bitte ohne Tam-Tam. Und was, wenn die anderen Baustellen (Rathaus-Rückseite und Durchgang zum Salzbrunnen-Ensemble) fertig sind? Gibt es dann eine große Wahlparty vor dem Urnengang? Es bleibt also spannend.