Studio 30 in der Mainzer Straße zieht nach einem Jahr erste Bilanz

Musikszene : Junger Club setzt auf die Kraft der zwei Bühnen

Im ersten Jahr seines Bestehens lässt das Studio 30 in der Mainzer Straße mit großem Band-Aufgebot aufhorchen.

Weit mehr als 200 Bands und Solomusiker präsentierte das Studio 30 bei rund 80 Konzerten im ersten Jahr seines Bestehens. So mischte sich der neue Musikclub in der Mainzer Straße 30 aus dem Stand heraus unter die wichtigsten Konzertveranstalter Saarbrückens. Eine positive Bilanz zieht denn auch Sebastian Biewer. Er ist im Studio-30-Team für die Programmgestaltung zuständig und will im neuen Jahr noch mehr Publikum in den Club ziehen.

Regionale wie überregionale Künstler sollen im Studio 30 ein Podium finden, sagt Sebastian Biewer, der sich stilistisch aufgeschlossen zeigt: „Dem Genre sind keine Grenzen gesetzt, solange die Musik handgemacht und authentisch ist – von Singer-Songwriter bis Deathmetal ist alles dabei. Die meisten Bands lassen sich im Underground- und Nischenbereich einordnen. Wichtig ist uns, den Spirit des Rock ’n’ Roll weiterleben zu lassen.“

Einen Akzent will der Programmplaner ausdrücklich auf die „Nachwuchsförderung im Saarland“ setzen und „aufstrebenden Bands die Möglichkeit bieten, bei freiem Eintritt im Vorprogramm zu bekannteren Bands erste Live-Erfahrungen zu sammeln“ und sich so eine Fan-Basis zu erspielen: „Durch die Kombination einer bekannten Band plus einer Newcomer-Band erhalten talentierte Bands Aufmerksamkeit.“

Ein Novum in Saarbrücken: Studio 30 verfügt auf zwei Etagen über zwei voll ausgestattete Bühnen, die getrennt voneinander bespielt werden können. „Pro Veranstaltung bieten wir etwa 190 Gästen Platz“, so Biewer. Ein Konzertabend laufe folgendermaßen ab: Meist spielten zunächst oben auf der sogenannten Studio-Stage ein bis zwei weniger bekannte Bands oder Solokünstler, anschließend gehe es unten auf der Hauptbühne, der Main-Stage, mit den Zugpferden weiter.

Insgesamt präsentiere das Studio 30 pro Abend maximal vier „Acts“. „Das Konzept wird bisher gut angenommen“, sagt Biewer: „Einige Besucher sind im ersten Moment irritiert, dann aber positiv überrascht von der zweiten Bühne.“ Mit einer Bar pro Stockwerk ist überall fürs leibliche Wohl gesorgt. Derlei Konzerte gibt es (mit Ausnahme einer zweimonatigen Sommerpause) nun im Studio 30 regelmäßig freitags und samstags, manchmal auch unter der Woche, sagt Biewer: „Bis Ende des Jahres sollten wir rund 80 Konzerte veranstaltet haben mit bis dahin etwa 230 Bands oder Solo-Acts.“

Bekannte Gäste von außerhalb waren unter anderem die Schwermetaller Motorjesus (aus Mönchengladbach), die Punkrocker Los Fastidios (Italien), die Folk-Punker North Alone (Osnabrück) und die Polka-Spezialisten Ivan Ivanovich & the Kreml Krauts aus Trier.

Aus dem Saarland beehrten etwa Thomas Blug, Oku & the Reggaerockers und Manuel Sattler das Studio 30. „Mit acht CD-Veröffentlichungs-Konzerten und anschließenden Partys sind wir ein Ort, an dem Neues entdeckt werden kann“, sagt Biewer: „Auch drei Abschiedsshows von Bands, die ihre Karriere beendet haben, hatten wir.“ Außerdem seien Szenen zu mehreren Musikvideos im Studio 30 gedreht worden, das neben den offiziellen Konzertterminen obendrein Tanz- und Party-Abende sowie Jam-Sessions veranstaltet.

Durchaus positiv fällt Biewers Fazit nach einem Jahr aus: „Die Anfangsphase war sicherlich sehr turbulent und die Zuschauerzahlen mal überraschend gut und manchmal nicht wie erwartet. In der zweiten Jahreshälfte konnten wir aber eine deutliche Steigerung beobachten. Das ist für mich ein gutes Zeichen, dass wir auf einem guten Weg sind und das Konzept langsam bekannt wird.“ Außerdem habe es „extrem positive Rückmeldungen“ der Besucher und Musikgruppen gegeben: „Die Leute sind dankbar, dass auch die kleinen und mittelgroßen Bands noch mal eine Spielstätte gefunden haben.“

Passend zu den jeweiligen Musikern gestalte sich auch das Altersspektrum des Auditoriums – unterm Strich also: quer durch die Generationen. Wie ist das finanzielle Resümee des Clubs, der anstelle von Festgagen je nach Zugkraft der Musiker mit einer breiten Skala zwischen Hutsammlung, Einnahmen-Beteiligung und Fahrtkostenerstattung arbeitet? „Aufgrund der geringen Kapazität sind unsere Veranstaltungen wirtschaftlich schwierig zu kalkulieren, aber durch eine Menge Idealismus und Begeisterung lässt sich das Konzept trotzdem umsetzen“, sagt der Programmchef. Im neuen Jahr wollen Biewer und das Studio-30-Team ihr bisheriges Konzept „weiter etablieren“, ferner mit dem PopRat-Saarland kooperieren und die Tage unter der Woche mit Programm füllen, so mit Lesungen, Workshops und Themenabenden. Darüber hinaus soll das hauseigene Tonstudio intensiver genutzt werden, vor allem für Live-Mitschnitte und Aufnahmen gastierender Bands.

Infos und Termine im Internet.

Mehr von Saarbrücker Zeitung