Streit über Rückgang bei Fahrgastzahlen der Saarbahn an der Oberen Saar

Öffentlicher Nahverkehr : Der Fahrgast-Schwund und sein Grund

Grüne beklagen massiven Rückgang der Saarbahnnutzer-Zahl an der Oberen Saar. Verkehrsunternehmen kontert.

Die Saarbahn schafft es jetzt sogar bis nach Berlin. Zumindest als Lieferant für Diskussionsstoff auf dem politischen Parkett. Die für Zugstrecken taugliche Straßenbahn hat die Bundesregierung beschäftigt.

Anlass war eine Kleine Anfrage des saarländischen Bundestagsabgeordneten Markus Tressel (Grüne). Der schlägt nach den Antworten Alarm. Die Grünen-Fraktion im Regionalverband schließt sich an.

Sie fordert ein besseres Verkehrsangebot und ein Ende der vielen Waben im Regionalverband, die das Fahren in Bussen und Saarbahnen teuer machen.

Aber das Verkehrsunternehmen wehrt sich und will die Vorwürfe der Grünen gegen die Saarbahn so nicht stehen lassen.

Doch erst mal zurück nach Berlin: Der Bundesregierung zufolge sind die Fahrgastzahlen an den Saarbahn-Haltepunkten entlang der Oberen Saar von 2004 bis 2017 massiv eingebrochen. Eine Ausnahme bilde lediglich der Bahnhof Brebach. Dessen Reisenden-Zahl stagniere mit 1594 Reisenden pro Tag zumindest nach einem zuvor leichten Aufwärtstrend.

An allen anderen Stationen bis zur Staatsgrenze ist es den Grünen zufolge aber schlecht bestellt um die Zahl der Saarbahnkunden: Güdingen minus 19,5 Prozent, was einen Rückgang von 1518 auf 1222 Reisende pro Tag bedeutet, Bübingen minus 9,7 Prozent (1158 auf 1046), Kleinblittersdorf minus 19,3 Prozent (2244 auf 1812), Auersmacher minus 43,2 Prozent (442 auf 250) und Rilchingen-Hanweiler minus 21,4 Prozent (812 auf 638).

Grünen-Bundespolitiker Tressel ermahnt die Verkehrspolitiker, diesen Negativ-Trend zu stoppen. Setze er sich ungehindert fort, dann steige die Belastung durch den Autoverkehr im Großraum Saarbrücken vermutlich weiter.

Für die Grünen im Regionalverband ist der Schwund bei den Fahrgastzahlen kein Wunder. Fraktionsvize Patrick Ginsbach sagt, Fahrten von und nach Hanweiler, Auersmacher und Kleinblittersdorf seien wegen der vielen durchquerten Waben zu teuer. Das Angebot stagniere trotz der Preiserhöhungen seit Jahren. Und die dringend zu erhöhende Zahl der Fahrten könne im Vergleich mit ähnlichen Regionen nicht mithalten. Bund und Land müssten die Bahnstrecke an der Oberen Saar angesichts des Verkehrschaos in Saarbrücken deutlich attraktiver machen und damit noch mehr Dreck, Lärm und Staus vermeiden. Außerdem reiche je eine Wabe für den Regionalverband und die Landkreise.

Die Saarbahn kontert die Anmerkungen der Grünen mit der Aufforderung, „bei aller Kritik an der Qualität des ÖPNV im Saarland auf Polemik in der Diskussion zu verzichten“. Politiker und Verkehrsunternehmen sollten sich vielmehr auf Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung einigen, fordert Saarbahn-Geschäftsführer Peter Edlinger. Er greift die angeblich massiven Rückgänge bei den Fahrgastzahlen an der Oberen Saar auf, indem er bereits den Begriff „Saarbahn-Haltepunkte“ „irreführend“ nennt. Vielmehr gehörten die von der Saarbahn genutzten Bahnhöfe und Gleise der Deutschen Bahn. Und die Saarbahn zahle dafür sogenannte Stationsentgelte.

Außerdem bezögen sich die von den Grünen genannten Zahlen nur auf die Zahl der Personen auf den Bahnsteigen, nicht jedoch auf die Zahl der Fahrgäste in der Saarbahn auf der gesamten Strecke.

Gleichwohl sagt das Verkehrsunternehmen, dass zwischen 2010 und 2016 Rückgänge in den Fahrgastzahlen um etwa sechs Prozent auf der gesamten Strecke zu verzeichnen seien. „2017 gab es wegen einer vierwöchigen Streckensperrung einen weiteren, außerordentlichen Rückgang von etwa vier Prozent gegenüber 2016“, heißt es in der Antwort der Saarbahn GmbH weiter.

Edlinger zufolge prüft das Landesverkehrsministerium mit dem Saarländischen Verkehrsverbund (SaarVV) Veränderungen am Wabensystem, um den öffentlichen Personennahverkehr „insgesamt attraktiver zu gestalten“.