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Streit bei den Grünen im Saarbrücker Stadtrat: Was Hubert Ulrich damit zu tun hat

Was Hubert Ulrich damit zu tun hat : Internes Wahldebakel: Streit bei Grünen im Saarbrücker Stadtrat

Die Stadtratsfraktion der Saarbrücker Grünen musste in der letzten Woche ihre Vorstandswahl abbrechen, die bisherigen Vorstandsmitglieder bleiben im Amt. Was Hubert Ulrich mit dem Eklat bei der Wahl der Fraktion zu tun hat.

Ein internes Wahldebakel erlebte die Saarbrücker Stadtratsfraktion der Grünen am Donnerstag. 4. November,  bei einer Sitzung im Rathaus St. Johann. Eigentlich wollte die Fraktion an diesem Tag turnusgemäß ihr Leitungsgremium neu wählen. Das geschieht im Normalfall alle zweieinhalb Jahre.

Zum bisherigen Fraktionsvorstand gehörten Sprecherin Yvonne Brück sowie Anja Wagner und Jérôme Lange. Viertes Vorstandsmitglied war bis im Frühjahr 2021 Thorsten Reif. Der hatte sein Stadtratsmandat niedergelegt, um für das Amt des Kulturdezernenten zu kandidieren. Bei der Wahl unterlag er jedoch seiner Gegenkandidatin Sabine Dengel. Für Reif rückte Xenia Forsch-Löckmann in die Fraktion nach. Reifs Posten als Co-Fraktionssprecher blieb seit damals unbesetzt, weil die Fraktion ja ohnehin Ende des Jahres ihren gesamten Vorstand neu wählen wollte.

Als  das nun am vergangenen Donnerstag auf der Tagesordnung stand, kam es zum Eklat. Denn die Vorstandsmitglieder werden einzeln gewählt, und als erste war die Fraktionssprecherin dran. Zwei Kandidatinnen traten an: die bisherige Sprecherin Yvonne Brück und Konkurrentin Patricia Schumann. Aber keine von beiden fand eine Mehrheit – und das, obwohl die Fraktion insgesamt sechsmal abstimmte. Alle Wahlgänge endeten mit einem Patt von sieben zu sieben. Danach brach die Fraktion die Wahlen ab. Und so blieben gemäß Geschäftsordnung der Grünen-Fraktion die bisherigen Vorstandsmitglieder Brück, Wagner und Lang zunächst im Amt – und Brück repräsentiert die Fraktion auch weiterhin als Sprecherin.

 Yvonne Brück
Yvonne Brück Foto: BeckerBredel

Beobachter vermuten, die Ursache des Wahldebakels sei Yvonne Brücks Nähe zum ehemaligen Landesvorsitzenden der Grünen, Hubert Ulrich – während Patricia Schumann zu Ulrichs Kritikern gehöre. Die SZ fragte Yvonne Brück, ob das so stimmt, und Brück erklärte: „Treibende Kraft hier ist Dr. Jérôme Lange. Ich sehe mich vor allem als Grüne. Und ich betrachte es nicht als negativ, wenn ich als Vertraute gehandelt werde. Eine ganze Reihe anderer hier in Saarbrücken waren bis vor kurzem immer froh, von Hubert Ulrich unterstützt und beraten zu werden, jetzt hat sich der Wind gedreht und diese Menschen damit auch. Zudem stand Frau Schumann zusammen mit Hubert Ulrich auf der Liste für den Bundestag.“

 Patricia Schumann
Patricia Schumann Foto: BeckerBredel

Auf SZ-Anfrage erwiderte der von Brück genannte Jérôme Lange: „Ich möchte mich an persönlichen Angriffen nicht beteiligen. Ich halte das nicht für zielführend im Sinne der Partei.“

Brücks Konkurrentin, Patricia Schumann, war im Mai 2019 ursprünglich für die Linke in den Stadtrat eingezogen, war dann aber im Oktober 2020 zu den Grünen gewechselt und hatte ihr Mandat mitgenommen. Dank Schumanns Wechsel ist die Grünen-Fraktion seither 14 Mitglieder stark.  Dadurch haben die Grünen und die 18 Mitglieder zählende CDU-Fraktion, derzeit zusammen 32 der insgesamt 63 Stimmen im Stadtrat.

Schumann erklärte der SZ: „Als Kritikerin von Hubert-Ulrich würde ich mich nicht in erster Linie bezeichnen, ich würde mich eher als neutral einstufen. Die tiefere Ursache des Wahldebakels in der Fraktion sind sicher die Vorgänge um die Bundestagswahl. Aber ich gehöre vor allem zu den Grünen und würde eigentlich lieber zusammenführen – das ist meiner Ansicht nach auch die Hauptaufgabe des künftigen Fraktionsvorstandes im Stadtrat. Und ich hoffe, dass die Fraktion so weit zusammenfinden kann, dass die turnusgemäße Vorstandswahl bei ihrer Wiederholung auch mit einem guten und praktikablen Ergebnis endet.“ Nach SZ-Informationen verlief die jüngste turnusgemäße Fraktionssitzung der Stadtrats-Grünen am Montag, 8. November, in konstruktiver Atmosphäre.