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Streik bei der Bahn wirkt sich auch in Saarbrücken aus

Stopp auf der Schiene : Stunden nach Streik-Ende fallen noch Züge aus

Sogar die lange vor dem Fahrplanwechsel groß angekündigte Premiere der Direktverbindung Saarbrücken – Berlin war betroffen: Passagiere fuhren mitten in den Ausstand.

Der mehrstündige Warnstreik, der am Montagmorgen Bahnkunden bundesweit traf, hatte auch Auswirkungen auf die Verbindungen von und nach Saarbrücken. Der Ausstand, zu dem die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) aufgerufen hatte, betraf zudem die private Konkurrenz.

So musste Vlexx (Vier-Länder-Express) Fahrten rund ums Saarland einstellen, wie Sprecherin Svenia Reuther in Mainz sagt. Damit fuhr der Regionalexpress (RE) 3 zwar in Saarbrücken über Neunkirchen und St. Wendel Richtung Frankfurt/Main ab. Doch in Neubrücke auf rheinland-pfälzischer Seite war die Reise beendet. Der Grund: „Vlexx nutzt die Infrastruktur der Deutschen Bahn.“ Die Züge des Privatunternehmens fahren auf den Schienen der DB. Dass die Wagen reibungslos rollen, dafür sind Fahrdienstleiter zuständig, ähnlich wie Lotsen für den Luftraum. Die Fahrdienstleiter sind wie die Lok-Führer DB-Mitarbeiter – und streikten. Damit legten sie den Betrieb für alle lahm, die hier normalerweise unterwegs sind, egal für welchen Anbieter.

Nach Ende des Ausstands um 9 Uhr dauerte es bei Vlexx den gesamten Tag, bis die Züge wieder im Plan waren. Reuther: „Personal und Züge waren durch den Streik nicht dort, wo sie hingehörten.“ Damit brauchte es Stunden, bis alles eingependelt war. Wie viele Züge ausfielen, wusste hatte die Pressesprecherin bis zum späten Nachmittag noch nicht.

Während der Vlexx-Betrieb allmählich wieder regelmäßig lief, gab es bis zum Mittag auf einzelnen Strecken Ausfälle, unter anderem bei der Regionalbahn (RB) von Merzig nach Saarbrücken, die sonst kurz vor Mittag in der ankommt. Auf anderen Strecken schwankten die Verspätungen zwischen fünf und 20 Minuten, beispielsweise beim Süwex (Südwest-Express).

Doch das machte Familie Gläser aus Völklingen nichts aus. Sie wollte von Saarbrücken mit dem DB-Tochterunternehmen nach Mannheim, von dort mit dem Fernzug weiter nach Hamburg. „Wir wollen vier Tage bleiben“, sagt Mutter Christine (43). „Das war zeitlich auch so geplant.“ Damit hätten sie die Auswirkungen des Streiks umschifft. „Der Zug kommt fünf Minuten später, aber das reicht für den Anschluss“, ergänzt ihr Mann Sven (47).

Gelassen ging auch Benjamin Lefebre (23) mit dem Streik um. Er war am Morgen im Auto von Mettlach aus mitgenommen worden. Um die Mittagszeit wollte der junge Franzose zurück, jetzt mit der Bahn. „Alles in Ordnung“, sagt er beim Blick auf die Anzeige. Denn sein Zug sollte pünktlich sein.

Gar nicht reibungslos verlief die Premierenfahrt der ICE-Direktverbindung Saarbrücken – Berlin. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag bietet die DB diesen Zug an. Wie eine Bahnsprecherin in Frankfurt mitteilt, startete die Fahrt trotz des um 5 Uhr begonnenen Streiks wie vorgesehen um 6.29 Uhr. „Doch der Zug geriet mitten in den Ausstand.“ Mehr als drei Stunden zu spät erreichte der Intercity-Express die Hauptstadt. Laut Plan hätte er um 12.55 Uhr ankommen sollen. Tatsächlich stiegen die Reisenden erst um 16.15 Uhr aus. Auf dem Weg nach Berlin „hatte der Zug Homburg noch pünktlich passiert“, sagt die DB-Sprecherin. Dann habe er aber in der Pfalz einen mehrstündigen Zwangsstopp eingelegt.

Wer am Abend die Rückfahrt antrat, sei am Berliner Hauptbahnhof kurz nach 17 Uhr pünktlich losgekommen, versichert sie. Sie rechnete damit, dass am Dienstag „alles wieder normal laufen“ soll.

Unterdessen herrschte im und vor dem Saarbrücker Hauptbahnhof schon am Mittag wieder entspannte Ruhe bei den meisten Reisenden.