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Stolpersteine in Saarbrücken in Gedenken an Opfer des NS-Regimes gereinigt

75 Jahre nach der Befreiung Hitler-Deutschlands : Erinnerung an Opfer der Nazis wachhalten

Am 75. Jahrestag der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg sollte vor allem an die Opfer des NS-Regimes erinnert werden. Für die Überlebenden war der 8. Mai ein Tag der Befreiung, Millionen Menschen aber wurden im Dritten Reich ermordet.

Die den Linken nahestehende Rosa Luxemburg-Stiftung (RLS), im Saarland im Verbund mit der Peter Imandt-Gesellschaft, hatte ein Gedenken an die NS-Opfer gemeinsam mit der antifaschistischen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) organisiert. Größere Zusammenkünfte waren allerdings aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht möglich. „Wir hatten ursprünglich eine Bustour vor, unter anderem wollten wir den amerikanischen Soldatenfriedhof in St. Avold besuchen – das ging natürlich nicht“, sagte der Regionalleiter der RLS, Patric Bies. Stattdessen sollten mehrere kleinere Aktionen im ganzen Saarland an die Nazi-Opfer erinnern. So wurde auf dem Völklinger Waldfriedhof ein Kranz für die dort bestatteten 231 Zwangsarbeiter niedergelegt. In Blieskastel sang Liedermacherin Gaby Klees antifaschistische Lieder in der Fußgängerzone. Auch in Merzig, Beckingen, Saarwellingen, Mettlach und Losheim fanden Aktionen zum Gedenken statt.

In Saarbrücken trafen sich Bies, seine Stellvertreterin Gesine Kleen, der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Saar, Max Hewer, die Saarbrücker Stadtverordnete Patricia Schumann (Linke) und der Landtagsabgeordnete Dennis Lander (Linke) am Rathaus, um die dortigen drei „Stolpersteine“ zu putzen. Diese kleinen Mahnmale sind in den Boden eingelassene Inschriften aus Metall, die an Widerstandskämpfer und Verfolgte im nationalsozialistischen Deutschland erinnern. Auf dem Rathausplatz wird an den Beigeordneten Peter Roth (Kommunistische Partei – KP) und die Stadtverordneten Fritz Dobisch (SPD) und Wendel Schorr (KP) erinnert, die zwischen 1941 und 1943 von den Nazis ermordet wurden. Gegenüber, an der Ecke Johannisstraße und Nassauer Straße, befinden sich zwei Stolpersteine zu Ehren von Emilie Kaiser und ihrer Tochter Paula Loeb. Die beiden jüdischen Frauen wohnten einst in dem Eckhaus an dieser Stelle, ehe sie 1942 in Sobibor ermordet wurden.

Patric Bies ist der Auffassung, dass der 8. Mai schon vor Jahrzehnten zum Feiertag hätte erklärt werden müssen. Allein zum Kriegsende in Deutschland habe es fünf Millionen Zwangsarbeiter gegeben, auch für die sei es eine Befreiung gewesen. „Klar, dass jetzt ein paar Revanchisten sagen, dass es ein Tag der Niederlage war. Wir haben ja die Bemerkung von Gauland dieser Tage im Ohr“, kritisiert Bies. Nach 1933 hätten die Deutschen keine Chance mehr gehabt, sich aus eigener Kraft vom Naziregime zu befreien. „Es konnte nur noch das Ausland helfen.“ Max Hewer, Lehrer für Geschichte und Politik, erinnerte an die Gruppe von Kommunisten im Saargebiet, die früh Widerstand geleistet hatten. Ihnen war 1938 der sogenannte Rote-Hilfe-Prozess gemacht worden. Mit Hilfe der damaligen Unrechts-Justiz schaffte es das Naziregime, seine politischen Gegner erst mundtot zu machen und sie schließlich in die KZs zu bringen.