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Stiring-Wendels Disco-Sound gegen den Corona-Blues  

Musik hilft Franzosen : Stiring-Wendels Disco-Sound gegen den Corona-Blues

Das muss man den Franzosen lassen: Im Umgang mit der Corona-Krise beweisen sie Stil. Während hierzulande Klopapier gehortet wird, kaufen unsere lothringischen Nachbarn Rotwein auf Vorrat. Und auch sonst leben sie die Krise irgendwie anders.

Jeden Abend ertönen in Stiring-Wendel direkt neben Saarbrücken  von 19.50 Uhr bis 20 Uhr satte Töne: Schlager, Techno, R’n’B’ und aktuelle Hits. Dann nämlich packt Sévérine ihren Computer und Verstärker aus und beschallt die Nachbarschaft. Für jeden soll etwas dabei sein. So berichtet es die lothringische Tageszeitung „Le Républicain Lorrain“ in seiner Online-Ausgabe vom Dienstag. „Um mich herum gibt es viele Leute, die allein sind“, sagt die junge Frau, „die Musik erlaubt es ihnen, den Alltag zu vergessen. Selbst die Älteren mögen das“.

Unterstützung bekommt Sévérine von Thomas Henry, alias DJ Tiwaz. Seit zwei Jahren tritt er bei Hochzeiten und Abendveranstaltungen auf, jetzt aber mixt er seine Musik jeden Abend zwischen 20 Uhr und 20.15 Uhr. „Für mich ist es wichtig, den Mut nicht sinken zu lassen und denjenigen Respekt zu zeigen, die jeden Tag für uns Risiken eingehen. Mein Stil ist vor allem Discomusik und Hits der 80er Jahre. Am Ende spiele ich aber immer die Marseillaise.“

Die französische Nationalhymne packt Michel, besser bekannt als DJ Mitch, zwar nicht jeden Abend aus, dafür aber alles, was seine Nachbarn sich von ihm wünschen. Von 20 Uhr bis 22 Uhr spielt er deren Musikwünsche, „nicht später“, wie er sagt, „denn ich denke auch an diejenigen, die am nächsten Tag arbeiten müssen“. In den 90er Jahren legte er in der Saarbrücker Disco Kufa in der Dudweiler Landstraße auf, jetzt ist sein Publikum die Nachbarschaft. „Die Leute singen und tanzen und einige Autofahrer hupen im Vorbeifahren“, sagt er. Sein großer Wunsch ist, dass sich nach dem Ende der Ausgangssperre alle zu einem großen Fest zusammenfinden. Mit oder ohne Marseillaise.