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Stefan Schömer - eine Ikone im saarländischen Tischtennis

Altenkessel / Völlklingen : Ikone im saarländischen Tischtennis

Mit dem TV Altenkessel wurde Stefan Schömer Meister in der Senioren-Saarlandliga und Senioren-Saarlandpokalsieger.

Seit gut zwei Wochen ist der Sport im Saarland wegen des Coronavirus auf Eis gelegt. Hallen und Säle sind geschlossen. Mannschaftstraining ist verboten. „Ich habe mit sehr vielen Tischtennisspielern Kontakt und habe auch schon viele E-Mails verschickt. Allen fehlen das gemeinsame Training und die Wettkämpfe am Wochenende“, sagt Stefan Schömer.

Der 59-Jährige ist eine Ikone im saarländischen Tischtennissport. Er war nie der Spitzensportler mit grandiosen Erfolgen, aber er verkörpert den Breitensport Tischtennis wie kaum ein anderer im Land. „Ich bin nicht verheiratet und habe keine Kinder. Tischtennis ist meine Familie und mein Leben“, sagt der Völklinger.

Die meisten Menschen sind aktuell nach zwei Wochen ohne öffentliches Leben und fast nur in den eigenen Wänden mit den Nerven so gut wie am Anschlag. Stefan Schömer war vor drei Jahren 18 Monate am Stück zu Hause. Im Jahr 2014 wurde bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert. „Es war ein kleiner Eingriff, eine kleine Chemotherapie und danach schien alles in Ordnung. Aber der Krebs kam zurück“, erinnert sich Stefan. Metastasen in den Lymphdrüsen hieß die Diagnose im Jahr 2017.

Vier Chemotherapien blieben erfolglos. „Es war eine schlimme Zeit. Man ist nervlich und körperlich am Ende. Ich war nur zu Hause und, konnte kaum vor die Tür gehen und durfte mich nicht anstrengen. Ich habe mich in dieser Zeit um andere gekümmert und habe auch von zu Hause Dinge im Tischtennis organisiert. Ich war und bin ja immer noch Mannschaftsführer und konnte mich viel einbringen. Außerdem gibt es ja noch den Fernseher und das Internet. Ich habe 18 Monate zu Hause verbracht. Wenn man will, geht alles“, erklärt der Tischtennisspieler vom TV Altenkessel.

Seine Mama hat Stefan zum Tischtennis gebracht. Mit 14 Jahren ist er zum ersten Mal ins Training des TV Völklingen gegangen. Als die Tischtennisabteilung des TVK im Jahr 2003 aufgelöst wurde, fand Stefan in Altenkessel seine neue Tischtennisfamilie. Und da die Tischtennisfamilie im Saarland bestens vernetzt ist, erfuhr auch ein Tischtennisspieler aus Niederlinxweiler von Stefans Krankheit. Da dieser gleichzeitig Arzt in der Homburger Uniklinik war, machten sich die beiden Tischtennisspieler auf die Suche nach einer neuen Heilungsmethode.

„Ich wurde im vergangenen Jahr operiert. Die Metastasen wurden entfernt. Seit dem habe ich zwei Nachuntersuchungen gehabt, und es wurde nichts festgestellt. Ich bin sehr froh, dass ich wieder da bin“, sagt der Lagerverwalter, der im Übrigen auch seit 33 Jahren Tischtennis-Schiedsrichter ist. Stefan konnte im vergangenen Jahr sogar schon wieder den Tischtennisschläger in die Hand nehmen und feierte den bislang größten Erfolg seiner Karriere. Mit dem TV Altenkessel wurde er Meister in der Senioren-Saarlandliga und Senioren-Saarlandpokalsieger. „Man muss dazu sagen, dass die Leistungsträger in unserer Mannschaft andere sind. Ich spiele eher eine untergeordnete Rolle, doch der Erfolg war trotzdem super und hat mir sehr gutgetan“, so der leidenschaftliche Tischtennisspieler.

Aktuell fühlt sich Stefan durch die Corona-Pause erinnert an seine lange Leidenszeit vor drei Jahren. „Es fühlt sich ein bisschen so an. Der große Unterschied ist aber, dass ich gesund bin. So etwas wissen viele Menschen vielleicht gar nicht mehr zu schätzen. Ich kümmere mich zurzeit wie vor drei Jahren um andere Menschen, schreibe viele E-Mails, pflege Kontakte und schaue auch mehr TV. Wir werden diese Zeit überstehen, da bin ich mir sicher“, sagt Stefan Schömer.