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Starke Schule, stark von Corona gefordert: Köllertalschule für Behinderte

Wie eine staatliche Förderschule die Krise meistert : Starke Schule stark von Corona gefordert

Die Staatliche Förderschule körperliche und motorische Entwicklung Püttlingen und ihre besonderen Probleme.

„Was macht ihr hier in der Schule?“, fragt mit lauter Stimme das etwa 15-jährige Mädchen die Gruppe Erwachsener, die hier augenscheinlich normalerweise nichts zu suchen hat. „Einen Rundgang“, antwortet Schulleiter Christoph Mittmann freundlich, der mit der Gruppe unerwegs ist. Man merkt es nicht sofort, aber die Jugendliche ist von einer bestimmten Spielart des Autismus betroffen. Ein etwas jüngeres Mädchen kommt – durchaus mit einem gewissen Schwung – in einer Mischung aus Elektro-Dreirad und Rollstuhl um die Ecke gebogen. Vor einigen Schulräumen parken die unterschiedlichsten Arten von Rollstühlen, Rollatoren und Laufgestellen in den breiten Gängen der Köllertalschule in Püttlingen.

Die „K-Schule“, wie sie auch genannt wird, ist eine „Staatliche Förderschule körperliche und motorische Entwicklung“. Etwa 150 Kinder und Jugendliche aus dem Regionalverband sowie aus den Landkreisen Saarlouis und Merzig besuchen in 17 Klassen die dem Bildungsministerium unterstehende Landesschule. Eine zweite solche Schule für die anderen Landkreise befindet sich in Homburg.

Die Aufgaben für Lehrer und medizinische Mitarbeiter umfassen schon durch die Behinderungsgrade der Schüler eine sehr große Bandbreite. Manche Kinder sind mehrfach und schwerstbehindert, haben Pflegebetten im Klassenraum, andere mit kleineren Einschränkungen werden auf den Hauptschulabschluss vorbereitet.

Staatssekretär Jan Benedyczuk ist im Rahmen seiner Schulbesuche an diesem Mittwoch vor Ort, zusammen mit den Ministeriums-Mitarbeitern Tanja Mörz und Pascal Decker, Leitender Referent für Förderschulen. Ein Thema des Besuchs sind – natürlich – die im Vergleich zu herkömmlichen Schulen nochmals verschärften Herausforderungen und Sicherheitsvorkehrungen, die es von der Schule in Folge der Corona-Pandemie zu meistern gilt. Denn einige der Schüler gehören zur Risikogruppe, etwa wegen geschwächter Immunsysteme, Herzkrankheiten oder Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose. Bei anderen Kindern ist es schlicht nicht möglich, einen körperlichen Abstand einzuhalten. Sei es, wegen der nötigen Pflege, sei es aus psychologisch-didaktischen Gründen. Und nicht jedes der Kinder versteht die Maskenpflicht, reagiert verstört oder aggressiv. So hat das Schul-Team besonders gute Masken, gegebenenfalls auch Kittel und Schutzhandschuhe. Die Klassen bleiben getrennt, die Anfahrt erfolgt ohnehin immer in den selben, maximal siebenköpfigen Kleingruppen.

„Alle Kinder haben sich riesig gefreut, als die Schule wieder losging“, sagt Konrektorin Annette Thiriot. Schon während des Lockdowns wurde durchgehend ein Notdienst aufrechterhalten, der zunächst von 20, gegen Ende von etwa 25 Familien genutzt wurde. Weitere 20 bis 25 Familien erhielten in dieser Zeit Hausbesuche von Mitarbeitern der K-Schule. Zu den 46 Mitarbeitern gehören neben Pädagogen zum Beispiel auch – mit pädagogischer Zusatzausbildung – Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten und zwei Krankenschwestern. In den kleinen Klassen ist neben Lehrerin oder Lehrer mindestens eine weitere erwachsene Person anwesend.

Förderschullehrer, so der Staatssekretär, würden überall gesucht, auch mangele es bundesweit an entsprechenden Ausbildungsplätzen. Zugenommen habe in den vergangenen etwa 20 Jahren der Anteil der schwerst behinderten Kinder. – Die Medizin wurde besser und kann inzwischen Kinder retten, die vor 20 Jahren das Schulalter nicht erreicht hätten.

Im Deutschunterricht bei Natalie Smith wird gerade in einem kleinen Wettbewerb zwischen zwei Gruppen mit Eifer das Wort P-o-l-i-z-i-s-t buchstabiert. Die Förderschullehrerin sagt, dass sie die Klasse je nach Alter und Leistungsvermögen der einzelnen Schüler nach drei Lehrplänen unterrichtet. Diese Unterschiede verhindern oft die Zusammenarbeit beim Lehrstoff, daher gibt es zwischendurch immer wieder Gemeinschafts-Aufgaben oder -Spiele, um die Fähigkeiten der Kinder zu verbessern, untereinander und mit ihrem sozialen Umfeld zu kommunizieren. Doch trotz der Unterschiede sei der Umgang miteinander ausgesprochen gut: Ein neuer Schüler, der an seinem ersten Tag aus Angst für Probleme sorgte, „bekam am nächsten Tag von den Kindern kein böses Wort zu hören“, sondern positive Rückmeldungen, wie schön es sei, dass es ihm jetzt bessergehe.

Trübsal blasen gehört in der K-Schule ohnehin nicht zum Alltag: In der 5 A gibt’s ein fröhliches Klopf-und-Klatsch-Begrüßungsliedchen, dann malen die Kinder weiter an ihren bunten „Saarsteinen“, die als Aufmunterungs-Grüße in Coronazeiten entlang des Köllerbachs gelegt werden.

In einer Gruppe mit Schwerbehinderten merkt man aber, wie – trotz technischer Hilfen – auch körperlich anstrengend die Arbeit für die Mitarbeiter ist. Ihres Wissens, sagt Konrektorin Thiriot, gehe jeder auch privat irgend einer sportlichen Betätigung nach, um dem Rücken etwas Gutes zu tun und fit für die Arbeit zu bleiben.

 Begrüßung der Gäste mit  Staatssekretär Jan Benedyczuk (hinten stehend 2. von rechts), hinten rechts Schulleiter Christoph Mittmann.
Begrüßung der Gäste mit  Staatssekretär Jan Benedyczuk (hinten stehend 2. von rechts), hinten rechts Schulleiter Christoph Mittmann. Foto: BeckerBredel

Fit zeigen sich auch die Schüler, die gerade auf dem Pausenhof herumtollen. Wegen Corona gibt es versetzte Pausen für die Klassen. Aber so ist wenigstens Platz für Rennen mit den großen Dreirädern und den flachen Tretautos. Auf dem kleinen Sportfeld mit Fallschutz wird – mit motorisch sehr unterschiedlichen Ansätzen – gekickt. Einer macht sogar einen Fallrückzieher – und trifft. Fußball, so scheint es, geht irgendwie immer.