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Stand-up-Paddling auf der Saar: SZ-Mitarbeiter Sebastian Dingler übt es

Stand-up-Paddling im Saarland immer beliebter : Paddeln auf der Saar: „25 Prozent der Leute, die zum ersten Mal fahren, fallen ins Wasser“

Und wie sieht es denn mit der Strömung aus? Ist das nicht zu gefährlich? Unser Autor hat es ausprobiert.

Wie lange gleiten Sportler schon auf Brettern durch die Brandung? Und wie lange schon sitzen sie in Paddelbooten? Eine noch junge Sportart ist die Verbindung aus beidem, das Stand-Up-Paddling (kurz: SUP). Natürlich verwandten bereits Urvölker das stehende Paddeln zum Fischfang. Dennoch hat es lange gedauert, bis daraus ein Massensport wurde. „25 Prozent der Leute, die zum ersten Mal fahren, fallen ins Wasser“, klärt mich Marcus Winkler auf, der in Saarbrücken Boards verleiht und Kurse zum Stehpaddeln anbietet.

Wir treffen uns am Kulturbiergarten am St. Arnualer Saarufer. Winkler betreibt die Sportart schon seit vier Jahren und bietet die Kurse auf der Saar seit zwei Jahren an. Die Saar sei als langsames Gewässer ziemlich unproblematisch. Anders sehe das etwa am Rhein aus, der eine gewisse Geschwindigkeit und Strudel mit sich bringt. Außerdem müsse man dort aufpassen, nicht in den Sog größerer Schiffe zu geraten.

Als aber nach den Regengüssen die Saar viel schneller fließt, bläst der SUP-Lehrer den Kurs beim ersten Termin ab. Besser so. Reinfallen möchte ich nicht. Und das braune Regenwasser dürfte nicht gerade warm sein. Also verschiebt sich die Geschichte auf einen heißen Tag mit erträglicher Wassertemperatur.

Doch Reinfallen ist immer noch nicht mein Plan. Den Kindern, die vor uns auf die Boards steigen, ist das egal. Sie plumpsen gern ins Wasser. Marcus erklärt uns Anfängern, wie man den sogenannten „Sweet Spot“ findet, die ideale Stelle auf dem Brett.

Aber so weit muss man ja erst mal kommen. Stehen! Bisher paddelte ich immer im Sitzen. Stehen wirkte sich meist fatal aus: Kleinste Bewegungen nach links oder rechts hatten meist größere Folgen. Das Paddel soll man eng am Board vorbeiziehen, drei Schläge links, drei rechts. Am Anfang sei es günstig, im Knien zu paddeln, um etwas Fahrt aufzunehmen – je schneller, desto stabiler das Brett unter einem. Die Vorbereitung auf die Tour dauert eine halbe Stunde. Das Paddel muss auf die Körpergröße eingestellt, das Board mit einer Schlaufe am Fuß befestigt werden.

Jetzt gilt’s. Ich nehme das große Board am Tragegriff und lege es ins Wasser. Zum Glück gibt es an dieser Stelle Steinplatten unter der Wasseroberfläche. Ich klettere kniend aufs Brett, das ein bisschen wackelt. Aber nicht viel. Erst mal weg vom Rand, denke ich, denn die Boards besitzen Kiele, die an flachen Stellen beschädigt werden könnten. Dann stehe ich auf - das ist gar nicht so schwer. „Ein bisschen weiter nach hinten“, ruft Marcus, der mich und die anderen Kursteilnehmer genau im Auge hat. Dort, in der Mitte des Bretts, an der Trageschlaufe, ist der Stand am besten. Ich wage meine ersten Paddelzüge. So schwer ist das nicht. „Das Gute an dem Sport ist, dass ihn auch weniger sportliche Menschen ausüben können. Manche sehen das vom Ufer aus und trauen sich dann auch, es zu versuchen“, sagt Marcus, der hier an der Saar durchaus Laufkundschaft hat. Problematisch sei eher der „Verkehr“ auf der Saar: Vor allem den schnellen Ruderbooten, deren Besatzung ja hinten keine Augen hat, sollte man nicht zu nahe kommen. „Wenn ihr das nicht schafft, ruft laut ‚Achtung‘ oder Vorsicht’“, ermahnt Marcus. Am besten, man hält sich am Rand auf. Ruder- und Motorboote fahren in der Mitte des Flusses.

Zum Glück ist heute nicht allzu viel los auf der Saar. Wir fahren den Fluss runter Richtung Altarm am Staden. Dort üben wir Richtungswechsel, Drehen, Kurven und den Bogenschlag. Bei Letzterem wird das Paddel in einem Halbkreis nach hinten gezogen. Das Brett dreht sich dann fast um die eigene Achse.

Langsam gewöhne ich mich an Material und Technik. Wir fahren zurück auf den Fluss und drehen noch eine Runde in den Osthafen. Die Angst vorm Reinfallen ist weg, ich komme gut voran, das Paddeln strengt ein bisschen, aber nicht allzu viel an – und macht Spaß. Irgendwas stimmt nicht mit der Statistik. Auch die anderen drei Teilnehmer kommen mit trockenen Kleidern ans Ufer. Eigentlich hätte ja einer von uns ins Wasser fallen müssen.