Stadtwerke Saarbrücken verdienen an Gas, Wasser, Strom und Fernwärme

Nahverkehr und Energieversorgung : Stadtwerke sind in der Gewinnzone

Mit Gas, Wasser, Strom und Fernwärme macht Saarbrücken Gewinn, mit den Bädern, Saarbahn und Bussen Verluste.

Die Kunst, sich würdig zu verabschieden, obwohl die Umstände nicht unbedingt danach sind, beherrscht nicht jeder. Thomas Severin scheint diese Kunst zu beherrschen. Das „Servus, es war meistens schön mit Euch, ich wünsche Euch weiter viel Erfolg“ des scheidenden Sprechers der Geschäftsführung der Stadtwerke Saarbrücken klingt so:  ,„Es ist schön, zu sehen, wie die Stadtwerke Saarbrücken in den vergangenen Jahren auf Erfolgskurs gekommen sind.“

Der Konzern, den Severin gerne noch ein paar Jahre geleitet hätte, den er aber zum Jahresende verlässt, weil die Politik seinen Vertrag nicht verlängert hat, steht stabil da. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es gab Jahre, da musste die Landeshauptstadt um ihren Konzern bangen.  Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Konzern mit seinen über 1000 Mitarbeitern allerdings erneut einen Überschuss von 5,3 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse seien von 229,5 auf 248,9 Millionen Euro, also um acht Prozent gestiegen, teilt das Unternehmen mit. 24 Millionen Euro habe der Konzern 2018 investiert. Das Plus von 5,3 Millionen Euro diene der weiteren Konsolidierung.

Geld verdient haben die Stadtwerke nach eigenen Angaben im „traditionellen Kerngeschäft“, dem  Netzbetrieb für Gas, Wasser, Strom und Fernwärme sowie der Wassererzeugung. Nach Steuern habe man 11,04 Millionen Euro Gewinn gemacht, eine kanppe Million mehr als im Jahr zuvor.  Das „einstige Sorgenkind“, wie es in einer Mitteilung der Stadtwerke heißt, die Energieerzeugung, trage inzwischen mit einem einem Gewinn von 2,4 Millionen Euro ebenfalls zum positiven Konzernergebnis bei. Noch vor sechs Jahren habe man hier Millionenverluste eingefahren.

Comet, das Energiedienstleistungsunternehmen der Stadtwerke, das unter anderem Zählerstände abliest,  habe seine „deutschlandweite Marktposition weiter stärken“ können, teilt der Vorstand mit. Comet trägt mit 1,2 Millionen Euro Gewinn bei einem Gesamtumsatz von 11,3 Millionen zum Ergebnis bei.

Miese fahren weiterhin Saarbahnen und Busse ein. Der Verkehrsbereich drücke das Gesamtergebnis mit einem Verlust von 10,8 Millionen Euro. Der Verlust wäre noch höher ausgefallen, wenn es nicht rund sechs Millionen Euro „Kostenausgleich des saarländischen Verkehrsministeriums für systembedingte Mehrkosten für den Straßenbahnbereich“ gegeben hätte.

Verlust macht auch weiterhin der  Bäderbetrieb. 2018 verzeichnete er ein Minus von 2,6 Millionen Euro. Negativ wurde die Stadtwerke-Bilanz außerplanmäßig durch die Hochwasserschäden im Fechinger Kombibad und an der Köllertalstrecke der Saarbahn mit 630 000 Euro belastet.

Rechne man die Übernahme der Verluste aus dem defizitären Bereichen Verkehr und Bäder, die Konzessionsabgaben und Steuern hinzu, die der Konzern an seinen Eigentümer, die Stadt Saarbrücken, zahlt, ergebe sich „ein unmittelbarer Jahresbetrag für die Einnahmen der Landeshauptstadt Saarbrücken in Höhe von weit über 25 Millionen Euro“, haben die Stadtwerke ausgerechnet. Dazu komme, dass man einen „sicheren und zuverlässigen“ Beitrag zur Daseinsvorsorge garantiere, also eine verlässliche Energie- und Wasserversorgung, den öffentlichen Personennahverkehr und die Bäder.

Auch als Arbeitgeber seien die Stadtwerke verlässlich. 2018 beschäftigte der Konzern 1050 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Hälfte davon sind im Verkehrsbereich angestellt. „Damit ist der Konzern einer der größten Arbeitgeber in der Region. Um die aktuellen und zukünftigen demografischen Herausforderungen zu meistern, liegt ein unternehmerischer Schwerpunkt der Konzerngruppe auf der Ausbildung junger Menschen“, schreibt Konzern-Sprecherin Ulrike Reimann. Momentan absolvieren rund 60 Auszubildende in unterschiedlichen kaufmännischen und technischen Ausbildungszweigen ihre Lehre.

Dass die Landeshauptstadt Saarbrücken den neuen ÖPNV-Auftrag, also das Betreiben von Bahn und Bussen, an die Saarbahn-Gesellschaft für zehn Jahre vergeben hat, „bedeutet eine Sicherung von über 500 Arbeitsplätzen für die nächsten zehn Jahre“, sagt Vorstand Peter Edlinger. Nichtsdestotrotz sei „der weitere Unternehmenserfolg kein Selbstläufer“.

Thomas Severin, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Saarbrücken. Foto: SW/Iris Maurer. Foto: Iris Maria Maurer
Die Saarbahn gehört zu den Stadtwerke-Geschäftsbereichen, die Miese machen. Foto: BeckerBredel

Das laufende Geschäftsjahr 2019 wird nach Einschätzung der Geschäftsführung unterhalb des Vorjahres abschließen.

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