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Saarbrücken ersetzt sperrige Wörter
Stadt schwört dem alten Amtsdeutsch ab

Leichte Sprache hält in vielen deutschen Verwaltungen Einzug. Auch in Saarbrückens Ämtern.
Leichte Sprache hält in vielen deutschen Verwaltungen Einzug. Auch in Saarbrückens Ämtern. FOTO: Carmen Jaspersen/dpa / Carmen Jaspersen
Saarbrücken . Saarbrücken ersetzt sperrige Begriffe durch Worte in leichter Sprache. Auch Bilder erklären, was die Verwaltung tut. Von Laura Vordermayer

Behördendeutsch ist zuweilen umständlich und schwer zu verstehen. Wo und wie soll man einen Personalausweis beantragen, seinen Wohnsitz ummelden, einen Bauantrag stellen? Besonders Menschen, die noch nicht gut genug Deutsch sprechen oder die mit geistigen Einschränkungen leben, haben mit der trockenen Amtssprache zu kämpfen.


Genau diese Menschen will die Landeshauptstadt nun mit einem erweiterten Angebot auf ihrer Internetseite erreichen. Wichtige Informationen zu Amtsangelegenheiten sind jetzt nicht nur auf Englisch, Französisch und Niederländisch, sondern auch in Leichter Sprache verfügbar. Unter diesem Stichwort finden Nutzer im oberen Seitenbereich Antworten auf dringende Fragen.

Was aber ist Leichte Sprache? Es handelt sich um das Ergebnis eines europaweiten Bemühens, Behördeninformationen auch Menschen mit geistiger Behinderung zugänglich zu machen. Diese Bürger sollen die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ihre Entscheidungen zu treffen. Das geht aber nur, wenn sie ihre Rechte und Pflichten kennen – genau das soll nicht mehr an komplizierter Behördensprache scheitern.



Leichte Sprache folgt bestimmten Regeln. So soll der Text keine Fremdwörter oder schwierigen Begriffe enthalten. Die Sätze müssen kurz und einfach sein. Außerdem soll der Text auf Verneinungen oder Passiv-Formen verzichten, sofern dies möglich ist.

In Saarbrücken lief das so: Geschulte Übersetzer formulierten Antworten auf 20 häufig gestellte Fragen an die Stadtverwaltung in Leichter Sprache. Anschließend prüfte eine Gruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten, ob die Antworten der Verwaltung verständlich sind.

Seit kurzem ist nun auf der Internetseite der Landeshauptstadt allerlei Wissenswertes über finanzielle Hilfen wie Bafög oder Elterngeld in Leichter Sprache zu lesen. Bürgerinnen und Bürger können sich dort auch darüber informieren, wie sie zum Beispiel einen Personalausweis, ihre Baugenehmigung oder den Schwerbehindertenausweis beantragen.

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz betonte, wie wichtig dieser Schritt für eine offene Gesellschaft ist: „Damit gehen wir auf die Vielfalt der Saarbrücker ein und werden deren unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht.“ Die Texte konzentrieren sich auf die wichtigsten Informationen. Auf der Seite befinden sich auch Bilder, die Sachverhalte und Vorgehen anschaulich erklären.

Die Arbeitsgruppe „Leichte Sprache“ schreibt ihr Konzept fort, um künftig weitere Informationen für Menschen mit geistigen Einschränkungen bereitzustellen.

Weitere Informationen gibt es im Internet: www.saarbruecken.de

Informationen zu den EU-Richtlinien für Leichte Sprache finden Sie im Internet: www.leicht-lesbar.eu/