Stadtrat will biologisches, regionales Essen für Kitas in Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Kinderbetreuung : Besseres Essen in Saarbrücker Kitas

Nachdem 2018 Plastikteile in Kita-Lebensmitteln gefunden wurden, organisiert die Stadt die Versorgung nun neu.

Regional soll es sein, bio und gut. Wenn es ums Essen für die Kinder geht, die in den städtischen Kindertagesstätten betreut werden, sind sich die Parteien im Saarbrücker Stadtrat weitestgehend einig. Nur woher sollen sie kommen, die rund 1200 warmen Mittagessen, die jeden Tag in den 16 städtischen Kitas gebraucht werden? Das will die Stadt mit 16 Ausschreibungen klären, die der Stadtrat gestern beschlossen hat.

Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte der zuständige Bildungsdezernent, Thomas Brück (Grüne), in seiner Vorlage für den Stadtrat klar gemacht, was Fachpolitiker unter den 63 Stadtverordneten schon länger wussten: Es wird nicht einfach, die Anforderungen an gutes Kitaessen, die die Stadtverwaltung zusammen mit den Stadtratsfraktionen formuliert hat, zu erfüllen. Das ist das Ergebnis eines Markterkundungsverfahrens.

Das Verfahren, erklärt Brück, diente unter anderem „der Klärung der Frage, ob unter den Kriterien der Ausschreibung eine Bewerberlage zustande kommt und wo die Grenzen liegen“. Von 17 in Frage kommenden Caterern seien zehn zum Termin Mitte August gekommen. „Grundsätzlich sind die Caterer bereit Produkte aus ökologischem Anbau zu verarbeiten. Hier wird von allen Beteiligten eine feste Quote als zielführend betrachtet. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass vereinzelte Caterer aufgrund derzeit bestehender weiterer Lieferverhältnisse mit Dritten keine Notwendigkeit sehen, Produkte aus ökologischem Anbau anzubieten“, berichtet Brück.

Bei den geforderten Mengen werde es „äußerst schwierig am Großmarkt die erforderliche Menge an Bio-Produkten, insbesondere Biofleisch mit 120 Kilogramm pro Woche und regionalen Produkten zu erwerben“, schreibt Brück. Das bestätige auch die aktuelle Forschung der Hochschule Trier/Umwelt-Campus Birkenfeld, Institut für angewandtes Stoffstrommanagement. Die Studie sei „zu der Erkenntnis gelangt, dass die entsprechenden Produkte nicht in ausreichender Form am Markt für die Gemeinschaftsverpflegung zur Verfügung stehen“. Eine saisonale Speiseplanausrichtung werde – wie bisher - weiterverfolgt. Als Fair-Trade- Stadt lege Saabrücken auch in den Kitas Wert auf fair gehandelte Produkte. Brück geht von einem Auftragsvolumen von jährlich rund 900 000 Euro aus.

Die sogenannte Jamaika-Mehrheitskoalition aus CDU, Grünen und FDP  betont, dass „ein gesundes Essen in hoher Qualität  aus ernährungsphysiologischer Sicht wichtig“ ist. Eine ausgewogene Ernährung verbessere die Konzentrationsfähigkeit und fördere die Gesundheit. „Darüber hinaus verinnerlicht unser Nachwuchs bereits in früher Kindheit Ernährungsgewohnheiten. Kinder an gesundes Essen heranzuführen, ist damit auch ein wichtiger Bildungsauftrag“, sagen die Stadtverordneten Anke Schwindling (CDU), Heiner Engelhardt (Grüne) und Hermann Simmon (FDP). Daher trage die Koalition „bei den Kriterien für die aktuelle Ausschreibung dafür Sorge, dass der Qualitätsaspekt deutlich höher als bislang gewichtet wird“ und schreibe  unter anderem den Einsatz von Bio- und regionalen Produkten bei den Essenslieferungen vor. Demnach müssen künftig Fleisch und Wurst, Eier und Molkereiprodukte zu 100 Prozent aus biologischer Landwirtschaft bezogen werden.

Die Stadtrats-Links-Fraktion kündigt an, „darauf zu achten, dass eine Vergabe des Auftrages nicht zu einer finanziellen Mehrbelastung für Eltern führt“. „Man kann nicht einerseits die Betreuungsgebühren senken, um Eltern zu entlasten und sie auf der anderen Seite gleich wieder mit zusätzlichen Kosten für ein verbessertes Mittagessen belasten“, sagt der Linken-Fraktionsvorsitzende Michael Bleines.

Aus Sicht der SPD haben die Stadtratssitzung und die Erhöhung der Standards gezeigt: „Die Kosten für die Eltern sind der Jamaika-Koalition beim Kita-Mittagessen ganz offensichtlich reichlich egal.“ „Wir alle wollen ein hochwertiges Mittagessen in unseren Kitas. In den letzten Monaten wurde zu Recht viel über die Qualität des Mittagessens in unseren Kitas diskutiert. Eltern müssen sicher sein können, dass ihre Kinder ein gesundes und ausgewogenes Mittagessen in den städtischen Einrichtungen erhalten. Gemeinschaftsverpflegung kann aber nicht jeden Wunsch erfüllen. Je höher die Anforderungen, desto höher steigen natürlich die Preise“, sagt die SPD-Stadtverordnete Susanne Nickolai.

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