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Deckel über die Autobahn 620
Stadtmitte-Plan: die Autobahn mit Deckel

In Höhe der Alten Brücke könnte die Autobahn 620 unter einem Deckel verschwinden. An der Seite ist die gläserne Wand zwischen den Fahrbahnen und dem Radweg zu sehen.
In Höhe der Alten Brücke könnte die Autobahn 620 unter einem Deckel verschwinden. An der Seite ist die gläserne Wand zwischen den Fahrbahnen und dem Radweg zu sehen. FOTO: Sebastiano Curcuruto
Saarbrücken. Saarbrücker Bürgerforum will mit seinem Vorstoß den Stillstand überwinden und nicht noch Jahrzehnte auf den Tunnel warten.

Der Tunnel – Ulrike Donié kann es nicht mehr hören. Klaus Fuhs und Sebastiano Curcuruto auch nicht. Die drei sitzen im Vorstand des Saarbrücker Bürgerforums. Dort ist man schon länger der Meinung, dass „Stadtmitte am Fluss“, das Projekt, das eine Weile für Aufbruch stand, längst Stillstand bedeutet. „Immer wenn es um stadtplanerische Ideen geht, wird auf die Tunnelplanung verwiesen“, ärgert sich Donié und fragt: „Wann kommt denn der Tunnel? In 40 Jahren? Und bis dahin?“


Bis dahin sollte ein Teil der Stadtautobahn „überdeckelt“ werden, schlägt das Bürgerforum vor. Und zwar auf Höhe der Alten Brücke. Der „Kummersteg“, der von der historischen Brücke auf die Franz-Josef-Röder-Straße in Richtung Parkplatz unterhalb der Schlosskirche führt, sei eh erbärmlich, finden Donié, Fuhs und Curcuruto. Durch eine Überdeckelung der Stadtautobahn könnte man an dieser Stelle eine Freifläche schaffen, die Innenstadt so auf Alt-Saarbrücker Seite aufwerten. Mit dieser Fläche könnten auch die durch die Saar und die Autobahn getrennten Stadtteile St. Johann und Alt-Saarbrücken „zusammengefügt werden“, sagt das Bürgerforum.

Die Autobahn „einzusprerren wäre auch ein Beitrag zum Lärmschutz“, sagt Sebastiano Curcuruto, der die Entwürfe für das Projekt erstellt hat. Wobei die Seitenwände der „Einhausung“ aus Glas sein sollen. Die Glasfassade soll so gestaltet sein, dass die Autobahn im Fall eines extremen Hochwassers, wie es etwa alle zehn Jahre vorkomme, geflutet werden kann.



Was das Ganze kostet, kann das Bürgerforum nicht sagen. Man arbeite ehrenamtlich und könne nicht mehr tun, als eine Diskussion anzustoßen. Aber von den Kosten eines Tunnels sei man mit Sicherheit sehr weit entfernt. Denn die Deckelung der Autobahn bedeute: Es muss nicht gegraben werden.

Neu ist die Idee nicht. Das Bürgerforum verweist auf eine Idee von Professor Gottfried Böhm, der das Saarbrücker Schloss neu gestaltet hat. Als Ende der 1970er-Jahre die ersten Planungen zur Restaurierung des Schlosses begannen, habe Böhm „in seinem Gutachten zum städtebaulichen Rahmenplan schon vorausgesehen, dass nicht nur das Schloss, sondern auch die Umgebung des Schlosses einer neuen Ausrichtung bedarf“, sagt Donié. Böhm schlug dazu auch eine Deckelung der Autobahn vor. „Diese Maßnahme sei erforderlich, um unter anderem Alt-Saarbrücken wieder menschenfreundlicher zu gestalten“, erklärt die Vorsitzende des Bürgerforums Böhms Stoßrichtung.

Nun sei es an der Zeit, zu handeln und durch die neu zu gewinnenden Flächen ein „Flanier-Carré“ zu schaffen, eine Art Rundweg von der Alten Brücke über die Eisenbahnstraße und die Bahnhofstraße über den St. Johanner Markt wieder zur Alten Brücke.

Das Bürgerforum hat seine Plan­skizzen an die Fraktionen des Stadtrats, an die Stadtverwaltung und ans saarländische Wirtschaftsministerium geschickt. Man befürchtet, dass es dann wieder heißt, man könne nichts tun, weil ja da noch die Tunnelplanung sei.

Curcuruto kann dieser Argumentation nicht folgen. Er hat sich die Protokolle der Bürgerwerkstätten angesehen, die vor zehn Jahren entstanden sind. „Damals hieß es, dass die Situation unerträglich ist“, sagt er. Es solle also jetzt bitte niemand kommen und um Geduld bitten wegen der Sache mit dem Tunnel.

So stellen sich die Mitglieder des Bürgerforums den neuen Zuschnitt der Flächen am Alt-Saarbrücker Flussufer vor. Es soll nicht nur autogerecht sein, sondern auch Fußgängern mehr bieten.    
So stellen sich die Mitglieder des Bürgerforums den neuen Zuschnitt der Flächen am Alt-Saarbrücker Flussufer vor. Es soll nicht nur autogerecht sein, sondern auch Fußgängern mehr bieten.   FOTO: Sebastiano Curcuruto