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Stadtbibliothek Saarbrücken: Was der neue Chef Philipp Braun plant

Mit 33 Chef der Stadtbibliothek : Junger Chef will mehr Leser zurückholen

Ein Pfälzer, der aus dem hohen Norden kommt, leitet jetzt die Stadtbibliothek Saarbrücken: Philipp Braun, 33 Jahre jung. Und er hat einen Plan, wie er Studenten und Schüler mit ihren Laptops wieder für das Haus begeistern will.

Seinen Vorgänger, Gerald Schleiwies, zog es von Saarbrücken nach Norddeutschland, Philipp Braun von ebendort zurück.

Für den neuen Leiter der Saarbrücker Stadtbibliothek, der einige Jahre die Stadtbücherei in Elmshorn und dann eine Hochschulbibliothek in Mecklenburg-Vorpommern leitete, ist der Wechsel an die Saar fast wie ein Zurück in die Heimat, sagt er. Denn der 33-jährige studierte Bibliothekar und Informationswissenschaftler, der sich seit nun zwei Monaten mit seinem neuen Arbeitsplatz vertraut machen konnte, stammt aus Speyer in der Pfalz.

Über die Stadtbibliothek der Landeshauptstadt, so wie er sie übernommen hat, ist er voll des Lobes. Sie sei „eine tolle Bibliothek, hat attraktive Angebote, ganz viel Potenzial und ein sehr engagiertes Team“.

Als der Neue, dem das Lächeln nicht schwerfällt, am Freitagfrüh zum Gespräch in den rundum verglasten Besprechungsraum mit dem tollen Blick aufs Rathaus einlädt, ist es in der Bibliothek noch ruhig.

Durch die Corona-Pandemie ist es es auch zu späteren Stunden merklich stiller im Haus am Regler-Platz geworden. „2019 haben rund 1100 Menschen täglich die Bibliothek besucht, zum Lernen, Kommunizieren, Netzwerken“, hatte Braun am Vorabend im Kulturausschuss, dem er sich erstmals vorstellte, berichtet.

Bibliotheken seien ja auch Begegnungsorte, Kulturorte, Lernräume, an und in denen Menschen verschiedenster Herkünfte und Generationen ins Gespräch kommen könnten. Durch Corona sei die tägliche Besucherzahl auf 400 am Tag gesunken, hatte ihm die Statistik gezeigt. „Das darf uns nicht zufriedenstellen, wir müssen wieder dorthin, wo wir mal waren“, hatte Braun da mit Nachdruck erklärt.

Schaffen will er das durch Kooperationen mit anderen Vereinen, Organisationen der Stadtgesellschaft, auch mit städtischen Institutionen, die alle Zugang zu anderen, eben deren eigenen Zielgruppen ermöglichen. Den Ausbau der Zielgruppen- und Programmarbeit nennt er für sich einen wesentlichen Schwerpunkt.

250 Plätze für Studenten und Schüler mit Wlan hat die Stadtbibliothek in den vergangenen Jahren geschaffen, wo die meist jungen Besucher gemeinsam Referate und Hausarbeiten erstellen können. Braun und sein Team sind jetzt dabei, die Corona-Sperrbänder schrittweise von den Plätzen zu lösen. „Wir merken, dass die Nachfrage durchaus da ist“, sagt er. Auch im Lesecafé, wo man jetzt wieder an einigen Tischen zum Zeitungslesen Platz nehmen könne. Auch das Angebot an Veranstaltungen müsse man wieder ausweiten. 270 pro Jahr gab es laut Braun in der Stadtbibliothek vor Corona. Mit zwei Veranstaltungen wolle man sich am Frauenthemenmonat beteiligen, kündigt er an.

Der Veranstaltungssaal im Untergeschoss sei mangels Lüftungsmöglichkeit noch nicht nutzbar, nur im Lesecafé und eingeschränkt könne man derzeit etwas veranstalten. Da braucht es wohl Geduld.

Auch Schulklassenführungen will Braun jetzt wieder ermöglichen. Er selbst ist das lebende Beispiel, wie früh Weichen gestellt werden. „Ich bin zum Bibliothekswesen gekommen, weil zu meiner Schulzeit eine Bibliotheks-AG angeboten wurde, mit zwölf, 13 habe ich angefangen, die Schulbibliothek mit aufzubauen“, erzählt er. Sein erstes Schülerpraktikum absolvierte er in einer Uni-Bibliothek und entschied sich dann, diesen Weg auch beruflich einzuschlagen.

Ganz begeistert zeigt sich Braun vom Saarbrücker Bücherbus „BiBus“, denn gerade, weil es in Saarbrücken keine Stadtteilbibliotheken gebe, könne der, indem er die Schulen anfahre, dazu beitragen, „dass die Bibliothek in der Bildungsbiografie von Grundschülern schon verankert wird“. Wie er sich fühlt, so als Pfälzer im Saarland? Um das wirklich zu erfahren, dafür muss man ihm wohl noch etwas Zeit lassen. Er wohne mitten in Saarbrücken, fühle sich sehr wohl und sei gerade im Begriff, das kulturelle Angebot und die Natur zu entdecken. Was da den Saarländern wichtig ist, weiß er jedenfalls: „Ich habe mir die Saarschleife schon angeschaut“.