| 17:47 Uhr

Die großen Verkehrspläne des Baudezernenten
Stadt will weniger Verkehr in der City

Die Wilhelm-Heinrich-Brücke ist eine der Hauptverkehrsadern in Saarbrücken.
Die Wilhelm-Heinrich-Brücke ist eine der Hauptverkehrsadern in Saarbrücken. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Vor dem Rathaus soll ein großer Platz ohne Autos entstehen. Kommt die Innenstadt-Umfahrung parallel zur Bahnlinie?

Schlendern die Saarbrücker bald über einen großen Rathausplatz ohne Autoverkehr in Richtung Nauwieser Viertel und wird die Kaiserstraße zu einer wichtigen Route für Radfahrer? Baudezernent Heiko Lukas kann sich das vorstellen, um die Stadt attraktiver zu machen. Deshalb stehen unter anderem diese beiden Projekte im Verkehrsentwicklungsplan (Vep) 2030.



Der Stadtrat hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die Planungsbüros Planersocietät und Gertz Gutsche Rümenapp aus Dortmund und Hamburg umsetzen. Mit ihnen hatte die Verwaltung bereits beim Vep zusammengearbeitet. Sie hätten das günstigste Angebot abgegeben. Lukas hebt  den „städtebaulichen Mehrwert“ eines großen Rathausplatzes ohne Autoverkehr hervor. In der Studie werde jetzt geprüft, ob künftig mehr Autofahrer von der Großherzog-Friedrich-Straße zum Beispiel durch die Bleichstraße und den Stadtgraben fahren könnten und ab der Zufahrt zum Rathaus-Parkhaus die Durchfahrt verboten wird, ergänzte der Abteilungsleiter für Verkehrs- und Straßenplanung Christof Kreis.

Zu den Plänen für ein Innenstadt-Verkehrskonzept gehört auch, die Kaiserstraße attraktiver zu machen. Dieses Projekt ist ebenfalls Teil der Studie. Es gebe mehrere Varianten, meinte Kreis. Die Planungsbüros untersuchten die Möglichkeiten einer teilweisen Verkehrsberuhigung, mehr Radverkehr bis zur Umkehrung der Einbahnstraßenregelung, um von der Viktoriastraße und die Kaiserstraße die Parkhäuser zu erreichen. Lukas glaubt, die Kaiserstraße könne zu einer Alternative für die Radler zur Bahnhofstraße werden: „Dadurch könnten wir viele Konflikte zwischen Fußgängern und Radlern rausnehmen.“ Bis zum Frühjahr sollen die Planer erste Ergebnisse der Studie vorlegen. Das gilt auch für die Viktoriastraße, die nach dem Vorbild der Eisenbahnstraße umgestaltet werden soll, erklärte Christof Kreis.

Ein weiteres Verkehrsprojekt ist die „kleine Innenstadtumfahrung“. Die könnte am Meerwiesertalweg beginnen. Zwei Varianten werden geprüft. Die erste Variante geht so: Am Fernbusbahnhof vorbei  würde die Verwaltung eine neue Straße entlang der Schienen errichten, wo heute der Bormannspfad verläuft. Am Parkhaus am Hauptbahnhof vorbei würden die Verkehrsteilnehmer zum Hauptbahnhof und dem Innenstadt-Tunnel gelenkt. Doch es gibt noch viele Fragezeichen: Die Stadt müsste Grundstücke von der Deutschen Bahn kaufen. Und wie wird gewährleistet, dass es am Fernbusbahnhof nicht zum täglichen Verkehrschaos kommt, wenn die Busse dort ausfahren und der tägliche Verkehr entgegenkommt? Lukas gibt zu, auch diese Frage müsse erst noch geklärt werden.

Eine zweite Variante würde gar die Verlegung des Fernbusbahnhofs vorsehen. Das Parkhaus müsste abgerissen und ein neuer Standort gesucht werden. Lukas tendiert zur ersten Variante. Weil es viele offene Fragen gibt, sei die City-Umfahrung auch nicht Teil der Machbarkeitsstudie, sondern die beiden Varianten würden im Baudezernat „ergebnisoffen“ untersucht. Lukas: „Wir machen uns nicht davon abhängig.“ Das heißt: Die anderen Projekte können trotzdem umgesetzt werden. Der Dezernent will die Innenstadt-Umfahrung nicht auf die lange Bank schieben: „Wir brauchen bald eine beschlussfähige Aussage, wie und ob sie umsetzbar ist – und sie muss finanzierbar sein.“ Es gebe bereits Verhandlungen mit der Deutschen Bahn wegen der Grundstücke am Hauptbahnhof. Bis zum Frühjahr erhofft er sich auch hier konkrete Aussagen der Bahn.  Die Umfahrung würde die Innenstadt massiv von Verkehr und Lärm entlasten. Kreis nennt Zahlen: Allein in der Dudweilerstraße wären es pro Tag 10 000 Autos weniger, zurzeit fahren dort durchschnittlich 21 000 Autos pro Tag durch.

Kommentar: Die schöne Verkehrs-Vision muss bezahlbar sein

Von Markus Saeftel

Das hört sich ja erstmal prima an: Die Verwaltung denkt ernsthaft darüber nach, eine „kleine Innenstadt-Umfahrung“ ab dem Fernbusbahnhof zu bauen und die Dudweilerstraße und Richard-Wagner-Straße deutlich von Verkehr und Lärm zu entlasten. Alle Anwohner würde das freuen. Aber es stellen sich viele Fragen, die zügig beantwortet werden müssen: Ist die Deutsche Bahn bereit, für die neue Trasse auf Grundstücke am Hauptbahnhof zu verzichten? Und ist das Ganze überhaupt bezahlbar? Selbst wenn der Bund einen großen Zuschuss geben würde, ist immer noch fraglich, ob die Kommunalaufsicht der hoch verschuldeten Stadt den Kredit für das Verkehrsprojekt genehmigen würde. Das sind viele Konjunktive. Zahlen müssen auf den Tisch - und das Ganze sollte realistisch bleiben. Also Finger weg von der Idee, den Fernbusbahnhof verlegen zu wollen, wie in einer der möglichen Varianten steht. Dann müsste die Stadt ja sogar Fördergeld zurückzahlen. Das ist Geldverschwendung. Auch Baudezernent Heiko Lukas lässt durchblicken, dass er von dieser Variante nicht viel hält. Er weiß selbst: Ist es nicht finanzierbar, wird das Projekt eben begraben. Dann haben seine Mitarbeiter mehr Zeit für andere wichtige Projekte: neue Verkehrskreisel und eine attraktivere Kaiserstraße zum Beispiel.