Stadt Saarbrücken plant Saarbahnstrecke auszubauen

Ausbau der Straßenbahn : Auf Linie gebracht

Die Stadt plant eine Saarbahnstrecke von Forbach nach Dudweiler. Doch ob sie wirklich gebaut wird, bleibt fraglich.

Kaum etwas wird Saarbrücken in den nächsten Jahren so sehr prägen wie der neue Verkehrsentwicklungsplan (VEP). Er wird festlegen, wie wir uns zukünftig fortbewegen in der Stadt, welche Lebensqualität Saarbrücken haben wird. Im Rathaus haben die Macher bereits so genannte Schlüsselmaßnahmen bestimmt. Das sind Projekte, die sie an Hand des vorhandenen Budgets für realisierbar halten und bei denen sie davon ausgehen, dass die Saarbrücker sie dringend brauchen.

Das Handlungskonzept des VEP umfasst mehr als 100 Maßnahmen in zwölf so genannten Handlungsfeldern (zum Beispiel Fahrradverkehr, Fußgänger, ÖPNV, aber auch Umwelt, Tourismus und Straßenraumgestaltung), die in den kommenden 15 Jahren umgesetzt werden sollen. Die grob kalkulierten Kostenansätze für die vorgeschlagenen Maßnahmen bedeuten pro Jahr durchschnittlich Ausgaben in Höhe von 6,7 Millionen Euro für die Landeshauptstadt. Das benötigte Geld muss in den jeweiligen Haushaltsberatungen freigegeben werden. Doch das ist kein Selbstläufer und liegt nicht allein in der Hand des Saarbrücker Stadtrats: Die Finanzierbarkeit steht jeweils unter dem Vorbehalt der Haushaltssituation und der Genehmigungsvorgaben der Kommunalaufsichtsbehörde.

Eines der größten Vorhaben im VEP sind neue Saarbahnlinien. Welche Strecken realisierbar sind, wird gerade geprüft. Im VEP gibt es für die diskutierten Strecken so genannte Maßnahmensteckbriefe, in der verschiedene Streckenvarianten nach Kosten und Nutzen analysiert werden. Da heißt es zum Beispiel im Falle einer neuen Nord-Süd-Saarbahnlinie von Forbach nach Dudweiler: „Die Erweiterung des Saarbahnnetzes könnte durch zwei Strecken mit der Anbindung der Stadt Forbach sowie der Universität und weiter in den Stadtteil Dudweiler erfolgen. Im Saarbrücker Stadtzentrum besteht die Möglichkeit, beide Streckenabschnitte zu einer Linie zu verbinden.“ Dabei haben die Macher anhand von Fahrgastzahlen und Kosten geprüft, ob ausgewählte Streckenpläne wirtschaftlich betrieben werden könnten und auch verkehrstechnisch überhaupt eine Entlastung bringen würden. Die diskutierte Strecke zwischen Forbach und Dudweiler hat drei Abschnitte: Forbach-Saarbrücker Stadtmitte; Stadtmitte-Uni und Uni-Dudweiler.

Forbach-Saarbrücker Stadtmitte: Diese Strecke ist wichtig, weil bei grenzüberschreitenden Bauprojekten die EU mitzahlt. Die Experten gehen von mindestens 80 Prozent aus. Weil laut Erhebungen 99 Prozent der Bevölkerung in der Region Saar/Moselle bei Fahrten über die Grenze nicht den Bus oder die Bahn nehmen, könnte man bei dieser Strecke eine attraktive Alternative zum Auto schaffen, hoffen die Verkehrsplaner.

Zwischen Forbach und Saarbrücken sind zwei Streckenvarianten möglich: Variante 1 geht über die bereits existierenden Gleise der Deutschen Bahn. Variante 2 muss gebaut werden und führt über Stiring-Wendel, Habsterdick, Goldene Bremm und Folsterhöhe, biegt dann am Calypso in die Heuduckstraße und von da aus in Richtung Johanneskirche ab. Hier werden also viele Wohngebiete an ein Straßenbahnnetz angeschlossen. Diese Streckenvariante, so schätzt die Stadt, könnte rund 170 Millionen Euro kosten. Hier müssen neue Gleise gelegt und Oberleitungen gebaut werden. Aber: Selbst die erste Streckenvariante über die DB-Strecke würde noch rund 133 Millionen Euro kosten. Entscheidend ist, ob und wie sich die Franzosen an Bau und Betrieb beteiligen.

Stadtmitte-Uni: Durch die Strecke zwischen dem Stadtzentrum müsste sich auch die Innenstadtanbindung verändern, je nachdem, ob der Saarbrücker Hauptbahnhof das Kreuz ist oder aber die Haltestelle Johanneskirche. Der Stadtrat hatte bereits in den 1990er Jahren beschlossen, dass die Strecke an die Uni über den Meerwiesertalweg führen soll. Nur: Die neue Strecke würde kaum neue Kunden bringen, weil durch Job- oder Semesterticket ja viele Mitarbeiter der Uni und Studenten sowieso bereits die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können. Hier läge der Zugewinn darin, dass die Menschen von Bus und Auto in die Tram umsteigen würden. Obwohl die Wirkung im Verhältnis zu den Kosten nicht ganz so hoch ist wie bei der Strecke Forbach-Stadtmitte (Umsetzungsfrist Variante 2 bis 2025), haben die Stadtplaner die Priorität einer solchen Linie als hoch eingestuft. Hier liegt die Umsetzungsfrist bis zum Jahr 2030.

Uni-Dudweiler Bahnhof: Der Bau eines Saarbahnabschnittes zwischen der Universität und Dudweiler würde, so die Planungen, über die Beethoven- und Theodor-Storm-Straße verlaufen. Weil es hier sehr eng ist, würde die Strecke abschnittsweise eingleisig sein. Die Linie endet am Bahnhof Dudweiler. Hier wäre dann eine Abstimmung mit dem S-Bahnkonzept der Bahn erforderlich, falls der Bahnhof verlegt würde. Die Modellberechnungen gehen auch hier nur von geringen Fahrgastzuwächsen bei der Umstellung von Bus auf Saarbahn aus. Deshalb hat dieser Streckenabschnitt auch nur eine mittlere Priorität.

Wie geht es jetzt weiter? Erst einmal muss die Finanzierung für Planung, Bau und Betrieb geklärt werden. Denn auch andere Strecken sind in der Diskussion, wobei eine Linie von Forbach in die Saarbrücker Innenstadt laut Maßnahmensteckbrief wohl am wahrscheinlichsten ist. Denn: Die Reaktivierung der Rosseltal-Strecke stößt auf wenig Interesse, der Ausbau nach Schafbrücke und Scheidt hat einen niedrigen Wirkung-Kosten-Grad und wird daher von den Verkehrsexperten nicht empfohlen. Doch selbst bei einem Verzicht auf den Ausbau nach Schafbrücke würden Kosten entstehen: Denn beim Bau der Eisenbahnbrücke am Römerkastell wurde der Ausbau bereits eingeplant. Hier wurde extra die Spannbreite der Brücke größer ausgelegt. Dafür wurden bereits Fördermittel eingesetzt, die dann zurückgezahlt werden müssten. Um das zu verhindern, plant die Saarbahn derzeit den Bau einer zweiten Betriebshofzufahrt vom Römerkastell über die östliche Mainzer Straße. Dies erfolgt mit Querung der Eisenbahnstrecke, wozu die vom Bund bereits zur Verfügung gestellten Fördermittel in Höhe von 8,5 Millionen Euro genutzt würden.

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