Stadt Saarbrücken hat für die wichtigsten Feste Sicherheitskonzepte

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Saarbrücken hat vom Trödlertreff bis zum Christkindl-Markt für jede seiner Großveranstaltungen ein eigenes Schutzkonzept. Auch für das größte Volksfest, das vom 2. bis 4. August im Terminkalender steht: das Saar-Spektakel.

Der Müllwagen macht stutzig. Quer zur Fahrtrichtung stehend, ragt er hinter der gewohnten Absperrung auf und wirft seinen Schatten bis zu den Verkaufsständen zu seiner Rechten. Wer am Samstag den Flohmarkt an der Schlossmauer besuchte, hat den Wagen höchstwahrscheinlich auch gesehen – und das vielleicht nicht zum ersten Mal bei den Trödlertreffen an dieser Stelle.

Seit der Markt wegen einer Baustelle den Standort wechseln musste, stehen die Lastwagen des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebes (ZKE) jeden zweiten Samstag im Monat an den Enden der Marktzone. Aber offenbar nicht, um die Hinterlassenschaften der Standbetreiber und Marktbesucher schnellstmöglich zu entfernen und Fehlkäufe noch vor Ort wieder loswerden zu können.

Tatsächlich sind die ZKE-Laster seit 2018 Teil des Sicherheitskonzepts, das nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 bei Veranstaltungen in Saarbrücken gilt. Die Müllwagen sollen den Markt und seine Besucher vor Amokfahrten schützen.

So ein schwerer Lastwagen setzt einem heranrasenden Fahrzeug schließlich deutlich mehr entgegen als die zuvor ausschließlich eingesetzten rot-weißen Plastik-Absperrungen.

Nun ist der monatliche Flohmarkt an der Schlossmauer eher ein kleines Ereignis. Wenn er trotzdem so stark geschützt wird, zeigt dies, dass die Stadt für jede Veranstaltung ein Schutzkonzept in der Schublade hat. Deutlich umfangreicher fallen die Vorkehrungen für das Saar-Spektakel aus. Die 21. Ausgabe ist vom 2. bis 4. August. Und sie spiegelt Lehren, die Sicherheitskräfte in ganz Europa ziehen mussten.

„Nach den Anschlägen von Berlin und Nizza haben wir die Standards deutlich hochgefahren“, erklärt Harald Groß, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Saarbrücken-Stadt. Neben den üblichen stationären Sperren habe die Inspektion unter anderem die Polizeipräsenz stark erhöht. Rund um die Uhr werden Beamtinnen und Beamte über das Festivalgelände patrouillieren.

Außerdem kann sich jeder selbst schützen, wie Groß betont. Schließlich locken solche Massenveranstaltungen ja auch die Kleinkriminellen in die größte Stadt – und zum größten Fest des Saarlandes.

Deshalb rät der erfahrene Polizist den Besuchern der Volksfeste, auf die Wertsachen aufzupassen und verdächtige Beobachtungen sofort seinen Kollegen zu melden. Derselbe Appell von Harald Groß gilt Opfern von Straftaten.

Sie sollten nicht achselzuckend weitergehen, sondern Alarm schlagen, damit anderen Gästen nicht dasselbe widerfährt. Denn Groß weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung mit den großen Festen in Saarbrücken: „Leute, die sich danebenbenehmen, gibt es immer.“ Damit dennoch im Großen und Ganzen alles klappt, arbeitet die Polizei zusammen mit der DLRG und dem Technischen Hilfswerk.

Dieser Müllwagen stand als Barriere vor dem Saarbrücker Flohmarkt in der Franz-Josef-Röder-Straße. Foto: Paul Krüger

Mit dem Saar-Spektakel endet die Saison der Volksfeste in der Stadt nicht. Gegen Jahresende tritt ein weiteres umfangreiches Sicherheitskonzept in Kraft. Es gilt in den Wochen vor dem Weihnachtsfest während des Saarbrücker Christkindl-Marktes. Und es reicht von vielen Fußstreifen – auch mit Polizisten aus Frankreich – bis zu tonnenschweren Betonbarrikaden.

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