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Staatsanwalt: Verdacht der Fehldiagnose in 27 Fällen gegen Pathologen

Kostenpflichtiger Inhalt: Falsche Krebsbefunde : Verdacht der Fehldiagnose in 27 Fällen gegen Pathologen

Staatsanwaltschaft wartet weiter auf Gutachten.

Seit September vergangenen Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den damals niedergelassenen Pathologen H. aus dem Saarpfalz-Kreis wegen angeblicher Fehldiagnosen bei der Beurteilung von Gewebeproben. Das Verfahren war eingeleitet worden, nachdem die Chefärztin für Pathologie am Saarbrücker Winterberg-Klinikum über ihren Rechtsanwalt Strafanzeige gegen den Arzt erstattet hatte. Der Vorwurf: Nach Untersuchungen von Gewebeproben, die Ärzte oder Kliniken dem Pathologen zur Befundung geschickt haben, soll es vorwiegend zu falschen Krebsbefunden gekommen sein. Diese Diagnosen hätten in mehr als 20 Fällen zu Operationen von Patienten geführt. Bei anschließenden Untersuchungen des bei diesen Operationen entnommenen Gewebes habe sich herausgestellt, dass die Eingriffe nicht notwendig gewesen seien. Nach der Saarbrücker Chefärztin meldete sich auch eine Oberärztin der Hautklinik am Universitätsklinikum mit weiteren Verdachtsfällen.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte die Staatsanwaltschaft jetzt einen Zwischenstand des Verfahrens mit. Pressesprecher Dominik Degel erklärte, bislang bezogen sich die Ermittlungen auf insgesamt 62 Fälle. Nach derzeitigen Stand bestehe hiervon in 35 Fällen kein Verdacht mehr. In den verbleibenden 27 Fällen, in denen es zu gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Patienten gekommen sei, bestehe der Verdacht der Fehldiagnose durch Dr. H. und einen angestellten Arzt weiter. In diesen Fällen seien Sachverständige eingeschaltet worden. Degel: „Die Ergebnisse dieser Gutachten liegen noch nicht vor.“ Es könne derzeit nicht abgeschätzt werden, wann damit zu rechnen sei.

Bei der Durchsuchung der Praxisräume des Pathologen waren über 100 000 Gewebeproben beschlagnahmt worden. Deren „anlasslose Untersuchung“ sei derzeit nicht beabsichtigt, so die Staatsanwaltschaft. In der Mitteilung heißt es: „Sollten sich im Laufe des Ermittlungsverfahrens jedoch Hinweise auf weitere Fehldiagnosen ergeben, ist zu erwarten, dass weitere Auswertungen erfolgen.“ Die beiden Ärzte haben sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen geäußert.

Die beim Gesundheitsministerium angesiedelte Approbationsbehörde hat – wie berichtet – gegen den Arzt und seinen Angestellten vorläufiges Berufsverbot verfügt. Zudem warnten die saarländische Krankenhausgesellschaft und das Ministerium im September schriftlich alle Kliniken im Saarland und den angrenzenden Regionen vor den Diagnosen des Instituts. Insbesondere die Ärztekammer war vor Monaten in die Kritik geraten, weil es in dem Fall zu einer Informationspanne gekommen war. Weder der Rechtsaufsicht, noch der Approbationsbehörde war mittgeteilt worden, dass der Arzt vor Jahren in einer Behandlung für suchtkranke Mediziner war und sich in seiner Krankenakte angeblich „kritische Befunde“ befanden.