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Sportbegegnungswoche in der JVA Saarbrücken

Sport im Gefängnis : Mit Sport der Eintönigkeit entfliehen

In der JVA Lerchesflur fand diese Woche eine Begegnungswoche statt, um eine neue Sportstätte einzuweihen.

Der Raum ist erfüllt vom stetigen Klacken der Bälle auf den Platten, dem Lachen der Spieler und dem Reden der Zuschauer. In der Sporthalle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Saarbrücken spielen Häftlinge an vier Tischtennisplatten mit und gegen Spieler des DJK Dudweiler. Anlass ist die offizielle Eröffnung des neuen Sportfeldes, das direkt neben der Sporthalle in einem der Höfe der JVA liegt. Wenn man die Sporthalle verlässt, wirkt der Hof für Außenstehende zuerst bedrückend. Zäune und Stacheldraht umgeben das neue Kleinfeld. „Die Spieler können die Mauern und die Zäune um sich herum eine Weile vergessen“, sagt Klaus Kleinefeld. Das ist einer der positiven Nebeneffekte von Sport im Gefängnis.

Kleinefeld ist erster Vorsitzender der Lerchesflur Sportgemeinschaft 88 (LSG), dem Sportverein der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken. Der Verein besteht seit 31 Jahren und organisierte die Sportbegegnungswochen zur Feier der Eröffnung des modernen Kleinspielfeldes, das sich direkt neben der Sporthalle befindet. Hier werden die Häftlinge in Zukunft regelmäßig Fußball, Handball, Volleyball und Faustball spielen können. „Viel Zeit auf kleinem Raum“ schade den Häftlingen, erklärt Pascal Jenal, der Leiter der JVA Saarbrücken. Ein im Rahmen der Haftbedingungen möglichst breit aufgestelltes Angebot an körperlichen Aktivitäten, wirke den schädlichen Bedingungen der Haft entgegen.

Von Montag bis Freitag stand bei den Sportbegegnungswochen in der JVA jeden Tag eine andere Sportart im Vordergrund. Externe Mannschaften und Spieler waren zu Gast, um mit den Häftlingen zusammen spielen zu können, etwa Dieter Ferner und Sammer Mozain mit der zweiten Mannschaft des 1. FC Saarbrückens am Fußball-Tag und der TV Walpershofen am Volleyball-Tag. Das Zusammenspielen mit externen Sportlern mache den Inhaftierten viel Spaß, und es sei beeindruckend „mit welchem Ehrgeiz und welcher Freude“ sie daran teilnehmen würden, erzählt Kleinefeld. Als Element des Vollzuges sei Sport nicht zu ersetzen.

Dank seines Vereines haben die Häftlinge bessere Chancen, soziale Kontakte zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Rund 450 Mitglieder zählt die Lerchesflur Sportgemeinschaft 88 e.V. aktuell. Dazu zählen 250 Häftlinge sowie 200 externe Mitglieder, darunter auch Angehörige der Insassen. Die Möglichkeit, Angehörige nicht nur zu Besuchszeiten zu sehen, sondern auch auf den Festen des Vereins, sei ein weiterer positiver Aspekt des Sports, erzählt Kleinefeld. In der Zeit nach den Vereinsfesten beobachte er immer wieder, dass es den Gefangenen besser gehe. Das bestätigt auch Pascal Jenal: Wenn der Sport aus organisatorischen Gründen ausfalle, seien die Häftlinge unruhiger. Mannschaftssport helfe den Häftlingen nicht nur bei der Resozialisierung, sondern verhindere oft auch den Griff zur Droge.

Viele Gefängnisinsassen benutzen Drogen als „Mittel, um der Eintönigkeit zu entfliehen“, erklärt Jenal weiter. Die LSG positioniert sich deshalb klar gegen Drogen. Ein großes Banner in der Sporthalle mit der Aufschrift „Keine Macht den Drogen“ erinnert die Häftlinge beim Sport daran. Darüber hinaus können Drogenvergehen der Häftlinge auch mit einem Ausschluss aus dem Verein bestraft werden.

Die sportliche Aktivität soll den Häftlingen neben der verbesserten Sozialisierung auch zu einer Stärkung der körperlichen und geistigen Gesundheit verhelfen. Die nächste Veranstaltung für die Mitglieder des LSG ist schon geplant: An dem Wochenende vom sechsten bis zum achten September steht wieder ein großes Sommerfest an.