Spiegel TV hat Geld für Mitwirkung in Saarbrooklyn-Doku gezahlt

Saarbrücken : Spiegel TV zahlte für Mitwirkung in Doku

Jeweils 50 Euro sollen zwei als „Süchtige“ dargestellte Personen für den Dreh erhalten haben.

„Abseits der Hochhäuser haben sich zwei Süchtige eine kleine Drogenhöhle hergerichtet - im Schrebergarten.“ So leitet der am 15. Juli ausgestrahlte Saarbrooklyn-Beitrag von Spiegel TV über Saarbrücken eine Szene in einem kleinen Gartenhäuschen ein. Die beiden „Süchtigen“, wie sie darin bezeichnet werden, sind unkenntlich gemacht. Dennoch habe jeder in ihrem Umfeld sie direkt erkannt, berichten sie der Saarbrücker Zeitung. Florian Schmitt und Sandra Adler (Namen von der Redaktion geändert) haben laut eigener Aussage für den Dreh jeweils 50 Euro von den Spiegel TV-Mitarbeitern erhalten. In einem der Redaktion vorliegenden Kurznachrichten-Verlauf bestätigt die Autorin des umstrittenen Saarbrooklyn-Films diesen Betrag. Im Chat mit Schmitt schreibt sie: „Ich habe gesagt, wir könnten über eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro reden. Die haben Sie und Ihre Frau bekommen.“

Bis zu 700 Euro, das sollen die Spiegel TV-Mitarbeiter den Beiden gesagt haben, seien für den Dreh möglich. Diese Versprechung dementiert die Spiegel TV-Autorin allerdings im der Saarbrücker Zeitung vorliegenden Nachrichten-Verlauf. Das Paar gibt zu, mündlich bestätigt zu haben, dass das Filmen in Ordnung sei. Noch am Tag des Drehs hätten sie die Autorin allerdings wieder kontaktiert, um komplett aus dem Beitrag entfernt zu werden. Nach einer ersten Bitte am 6. Juni, verlangt Schmitt am 13. Juni erneut per Textnachricht an die Autorin eine Bestätigung dafür, dass das Filmmaterial nicht gesendet wird. Der Sinneswandel, so Schmitt, sei gekommen, weil sie schnell gemerkt hätten, welche Auswirkungen eine Ausstrahlung haben könnte. Die Szene, die laut dem Paar komplett gestellt gewesen sein soll, bereite ihnen seit der Ausstrahlung große Probleme mit Anwohnern und Bekannten. Vor allem die Darstellung als „Süchtige“ sei schlimm, erzählt Adler, die laut eigener Aussage keine Drogen konsumiert.

Auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung, bestätigte Spiegel TV-Produzentin Maria Gresz in einer E-Mail die Bezahlung der 100 Euro als Aufwandsentschädigung „für die rund zweistündigen Dreharbeiten“. Ein höherer Betrag sei dem Paar nicht versprochen wurden. Dass das Paar seine Mitwirkung unmittelbar nach Drehschluss rückgängig machen wollte, weist Gresz zurück.

Lediglich Schmitt hätte „den Wunsch geäußert, gar nicht mehr in dem Film vorzukommen“. Daraufhin habe man sich entschlossen, ihn „komplett unkenntlich“ zu machen. Darüber hinaus sei die Szene in dem Gartenhäuschen nicht gestellt. Die Personen hätten „ohne jede Einflussnahme gesprochen und agiert“, schreibt Gresz.

Zu Beginn der Woche hatte der ehemalige Saarbrücker Polizeichef Peter Becker, der heute Geschäftsführer des Drogenhilfezentrums ist, Spiegel TV bereits vorgeworfen, einem Drogenabhängigen Geld bezahlt zu haben und ihn nach dem Spritzen einer „grenzwertigen“ Dosis allein gelassen zu haben (wir berichteten). Spiegel TV hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung