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Kinderbuchautorin von der Saar: Tanya Lieske
Spezialistin für schwierige Jungleser

Die Kinderbuchautorin Tanya Lieske stellt ihr neues Werk „Mein Freund Charlie“ bei der Internationalen Kinder- und Jugendbuchmesse vor.
Die Kinderbuchautorin Tanya Lieske stellt ihr neues Werk „Mein Freund Charlie“ bei der Internationalen Kinder- und Jugendbuchmesse vor. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Internationale Jugendbuchmesse: Tanya Lieske stammt aus Neunkirchen und schreibt für Zehn- bis Zwölfjährige. Von Nicole Baronsky-Ottmann

„Ich finde, man darf Kindern ruhig etwas zumuten. Es dürfen auch gerne anspruchsvolle Themen sein“, sagt Tanya Lieske. Und sie muss es wissen, denn Tanya Lieske ist Kinderbuchautorin. Wenn sie am Samstag, 30. September, um 12 Uhr bei der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse Saarbrücken aus ihrem Buch „Mein Freund Charlie“ vorliest, dann geht es in dem Buch um Wirtschaftsmigration und Einbruchskriminalität. Allerdings sind die Themen für Kinder verständlich dargestellt. „Man muss solche Themen auf das jeweilige Alter der Kinder runterbrechen. Außerdem lesen die Eltern oft mit, und die will man ja nicht langweilen“, sagt die gebürtige Neunkircherin lachend.


„Mein Buch wendet sich an zehn- bis zwölfjährige Leser, die gelten in der Branche als schwierig, denn in dem Alter passiert viel“, erklärt sie weiter. Trotzdem schreibt Tanya Lieske besonders gerne für diese Altersgruppe. Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, ist ihre große Leidenschaft, ihre Berufung. Das merkt man schnell, auch wenn Tanya Lieske eigentlich Radio-Moderatorin und Journalistin ist.

„Meine Laufbahn habe ich übrigens bei der Saarbrücker Zeitung begonnen“, erzählt Tanya Lieske, denn nach ihrem Abitur im Jahr 1983 machte sie ein sechswöchiges Praktikum in der Saarbrücker Redaktion. „Danach war mir klar, dass ich Journalistin werden will“, berichtet sie weiter. Unmittelbar nach diesem Praktikum hatte sie noch eine weitere Begegnung, die ihr Leben sehr beeinflusst hat. „Ich bin nach Irland und habe dort in einer Kneipe gearbeitet. Und mich dabei in Land und Leute verliebt“, sagt sie lächelnd. Die Liebe zu Irland ist geblieben, denn Tanya Lieske ist mit einem Iren verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder.

Um neben Literaturwissenschaft, Geschichte und Romanistik auch Theaterwissenschaften studieren zu können, verließ Tanya Lieske im Jahr 1985 das Saarland und ging nach Berlin. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Volontärin beim „Tagesspiegel“ und als freie Mitarbeiterin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Dort schrieb sie ihre ersten Literaturkritiken.

„Und dann ist etwas ganz Verrücktes passiert. Wir lebten mittlerweile schon in Düsseldorf, ich war auf der Autobahn und hörte im Radio die Sendung ,Büchermarkt’ im Deutschlandfunk. Ich war so begeistert, dass ich das Auto gewendet habe und sofort zu dem Sender gefahren bin, um den Redakteur der Sendung zu suchen“, berichtet die Autorin. Und sie hatte Erfolg. Denn sie durfte zuerst einen Beitrag für die Sendung schreiben, wurde dann deren Mitarbeiterin.



Bis heute zählt Tanya Lieske zum festen Moderatorenstamm der Sendung, arbeitet aber auch journalistisch in der Redaktion. Sie ist spezialisiert auf angelsächsische Literatur und betreut dort auch die Kinder- und Jugendbücher. Nachdem sie sich beruflich viel mit Kinderbüchern auseinander gesetzt hat, ist in ihr dann der Entschluss gewachsen, „schreib‘ selbst mal eins“. „Damals waren meine Kinder noch klein, und so schön die Bücher für ganz kleine Kinder sind, so sehr litten die Bücher für größere Kinder damals unter einem Mangel an Geschichten, die deren doch schon größerem Verständnis gerecht wurden“, erklärt Tanya Lieske ihre Entscheidung.

Bis das erste Buch fertig war, hat es etwas gedauert. „Vor dem weißen Blatt schlotterten mir die Knie“, gesteht Tanya Lieske dann auch lachend, aber im Jahr 2009 war ihr erstes Buch „Krümel unterwegs“ fertig. Und das ermutigte sie, weiterzumachen. Seither hat sie vier Kinderbücher geschrieben und eine literarische Reportage über ihre saarländische Familie.

Die Themen ihrer Kinderbücher sind alles andere als phantasielos. Bereits der Titel von „Oma, die Miethaie und ich“ verrät, worum es in dem Werk geht. Dieses Buch war in der Schweiz für einen Jugendbuchpreis nominiert. Und „Mein Freund Charlie“ handelt von einem Jungen, der in der Menge unsichtbar werden kann, aber danach sind diverse Geldbörsen verschwunden. Wer wissen will, wie diese Geschichte weitergeht, kann der Autorin aus Leidenschaft auf den Europäischen Kinder- und Jugendbuchtagen in Saarbrücken bei ihrer Lesung zuhören.