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Soforthilfe und KfW-Kredite wegen Corona in Saarbrücken

Saarbrücken : Corona-Hilfe nach einer Woche auf dem Konto

Sowohl Sofortzuschüsse für Kleinunternehmer als auch KfW-Corona-Kredite für den Mittelstand werden unbürokratisch bearbeitet.

Kleinunternehmer und Arbeitnehmer in Existenzangst – die Corona-Krise stoppt den Geldfluss. Viele Firmen nehmen nichts mehr ein – und können ihre Mitarbeiter oder die Miete für ihre Geschäftsräume nicht mehr bezahlen. Wo ist Hilfe?

Für Freiberufler und Firmen, die „im Jahresdurchschnitt bis zu 10 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen“, steht seit Dienstag, 24. März, auf der Internetseite des saarländischen Wirtschaftsministeriums der „Antrag auf Kleinunternehmer-Soforthilfe im Rahmen der Corona-Krise“. Dieses Formular müssen die Betroffenen herunterladen, ausfüllen, unterschreiben und direkt ans Ministerium weiterleiten – zusammen mit der Gewerbeanmeldung – sofern sie ein anmeldepflichtiges Gewerbe ausüben. Wenn nicht, reicht das Formular.

Bis Montag, 30. März, gingen bereits an die 7500 Anträge beim Ministerium ein. Ein rund 40-köpfiges Team arbeitet mit Hochdruck (auch übers Wochenende) an der Bewilligung der Anträge. Bereits am Freitag, 28. März, fielen die ersten Entscheidungen. Etwa 2000 Anträge waren schon am Montag genehmigt. In maximal einer Woche soll das Geld auf den Konten dieser Antragsteller sein. (Hotline des Ministeriums (0681) 501 4433).

Das Geld für diese – geschenkte – Soforthilfe kam bis gestern vom Land. Seit heute, Mittwoch, 1. April, greift hier nun das Soforthilfeprogramm des Bundes. Und wem gemäß Bundesprogramm mehr Geld zustünde, als ihm diese Woche schon vom Land bewilligt wurde, dem will das Land den Rest noch nachreichen. Wer ab heute Nachmittag das – dann aktualisierte – Antragsformular ausfüllt, der beantragt damit automatisch Geld vom Bund.

Etwas komplizierter ist das Verfahren, für größere mittelständische Firmen (mit zehn bis 250 Mitarbeitern) – die natürlich auch wesentlich größere Summen brauchen. Für sie gibt es zinsgünstige Corona-Notkredite von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Allerdings hat die KfW keine Geschäftsstellen, in denen die Kreditnehmer auf Seriosität durchleuchtet werden könnten. Deshalb laufen diese Kredite über die Hausbanken der Firmen, die ja in der Regel wissen, ob die Firmen kreditwürdig sind – oder, wenn keine Hausbank da ist, über Finanzierungspartner der KfW wie Sparkassen und Volksbanken. Die Bundesregierung hatte die KfW-Corona-Notkredite am Freitag, 13. März, vorgestellt. Die SZ wollte wissen, ob es inzwischen bereits einen Ansturm auf diese Angebote gab, und erkundigte sich am Montag, 30. März, bei der Sparkasse Saarbrücken und der Bank 1 Saar.

Bei der Sparkasse, so berichtete Firmenvorstand Uwe Johmann, kann allerdings von Ansturm nicht die Rede sein. Die Sparkasse hatte ihr Personal und ihre Internetseiten sehr wohl auf eine rege Nachfrage vorbereitet. Doch die blieb aus. Bis Montag, 30. März, kamen lediglich rund 280 Kunden, die sich nach den Krediten erkundigten und teilweise auch welche beantragten – dabei ging es aber noch ausschließlich um fünf- bis sechsstellige Summen.

Ob es so ruhig bleibt, hängt nach Johmanns Einschätzung davon ab, wie lange die Kontaktsperre dauert. Wenn die Sperre wie derzeit geplant am 20. April aufgehoben wird, so glaubt Johmann, werde die Lawine ausbleiben.

Wenn Firmen ihre KfW-Corona-Notfallkredite nicht zurückzahlen können, haftet die KfW für 90 Prozent der Kreditsumme, die Hausbank des Kreditnehmers mit 10 Prozent. Johmann versichert, die Sparkasse kenne ihre Kunden und werde auch bei den KfW-Krediten alles tun, um sicherzustellen, dass kein Kredit ausfällt. Dafür habe die Sparkasse durchaus genügend Personal, das im Augenblick auch seinen Urlaub erst mal hintenanstelle.

Wer einen KfW-Corona-Notfallkredit bei der Sparkasse beantragt, kann damit rechnen, dass er ihn nach maximal einer Woche auf dem Konto hat. Zwar hat die Sparkasse noch keine Erfahrungswerte, wie lange es dauert, bis die KfW das Geld überweist, aber Johmann versichert, dass die Sparkasse genehmigte Kredite vorfinanziert.

Die Bank 1 Saar, die größte Genossenschaftsbank des Landes, verzeichnet derzeit eine „stetig steigende Nachfrage nach dem KfW-Sonderprogramm“ – und erwartet noch „eine deutliche Zunahme“. Laut Vorstand der Bank 1 Saar liegen dort bereits Anträge „im deutlich zweistelligen Millionenbereich vor“. Und die Bank geht davon aus, dass sich alle Anträge zusammen bald „im dreistelligen Millionenbereich“ bewegen werden.

Die Bank 1 Saar versichert, dass sie genügend Personal hat, um die jetzt anrollenden Aufgaben zu bewältigen. Laut Vorstand wurden „soweit möglich alle Kapazitäten auf die Bearbeitung der Anträge zur Corona-Hilfe verlagert“ und „die Teams gut vorbereitet“. Wer bei der Bank 1 Saar einen KfW-Kredit beantragen will, muss nicht unbedingt in eine Zweigstelle – die meisten Schritte auf dem Weg zum Kredit lassen sich telefonisch und digital abwickeln. Die notwendigen Formulare und Links hält die Bank 1 Saar auf ihrer Internetseite bereit.

Die Sparkasse am Saarbrücker Neumarkt. Foto: BeckerBredel/bub/wib;GMLR

Die Bank 1 Saar versichert, dass sie alle Kreditanträge „direkt bearbeitet und weiterleitet“. Allerdings wird die KfW erst am 14. April mit der Bearbeitung der Anträge beginnen – das zumindest ist der aktuelle Informationsstand der Bank 1 Saar. Wie lange die Bearbeitung bei der KfW dauert, hängt von der Höhe des Kredites ab. Bei Krediten unter drei Millionen Euro verzichtet die KfW auf eine eigene Risikoprüfung und verlässt sich auf die Bank 1 Saar. Damit die Kredite schnell fließen können, bietet die Bank 1 Saar  an, im Notfall auch „adäquat vorzufinanzieren“.