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Wie Fluchtursachen dramatisch hervorgerufen werden
Schockierende Informationen aus erster Hand

Mamadou Mbodji bei seinem Referat im Naturfreundehaus.
Mamadou Mbodji bei seinem Referat im Naturfreundehaus. FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach. Schockierende Infos aus erster Hand lieferte am Dienstagabend Mamadou Mbodji. Der Vizepräsident der „Naturfreunde Internationale“ ist gleichzeitig  Präsident des „African Nature-Friends Network“. Von Stefan Bohlander

Er referierte im Sulzbacher Naturfreundehaus. Das Thema des Senegalesen: „Globaler Süden und Klimawandel: Auswirkungen in Afrika“. Die südliche Halbkugel, hier vor allem der afrikanische Kontinent, sei für weniger als vier Prozent der schädlichen Treibhausgase verantwortlich. „Aber er bekommt 95 Prozent der negativen Auswirkungen ab“, so Mbodji.


Ein großes Problem sei beispielsweise das veränderte „Regenverhalten“. Wo es in dem mit durchschnittlich 21 Grad warmen Kontinent einst drei Monate im Jahr regnete, gebe es nun nur noch etwa zwei Monate Niederschlag, in manchen Fällen sogar nur noch anderthalb Monate pro Jahr. Die Abholzung des Regenwaldes im Kongo, eine der größten grünen Lungen der Welt, die Schneeschmelze am Kilimandscharo, dem Wasserspeicher Afrikas, und der ansteigende Meeresspiegel stellen den Kontinent vor weitere Probleme. Exzessives Fischen, unter anderem von westlichen Ländern, schädige vor allem Reproduktionsbereiche und sorge für eine Versauerung der Ozeane.

Durch Schädigung von Mangroven, exzessiv anwachsenden Salzgehalt des Wassers und steigende Temperatur gehen Wasserstellen verloren, was bei der Viehzucht zum Anstieg von Tiererkrankungen führe und letztlich zu mehr Konflikten zwischen Viehhaltern und Ackerbauern. Weniger Regen und sinkender Produktivität folgten unsicheres Einkommen und Unterernährung der Bewohner. Eine weitere wichtige Einnahmequelle sei der Tourismus. Durch rückgehende Attraktivität der Resorts am Meer gehe dieser ebenfalls zurück. „Viele Menschen ziehen von der Küste weg – weil sie verschwindet“, schlug Mamadou Mbodji Alarm.



Um eine Abmilderung dieser Verhältnisse zu erreichen, sei es eminent wichtig, durch beständige Kommunikation Bewusstsein für diese Probleme zu schaffen. Gleichzeitig müsse sich die Klimapolitik vieler Länder ändern, auf erneuerbare Energien gesetzt werden, und es müssten sich Produktions- und Konsumverhältnisse ändern. Das ausbeuterische Verhalten von westlichen Ländern oder auch von China und der damit zusammenhängende von Menschen verursachte Klimawandel führten im Endeffekt zu Fluchtbewegungen.

Für mehr Klimagerechtigkeit sei es notwendig, einen internationalen Solidaritätsfonds einzurichten, technologische wissenschaftliche Informationen zu teilen und entsprechendes Wissen vor Ort zu fördern. Dem gingen die Naturfreunde Internationale bereits nach, beispielsweise durch Initiativen innerhalb der Zivilgesellschaft vor Ort. Auch die Zusammenarbeit mit Ortsvereinen wie dem in Sulzbach sei fruchtbar.

„Es ist ein Thema, das uns alle sehr, sehr berührt“, sagte Arnold Ludes. Der Leiter der Abteilung Landwirtschaft und Entwicklung ländlicher Raum im Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz ergänzte, dass die europäische Agrarpolitik mit dafür sorge, dass Bauern in afrikanischen Ländern an den Rand der Existenz gedrückt würden. Zu der Veranstaltung hatten die Naturfreunde Saarland und das Ministerium gemeinsam eingeladen. Die Naturfreunde Sulzbach stellten im Anschluss noch einige ihrer Projekte vor, mit denen sie Armut vor Ort bekämpfen. Durch Spenden werden beispielsweise im Projekt „Frauen von St. Louis“ Senegalesen dabei unterstützt, Grundlagen für die Produktion von Konfitüren, Säften und Soßen aus Früchten und Gemüse vor Ort zu schaffen.