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Ein besonderes Gespür für Pferde: So harmonieren Mensch und Tier

Ein besonderes Gespür für Pferde : So harmonieren Mensch und Tier

Verhaltenswissenschaftlerin aus Göttingen verblüfft ihre Zuschauer beim Reit- und Fahrverein in Dudweiler 

„Pferde können bis fünf zählen und abstrakte Symbole voneinander unterscheiden.“ Dieses Forschungsergebnis und viele andere interessante Details konnten  die zum Teil weit angereisten Pferdefreunde und -besitzer beim Seminar „Bodenarbeit mit dem Pferd - pferdegerecht kommunizieren“ von Dr. Vivian Gabor erfahren. Der Reit- und Fahrverein Dudweiler hatte die promovierte Biologin und Verhaltenswissenschaftlerin der Universität Göttingen hierzu eingeladen, und zahlreiche Mitglieder der Reiterlichen Vereinigung waren aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz angereist. Sie waren gekommen, um von der Referentin zu erfahren, wie sie eine harmonische Partnerschaft mit ihrem Pferd aufbauen und Probleme durch falsche Kommunikation vermeiden können. Die Expertin gibt regelmäßig bundesweit Lehrgänge zur pferdegerechten Ausbildung und der feinen und nicht ganz einfachen Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Rund 65 Teilnehmer hatten sich angemeldet, und am Ende waren es sogar noch mehr, so dass einige den Vortrag sogar stehend verfolgen mussten.

„Unerwünschte Verhaltensweisen werden vom Menschen oft ungewollt initiiert und können zu Problemverhalten führen“, erläuterte  Vivian Gabor in ihrem Vortrag. „Durch die richtige Bodenarbeit lernen Pferd und Mensch, einander besser zu verstehen und Vertrauen und Respekt aufzubauen, was letztlich beiden Sicherheit gibt und motiviert. Das reduziert den Stress miteinander und schenkt beiden Freude an der gemeinsamen Arbeit“ so Gabor. „Aus dem Sozialverhalten der Pferde innerhalb ihrer Gruppe kann man da vieles lernen.“ So müssen klare Signale mit der Körpersprache vermittelt werden. Dass die sensiblen Tiere darauf sehr gut reagieren, zeigt sich in der anschließenden praktischen Demonstration in der Reithalle.

Während die Seminarteilnehmer alle gespannt auf Bänken sitzen und aufmerksam zuhören, führt Barbara Jung aus Quierschied ihre fünfjährige Stute Lola in die Halle. Pferd und Referentin treffen sich hier zum ersten Mal. Nach einer kurzen Bekanntmachung mit dem Tier und der Abfrage der Biografie und nach Besonderheiten beginnt Gabor mit ihrer praktischen Vorführung. Dabei ist es verblüffend, wie schon nach wenigen kurzen Sequenzen mit den richtigen Körpersignalen das Tier auf den Menschen reagiert und sich so verhält, wie es von ihm erwartet wird. So macht es einige Schritte seitlich oder geht in die gewünschte Richtung im gewünschten Tempo. Das Tier wirkt entspannt, nachdem ihm mittels Körperspannung klar vermittelt wurde, wo der jeweilige persönliche Abstand respektiert werden sollte, ganz so, wie es Pferde untereinander auch tun. „Das sind kleine Übungen, die im Laufe der Zeit eigentlich gar keine Übungen mehr sind, sondern in den Alltag übergehen.“ Anschließend ist der zehnjährige Wallach Fabrice an der Reihe, der von seiner Besitzerin Barbara Steinert aus Sulzbach vorgestellt wird. Zunächst zeigt sie, wie sie Fabrice zu verstehen gibt, wie oder wohin er gehen oder sich bewegen soll. Es ist nicht ganz einfach, das Tier wirkt leicht abgelenkt durch die Zuschauer. Aber nachdem Vivian Gabor ihm klare Zeichen gibt, hat auch er in kürzester Zeit verstanden, was von ihm erwartet wird und folgt aufmerksam.

Bei dem 25-jährigen Rocky, der von Christine Schneider aus Dudweiler vorgestellt wird, demonstriert Gabor mit einer Mülltüte, wie mit der richtigen Herangehensweise das Pferd stressfrei Angst und Scheu vor unbekannten Gegenständen überwindet. Gelassen lässt sich Rocky sogar mit dem laut raschelnden Gegenstand streicheln. Die Zuschauer folgen dem Geschehen aufmerksam. Insgesamt ist man sich nach fast vier Stunden einig: Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Ein Stand mit Pflegeprodukten einer Firma sowie der Büchertisch  einer Buchhandlung aus Göppingen, die sich auf Literatur und Produkte rund ums Reiten und Pferde spezialisiert hat, rundeten das Event ab.

Hier konnten die Teilnehmer am Ende auch das Buch „Mensch und Pferd auf Augenhöhe“ von Vivian Gabor kaufen und natürlich auch signieren lassen.