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Silvana Uibel erschrieb sich den Hans-Bernhard-Schiff-Förderpreis

Ein junges schriftstellerisches Talent : Silvana Uibel und der Blick in die menschlichen Abgründe

Was passiert, wenn sich zwei Menschen begegnen, die einander zu ähnlich sind? Sofern auch noch Schimmelpilze involviert sind, könnte eine Kurzgeschichte entstehen – beides diente Silvana Uibel als Inspiration für ihren Text „Wenn Pilze schimmeln“, mit dem sie sich einen der beiden Förderpreise des Hans-Bernhard-Schiff-Preises 2018 erschrieb.

Uibel, 1995 in Bielefeld geboren, begann ihr Psychologie-Studium an der Universität Hamburg und macht seit 2017 ihren Master an der Saar-Universität. Sie schreibt, seit sie 14 ist, vor allem Lyrik. Kurzgeschichten seien erst kürzlich dazugekommen, erzählt sie, obwohl auch Romanversuche und ausgestaltete Kinderbücher zu ihren literarischen Gehversuchen zählten. Als lyrische Einflüsse nennt sie Erich Käster und Mascha Kaléko; in Sachen Prosa schätzt sie Alice Munro, Franz Kafka, Michael Ende, Hermann Hesse, Wolfgang Koeppen. „Langfristig werde ich wohl nicht um einen Roman herum kommen“, sagt sie. „Bisher glaubte ich, in der Lyrik zu Hause zu sein. Inzwischen musste ich feststellen, dass ich mich auf dem Weg zum Roman befinde. Der Typus Kurzgeschichte verlangt Präzision, fast, wie es in der Lyrik der Fall ist, und gibt zugleich Raum für komplexere inhaltliche Zusammenhänge – das fordert mich heraus und gibt mir die Möglichkeit, neu zu denken.“

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Studium und Schreiben? Als Motivation für die Psychologie nennt Uibel „ein tiefes Interesse am Menschen“: „Ich warte auch im dritten Mastersemester noch darauf zu erfahren, was der Mensch eigentlich ist und wieso er so denkt und fühlt, wie er es tut. Sofern es eindeutige Antworten auf diese Fragen geben sollte, habe ich mich von der Vorstellung gelöst, diese allein im Studium finden zu können und mich privat zusätzlich anderen Disziplinen, wie der Literatur und Philosophie zugewendet.“ Thematisch seien da sicher einige Parallelen zu ihrem literarischen Schaffen auszumachen. Uibel: „Es geht in meinem Geschichten viel um Menschen und ihre Eigenarten – verquere Weisen zu denken, zu fühlen, zu handeln. Dennoch möchte ich den Menschen in diesen Betrachtungen nicht durch die (teilweise) pathologisierende Brille der klinischen Psychologie betrachten, sondern vielmehr die innere Vielfalt des Menschen aufzeigen.“ Insbesondere sei sie „an den sogenannten menschlichen Abgründen, absurden Situationen, zwischenmenschlichen Beziehungen und kleinen Randbeobachtungen“ interessiert. „Literatur, insbesondere wenn man selbst verfasst, fordert einen dazu auf, genau hinzuschauen und die eigene Welt zu weiten“, meint Uibel. Zur Zeit allerdings erfülle die Literatur wohl oder übel eine Alltags-entlastende Funktion: „Die Literatur nimmt in meinem Leben eine Hauptrolle ein, zumindest in meiner Wunschvorstellung. Je mehr jedoch das Studium von mir fordert, desto mehr muss ich das Bedürfnis zu schreiben beiseite schieben.“ Veröffentlicht hat sie bisher nur eine Art Essay im Rahmen eines Schreibwettbewerbs für Jugendliche in Bielefeld. In der von Sikander Singh und Johannes Birgfeld (letzterer ist auch Juror des Hans-Bernhard-Schiff-Preises) geleiteten Schreibwerkstatt an der Saar-Uni habe man auf die Ausschreibung des Schiff-Preises hingewiesen: „Der Kurs und der Förderpreis haben mich ermutigt und zu weiteren Kurzgeschichten inspiriert“, freut sich Uibel – beispielsweise zu „Erzählungen über Beziehungen, in denen auf den zweiten Blick irgendetwas nicht zu stimmen scheint.“

Mit dem Preisgeld (2000 Euro)  möchte sie sich nach Abschluss des Studiums ermöglichen, sich eine Zeitlang auf den Traum des freien Schreibens zu konzentrieren. „Möglicherweise sind auch noch ein oder zwei Leinwände drin“, hofft Uibel, denn die Malerei ist eine weitere „große Liebe“. Als Jugendliche belegte sie Nachmittagskurse in Malerei und Zeichnen an der Musik- und Kunstschule Bielefeld: „Auch hier bin ich noch nicht festgelegt auf eine Richtung. Wohl am liebsten porträtiere ich in Öl oder Acryl, da der Mensch für mich eine reiche Quelle an Inspiration darstellt. „Allein Haut kann so bunt sein.“ Besonderes Interesse gilt dem Surrealismus, der „durch seine Nähe zu unbewussten Traumwelten“ eine Faszination ausübe. Öffentlich ausgestellt hat Uibel bisher nur „im ganz kleinen Stil“. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.