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SHG bietet Qualifikation zum Alltagsbetreuuer während FSJ an

„FSJ Plus“ : Wenn Helfer mehr als Taschengeld wollen

Die SHG bietet Teilnehmern eines Freiwilligen Sozialen Jahres eine zusätzliche Qualifikation als Alltagsbetreuer.

56 junge Menschen machen zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in den Einrichtungen der Saarland-Heilstätten GmbH (SHG) – sechs von ihnen nutzen das neue Angebot „FSJ PLUS“. Dabei erlangen die Teilnehmer während ihres Dienstjahres die offizielle Qualifikation „Zusätzliche Betreuungskraft in stationären Pflegeeinrichtungen“. Damit können die jungen Menschen in Altenheimen oder Krankenhäusern arbeiten. Beim Berufsbildungsanbieter Taylorix in Saarbrücken lernen sie die wichtigsten theoretischen Grundlagen für den Job.

„Hier geht es insbesondere um den Umgang mit Demenzkranken“, sagt Dozent Wolfram Bröder. „Die Kursteilnehmer lernen, wie sie den Betroffenen helfen können, die verbliebenen Erinnerungen zu aktivieren. Die Kommunikation ist das Wichtigste.“ Es helfe, die von der Wirklichkeit abweichende Welt der Patienten ernst zu nehmen, erklärt der 56-Jährige. Wolle ein Demenzkranker beispielsweise aus dem Altenheim nach Hause, sei es nicht sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass dies nicht möglich ist. Besser sei es, die Person in ein Gespräch über sein Zuhause, dortige Erlebnisse oder die Familie zu verwickeln. Dies wirke weniger irritierend.

Zu den Kursinhalten gehören auch Kenntnisse über relevante Krankheiten, körperliche Pflege sowie rechtliche Rahmenbedingungen der Alltagsbetreuung. Nach vier Wochen Blockunterricht gibt es nicht nur eine schriftliche Prüfung. Die Teilnehmer müssen auch praktisch beweisen, dass sie eine Betreuungsstunde planen und durchführen können. Pro Person kostet die Qualifikation 1100 Euro, wovon die Freiwilligen 600 Euro zahlen: Sie verzichten für zwölf Monate auf jeweils 50 Euro ihres „Taschengelds“ von 350 Euro. Den Rest übernimmt die SHG. Im Saarland bieten dieses Programm auch die Berufsbildungsunternehmen Max Q in Saarlouis, WBS Training in Saarbrücken sowie die Altenpflegeschule in St. Ingbert an – allerdings nicht in Verbindung mit einem FSJ.

Maja Seipelt und Lena Glodt haben sich für das Angebot entschieden. Sie hoffen, dass ihr Geld gut investiert ist. „Ich will etwas aus dem FSJ mitnehmen, um danach im Krankenhaus arbeiten zu können“, sagt Seipelt. Die 18-Jährige bestreitet ihr Freiwilligenjahr in der SHG-Klinik Völklingen. Sie möchte Ärztin werden und vor und neben dem Studium als Betreuerin Geld verdienen. Glodt ist 21 Jahre alt und arbeitet für ein Jahr freiwillig im Merziger Fellenbergstift. Sie visiert eine Karriere als Logopädin an und plant, zunächst Erfahrungen in einem sozialen Beruf zu sammeln. „Die anderen Pfleger haben oft zu wenig Zeit, um sich auf einer persönlichen Ebene ausgiebig mit den Patienten oder Bewohnern zu beschäftigen. Deshalb sind sie froh über unsere Unterstützung“, erzählt Seipelt.

Aufgrund des Personalmangels in der Pflege seien die Jobaussichten gut, sagt Christina Pleyer-Rosenkranz vom Zentrum für Freiwilligendienste der SHG. Auch die Arbeitskammer (AK) sieht für die Absolventen gute Chancen. Die AK spricht sich jedoch dafür aus, den Eigenanteil der Freiwilligen an den Kosten der Qualifikation zu streichen. Als Beschäftigte hätten sie nach der Weiterbildung zudem Anspruch auf den Pflegemindestlohn, welcher im Moment bei 11,35 Euro liegt, unterstreicht die Arbeitnehmervertretung. Darüber hinaus sei es besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Betreuerinnen und Betreuer „nicht in die regelhaften pflegerischen Tätigkeiten eingebunden und so versteckt Teil des Pflegestellenplanes werden“, teilte die Kammer mit.