Serie über die Absolventen der saarländischen Schauspielschule

Serie Saarbrücker Schauspielschule : Lutz Hübners Stücke füllen die Theater

Der 55-Jährige studierte Schauspiel in Saarbrücken. Als Bühnenautoren sind er und seine Frau Sarah Nemitz Erfolgsgaranten.

Lutz Hübner ist heute – mit seiner Frau und Koautorin Sarah Nemitz – der wohl meistgespielte deutsche Theaterautor. Hübner? Wenn’s bei dem Namen noch nicht klick macht, dann aber spätestens bei „Frau Müller muss weg“. Das herrlich komische Stück über einen Elternabend, an dem unverschämte Helikoptereltern die Klassenlehrerin wegmobben wollen, kennt eigentlich jeder. Um die 80 Stadt- und Staatstheater haben es aufgeführt, Sönke Wortmanns Verfilmung von 2015 erreichte im Kino rund eine Million Zuschauer.

Und die „Frau Müller“ ist nur eines von zig Erfolgen aus der Feder des Wahlberliners (55), der als Schauspieler begann und das Handwerkszeug von 1986 bis 89 an der Saarbrücker Schauspielschule erhielt. Er könne sich gut daran erinnern, sagt Hübner. „Ich sehe immer noch den St. Johanner Markt vor mir und das Nauwieser Viertel, wo ich wohnte. Es war eine prägende und schöne Zeit und extrem wichtig, es war doch der Punkt, an dem alles losging.“ Von Münster aus, wo der gebürtige Heilbronner Germanistik, Philosophie und Soziologie studiert und in Kneipenhinterzimmern Theater gespielt hatte, war er auf Vorsprechtour in Saarbrücken gelandet und kam an.

Die Saarbrücker sei ja die kleinste aller staatlichen Schauspielschulen gewesen und von den großen aus betrachtet weit ab vom Schuss, sagt Hübner. „Als Gruppe war man deshalb hier in einem guten Sinn auf sich selbst geworfen.“ Man habe viel miteinander unternommen und voneinander gelernt, nicht nur von den Dozenten. Daraus seien sogar Lebensfreundschaften entstanden.

Wolfgang von Stas, Leiter der Schauspielabteilung, und Staatstheater-Schauspieler Kurt Ullmann, der Rollenunterricht gab, nennt er als prägendste Persönlichkeiten. „Ullmann war ein wunderbarer Schauspieler, ich habe sehr viel von ihm gelernt, was Rezitation betrifft und Rollengestaltung und überhaupt das Gefühl für Theater“, sagt Hübner. Er gastierte schon während des Studiums am Landes- und Staatstheater in „Frühlings Erwachen“ und als Titelheld in „Aladin und die Wunderlampe“. Nach dem Abschluss blieb er noch mit ein paar Stückverträgen, um dann weiterzuziehen, nach Karlsruhe, Neuss und Magdeburg.

Doch wann hat sich der Schauspieler aufs Schreiben verlegt? Hübner sagt, schon in der freien Theatergruppe in Münster habe er damit begonnen. „In Saarbrücken dachte ich: So, jetzt werde ich ernsthafter Schauspieler, jetzt ist Schluss damit. Nicht alles auf einmal machen.“ Schon nach dem ersten Jahr konnte er der Versuchung nicht widerstehen. Er verfasste für ein Semesterabschlussprojekt einen zweiten Teil zu Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ und inszenierte. So erging es ihm immer wieder. In Magdeburg setzte sich der Drang, auch zu schreiben und zu inszenieren, wieder durch gegen den Wunsch, sich aufs Schauspielen zu konzentrieren.

„Irgendwann musste ich eine Entscheidung fällen“, sagt Hübner, er gab das Festengagement auf, um hauptsächlich zu schreiben. Der Monolog „Tränen der Heimat“, seiner Frau Sarah Nemitz, ebenfalls Schauspielerin, auf den Leib geschrieben und als Eigenproduktion der beiden in Berlin 1994 uraufgeführt, weckte das Interesse des Grips-Theaters, für das Hübner „Das Herz eines Boxers“ verfasste.

Das Stück brachte 1996 den Durchbruch: Deutscher Jugendtheaterpreis, unzählige Nachinszenierungen, darunter an der Saarbrücker Schauspielschule und am Theater Überzwerg.

 Mit Sarah Nemitz verfasst Hübner etwa zwei Stücke pro Jahr. Dank der Tantiemen aus vielen Nachinszenierungen kann das Dramatikerpaar vom Schreiben gut leben.

Gerühmt werden sie dafür, mit ihren Stücken, ob „Die Firma dankt“, „Richtfest“, „Frau Müller“ oder „Abiball“, stets den „Nerv der Zeit“ zu treffen. „Das Ideal ist, dass man eine Strömung in der Gesellschaft erwischt, bevor sie ganz sichtbar ist“, sagt Hübner. „Man entwickelt eine Art Schleppnetz, wenn man Informationen aufnimmt oder mit Leuten spricht und hört, da ist gerade was im Gange“.

Saarbrücken ist eine der prägenden Stationen im Leben des Schauspielers, Regisseurs und Bühnenautors Lutz Hübner. Foto: bilderwerk

Und noch etwas verrät er: „Gretchen 89 ff“, eines seiner ersten Stücke, 1997 uraufgeführt, entstand schon kurz nach seinem Fortgang aus Saarbrücken. „Es ist eine Mischung aus Hommage und Parodie auf die Schauspielschule und ihre Dozenten“. Man sollte es vielleicht noch mal neu lesen.

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