City-Lauf: Sekunden-Krimi ohne Schwenkerduft

City-Lauf : Sekunden-Krimi ohne Schwenkerduft

Steffen Justus und Martina Schumacher haben beim Saarbrücker City-Lauf das Hauptrennen gewonnen. Die Entscheidung bei den Männern war spannend.

Es sollte eine gleichmäßige Einheit werden. Doch auf den letzten Metern beim 30. Sparkassen-City-Lauf in Saarbrücken muss sich der Favorit gehörig sputen. Dem ehemaligen Triathlon-Ass Steffen Justus sind mit Clubkollege Nils Klein vom LC Rehlingen und Philippe Weingarth von der LLG Wustweiler zwei hochmotivierte Rivalen zur Seite gerückt. Sie geben alles, um am Vize-Weltmeister von 2010 über die Triathlon-Kurzdistanz vorbeizuziehen. Justus muss eingangs der Zielgeraden im Schatten des Heizkraftwerks kämpfen, um in Führung zu bleiben. Doch am Ende hat der gebürtige Jenaer und Wahl-Saarbrücker knapp die Nase vorn. In 33:42 Minuten siegt Justus nach zehn Kilometern entlang der Saar mit zwei Sekunden Vorsprung auf Klein und vier auf Weingarth.

Eine halbe Minute später trudelt Alexander Bock ein, mit dem Justus bei dem von der Leichtathletik-Abteilung des SV Saar 05 Saarbrücken organisierten City-Lauf lange einträchtig an der Spitze gelaufen ist. „Ich habe mich mit Alexander getroffen, um einen zügigen und konstanten Lauf zu machen. Dann aber haben die zwei Jungs den Plan vom gleichmäßigen Tempo-Dauerlauf zerstört“, sagt Justus – und deutet auf die nebenan stehenden Kollegen, die den Olympia-16. von London 2012 mehr ins Schwitzen gebracht haben als die zur Mittagszeit hin immer stärker werdende Sonne. „Hinten raus habe ich noch mal mein Racer-Herz ausgepackt. Die beiden haben sich gut rangebissen. Dass ich mich so beeilen musste, musste eigentlich nicht sein, aber auch so war es ein gutes Training“, erklärt Justus, der seine Profi-Karriere Ende 2016 beendet hat und heute „nur noch aus Spaß“ läuft, wie er sagt. In drei Wochen wird der 36-Jährige dann länger unterwegs sein, wenn er den Rennsteig-Super-Marathon über 73,5 Kilometer im Thüringer Wald absolviert.

Ein Marathon in der Vorwoche und ein Zehn-Kilometer-Rennen am Vortag waren für Bock letztlich zu viel, um den Sprung auf das Siegerpodium zu schaffen. „Ich habe früh gemerkt, dass die Beine etwas müde sind, aber dennoch gehofft, dass ich hinter Steffen noch Zweiter werden kann. Aber die anderen zwei Konkurrenten waren hinten raus einfach stärker“, sagt der Viertplatzierte. Der Drittplatzierte Weingarth erklärt: „Ich werde sicher noch ein paar Läufe in der Saison machen. Aber erst mal geht es morgen ab in den Urlaub.“

Schnellste Frau beim City-Lauf ist nach ihrem Sieg 2016 wieder Martina Schumacher, die in 37:58 Minuten ankommt und den Rehlinger Doppelsieg bei Männern und Frauen perfekt macht. Sie lobt die kurzweilige Strecke mit vielen Kurven, erkennt aber einen kleinen Makel. „Im Gegensatz zum Lauf vor zwei Jahren hat diesmal der Schwenkerduft gefehlt. Das war damals noch motivierender. Aber es hat auch so echt Spaß gemacht“, sagt die 41-Jährige lächelnd – wobei die Zeit beim damals abends ausgetragenen Rennen exakt dieselbe gewesen ist.

Schumachers Saisonhöhepunkt folgt im September bei der Senioren-Weltmeisterschaft im spanischen Malaga. Der erneute Sieg beim Saarbrücker City-Lauf, an dem diesmal knapp 300 Läufer teilgenommen haben und der die zweite Station im Sparkassen-Cup darstellt, ist vielleicht kein schlechtes Omen. Denn vor zwei Jahren hat die Läuferin vom LC Rehlingen danach in Australien WM-Silber über 10 000 und 5000 Meter sowie Bronze über 1500 Meter geholt.

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