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Forschernachwuchs
Zwei kluge Köpfe siegen mit Radieschen

 Johanna Schommer und David Schledorn vom Willi-Graf-Gymnasium überzeugten mit ihren Pracht-Radieschen.
Johanna Schommer und David Schledorn vom Willi-Graf-Gymnasium überzeugten mit ihren Pracht-Radieschen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Sechs bemerkenswerte Beiträge aus dem Regionalverband überzeugten beim Landesentscheid „Schüler experimentieren“. Sogar Raketenforscher waren am Werk. Von Frank Bredel

Wie sich Radieschen in einer einzigen Tüte für Gartenerde erfolgreich züchten lassen, das haben Johanna Schommer (11) und David Schledorn (13) vom Saarbrücker Willi-Graf-Gymnasium erforscht. Jetzt haben sie ihre Arbeit beim Landesentscheid „Schüler experimentieren“ vorgestellt. „Urban Gardening – wenig Platz, große Ernte“, lautete ihr Thema.


Sie wollten wissen, wie auch ein  Stadtbewohner mit wenig Platz und geringem Aufwand zu eigenem Gemüse kommen kann. Die Jungforscher testeten verschiedene Erdsorten, wogen die Radieschen nach der Ernte und optimierten ihr Verfahren. Der Jury gefiel das. Es gab einen Sonderpreis in Biologie.

Der Forschernachwuchs reichte 56 Arbeiten ein, sechs kamen aus dem Regionalverband Saarbrücken. Einen Sonderpreis erhielt auch der 13-jährige Ben Darke aus Quierschied, der ebenfalls das Willi-Graf-Gymnasium besucht. Der Schüler der 7. Klasse untersuchte den Gastransport von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid über den Blutfarbstoff Hämoglobin. Er konstruierte einen Experimentierkasten, der den Ablauf im Unterricht erkennbar macht und als Lernhilfe für die Unterstufe taugt.



Um Pädagogik ging es ebenso bei Florian Peter Mühlberger, Julian Felix Mühlberger und Marvin Miséré vom Warndt-Gymnasium in Völklingen. Sie wollten herausfinden, wie sich am besten lernen lässt, und testeten Mitschüler mit einem Film. Die Teilnehmer sahen zunächst das ganze Werk, hörten dann nur den Text und bekamen diesen schließlich zu lesen. „Wenn man liest, behält man am meisten“, ist ihr Fazit. Eine umfangreiche Statistik belegt die Untersuchungsergebnisse.

Der Jury imponierte das, es gab einen dritten Preis und ein Preisgeld der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. „Projekt Lernteufel“ hatten die drei Sechstklässer ihre Arbeit genannt.

Ebenfalls vom Warndt-Gymnasium kommen die Siebtklässlerinnen Kimberly Schmitt und Jolina Ory. Sie experimentierten mit Fenstermalfarbe und suchten eine Rezeptur für eine gesundheitlich unbedenkliche, aber trotzdem leuchtend transparente Malfarbe. Aus Geliermittel und Seife bestand ihr Endprodukt. Prämiert wurde das im Wettbewerb mit einem Sonderpreis.

Vom Albert-Einstein-Gymnasium in Völklingen kamen Michael und Johann Rosch zum Wettbewerb, an dem sie schon mehrfach erfolgreich teilgenommen hatten. Im dritten Jahr schon beobachten die beiden die Vegetation in Püttlingen. 133 Blumenarten haben sie dort gezählt und in einer aufwändigen Studie die Vegetation kartiert und erfasst.

Dabei sind die beiden dem Klimawandel auf der Spur: „Wir konnten belegen, dass die Blumen immer mehr bis in den Winter hinein blühen, und fanden 2018 in Püttlingen erstmals die Breitblättrige Stendelwurz, eine Orchidee“, sagte Johann Rosch. Michael und er haben sich darüber mit dem Deutschen Wetterdienst ausgetauscht und sind überzeugt, dem Klimawandel auf der Spur zu sein. Im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften holten sie den Landessieg. Einen Sonderpreis erhielten Luca Elias Pankratz, Laura Schwarz und Jana Dincher aus Völklingen. Alle drei besuchen die Klasse 6 des Warndt-Gymnasiums und bauten einen Raketenantrieb aus Brausetabletten. Eine PET-Flasche flog damit 1,50 Meter weit. „Mit sechs Tabletten und 200 Millilitern Wasser geht es am besten“, sagte Luca.