Sebastian Richter ist der Arzt von Borussia Neunkirchen und des TuS Herrensohr.

Porträt : Der Doc liebt den Fußball und das Helfen

Sebastian Richter ist der Mannschaftsarzt von Borussia Neunkirchen, des SC Halberg Brebach und des TuS Herrensohr.

Am Freitag rannte Sebastian Richter mit seinem Medizinkoffer beim Fußballspiel des SC Brebach gegen die FSG Ottweiler auf den Platz und behandelte verletzte Spieler. Am Samstag flitzte er im Auersmacher Saar-Blies-Stadion auf den Rasen und am Sonntag auf den Kunstrasen des FV Bischmisheim. „Fußball ist mein Leben, ich kann es nicht ändern. Ich liebe den Sport, und ich versuche zu helfen, wo ich kann“, sagt Sebastian Richter, der von allen nur Doc gerufen wird.

Offiziell ist der 62-Jährige seit 1993 Mannschaftsarzt von Borussia Neunkirchen und seit 1994 auch vom SC Halberg Brebach. Ende der 1990er Jahre kam noch der TuS Herrensohr dazu, eine besonderes Herzenssache von Richter. „Ich habe bis Ende der 1980er Jahre in Brebach gespielt und danach, bis ich 40 Jahre alt war, beim TuS Herrensohr. Seit dem bin ich Abteilungsleiter Fußball beim TuS“, sagt der Medizinmann, der sich längst nicht nur um die Spieler seiner Mannschaften kümmert.

Am vergangenen Samstag betreute er wie immer die Borussia aus Neunkirchen, die in Auersmacher spielte. Nach einem Zusammenprall blieb ein Auersmacher Spieler mit einer Platzwunde am Kopf liegen, und der Auersmacher Trainer Jan Berger rief nur: „Doc, kannst du mal gucken kommen“.

Sebastian Richter machte sich sofort auf den Weg. „So ist das bei fast allen Spielen. Wenn ich helfen kann, bin ich da. Ich weiß, wie es ist, wenn man verletzt am Boden liegt“, sagt der 62-Jährige. Wie vielen Fußballspielern er in 25 Jahren schon geholfen hat, weiß er nicht mehr genau. Es waren sicherlich Tausende, wenn nicht sogar 10 000.

In seiner Praxis in Saarbrücken hat der Facharzt für Orthopädie noch deutlich mehr Menschen geholfen. „Ich kann die Nachrichten gar nicht zählen, die ich am Wochenende von Fußballspielern auf mein Telefon bekomme“, sagt er: „Meistens handelt es sich bei Fußballern um Muskelverletzungen. Ich war aber auch schon dabei, als sich Spieler auf dem Platz den Oberschenkel brachen oder das gesamte Knie zertrümmerten.“

Sebastian Richter ist an den Wochenenden ehrenamtlich bei seinen Mannschaften als Arzt unterwegs. Geld nimmt er dafür keins. Im Gegenteil: Der fußballverrückte Arzt ist auch Sponsor des SC Halberg Brebach, von Borussia Neunkirchen und des TuS Herrensohr. Den finanziellen Spritzen des Docs hat es der TuS Herrensohr zu verdanken, dass er es von der Kreisliga bis in die Saarlandliga geschafft hat.

Die Fußballerszene im Regionalverband und auch Richter selbst wissen, dass es der TuS schwer haben wird, wenn der Doc sein Engagement irgendwann einstellen muss. Eine Krebserkrankung und Arthrose in beiden Knien haben den 62-Jährigen schon einmal außer Gefecht gesetzt. Doch das juckt den Facharzt nur wenig. „Ich werde auf den Fußballplätzen sein, bis ich umfalle. Dort fühle ich mich an den Wochenenden am wohlsten.“

Seine Tochter ist beruflich auf dem gleichen Weg wie der Vater. Sie hat drei Jahre in Rostock studiert, und Sebastian Richter hat sich bei den regelmäßigen Besuchen in Land und Leute im hohen Norden verliebt.

Er ist Fan von Hansa Rostock und trägt bei seinen Einsätzen am Wochenende auch immer eine Hansa-Jacke. „Es ist wirklich toll dort oben, doch meine Heimat ist hier bei uns in Saarbrücken. Die Fußballspieler bei uns müssen mich wohl noch eine Zeit lang ertragen“, sagt der Doc und zwinkert mit einem Auge.

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