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Schwimmbad in Fechingen: Noch kein Termin zur Wiedereröffnung

Hochwasserfolgen : Noch kein Termin zur Wiedereröffnung

Solange die elektronische Steuerung der Wasseraufbereitung nicht repariert ist, gibt’s keinen Badespaß in Fechingen.

Mittlerweile kann Thomas Wack wieder lachen, wenn er an das schlimme Unwetter von vor sechs Wochen denkt. Am Morgen des 1. Juni war der Betriebsleiter des Fechinger Schwimmbades den Tränen nahe. „Ich war die ganze Nacht mit der Feuerwehr im Einsatz und wollte morgens gegen 5.30 Uhr einfach nur nachgucken, ob es unser Bad auch erwischt hatte. Als ich von der Hauptstraße aus schon sah, wo überall das Wasser stand, ahnte ich schon Schlimmes“, erklärt Wack.

Ein reißender Fluss aus Wasser, Geröll und Schlamm hatte sich seinen Weg durchs Bad gesucht. Im Technikkeller lag 20 Zentimeter hoch Schlamm, und darüber stand 60 Zentimeter hoch Wasser. „Das ganze Bad war quasi mit Schlamm überzogen, und im Technikraum hatte so gut wie alles einen Schaden. Wir hatten erst im Dezember unser neues Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen. Es ist zurzeit bei einer Fachfirma und wird komplett neu aufgebaut“, berichtet Gabriele Scharenberg-Fischer, die Geschäftsführerin der Stadtwerke Bäder GmbH. Sie hatte sich am Morgen nach dem Unwetter ebenfalls einen Eindruck von der Verwüstung im Bad verschafft: „Die Mitarbeiter waren am Boden zerstört und kämpften mit den Tränen. Wir haben in der jüngsten Vergangenheit viel in das Bad investiert, und zur Eröffnung in diesem Jahr war alles auf Vordermann gebracht worden. Und dann das.“

Auch die Kegelbahn und der Gymnastikraum im Keller wurden zerstört. Ein Schaden von insgesamt etwa 800 000 Euro ist entstanden. Etwa 80 000 Euro werden von Versicherungen übernommen. Den Rest muss die Stadtwerke Bäder GmbH selber bezahlen. Hinzu kommt der Einnahmenausfall in der besten Freibadzeit des Jahres. „10 000 Euro pro Woche“, sagt Scharenberg-Fischer.

Auch das Restaurant, das normalerweise im Sommer ein Renner ist, musste schließen und Personal entlassen. Die Angestellten des Bades, etwa 15 Personen, wurden auf andere Bäder in der Stadt verteilt oder helfen bis heute bei den Aufräumarbeiten.

Auslöser für den ganzen Schlamassel im Fechinger Bad war ein normalerweise idyllisch den Fechinger Berg hinunterfließendes Bächlein – der sogenannte Enkenfluss. Tief im Wald gelegen, versorgte der Herrgottsbrunnen im Mittelalter die damalige Siedlung Friedrichingen mit Wasser. Diese Siedlung gibt es heute nicht mehr. Dafür aber den Brunnen und den dort entspringenden Enkenfluss, der in der Nacht zum 1. Juli seinem Namen alle Ehre machte. Aus dem Rinnsal wurde ein zehn Meter breiter Fluss, der aus dem Wald über die Felder und schließlich auch über das Schwimmbad hinwegschoss.

Sechs Wochen nach der Katastrophe erinnert nur noch das trübe Wasser in den Becken an das Unwetter. Alles andere sieht wieder recht hübsch aus. Bis das Wasser ausgetauscht werden kann, muss aber die Technik zur Aufbereitung des neuen Wassers wieder funktionieren. Und dort liegt das Problem.

„Viele Sachen müssen von Firmen repariert werden oder sie müssen neu bestellt werden. Nicht jede Fachfirma ist im Sommer verfügbar. Es ist eine schwierige Situation“, sagt Scharenberg-Fischer: „Das Herz der Badtechnik ist die elektronische Steuerung – und die soll erst Mitte August geliefert werden. Erst wenn die eingebaut ist und funktioniert, können wir das Bad wieder in Betrieb nehmen.“ Ein genaues Datum die Wiedereröffnung gibt es noch nicht. Im September soll aber das angrenzende Hallenbad wieder aufmachen. Wenn es gut läuft, können die Menschen in dieser Saison in Fechingen noch draußen und drinnen schwimmen.

Doch was ist, wenn wieder alles in Schuss ist und das nächste Unwetter kommt? „Ohne diesen Fluss den Berg hinunter wäre unserem Bad nicht viel passiert. Der Brunnen ist Eigentum der Stadt“, sagt Scharenberg-Fischer.

 Der Enkenfluss.     
Der Enkenfluss.  
 Blick in den Technikraum.
Blick in den Technikraum.

Und die Stadt will künftige Katastrophen verhindern. Stadtpressesprecher Thomas Blug teilte gestern mit, dass die Stadt die Situation am Herrgottsbrunnen und Enkenfluss so ändern möchte, dass sich ein solcher Vorfall wie am 1. Juni nicht wiederholen kann.