Schulobst im Saarland: Kitas werden nur versorgt, wenn noch Geld da ist.

Kostenpflichtiger Inhalt: Schulobst vom Land in Kindertagesstätten : Brennpunkt-Kita verliert bei Schulobst-Lotterie

Kostenloses Schulobst gibt es auch für Saar-Kitas – aber nur, solange das Geld reicht. 199 Einrichtungen gehen deshalb in diesem Jahr leer aus.

In der Kita Heilig Kreuz auf der Folsterhöhe in Saarbrücken wird es demnächst kein kostenloses Obst mehr geben für die 133 Kinder, die dort betreut werden. „Wir sind aus dem Schulobst-Programm per Losverfahren rausgeflogen“, bedauert Nicole Thalhofer, stellvertretende Leiterin der Kita im sozialen Brennpunkt. „Für unsere Kinder hier ist das besonders bitter“, beklagt die Erzieherin. Denn rund 80 Prozent von ihnen seien vom Jugendamt oder anderen Sozialleistungen abhängig. Gesundes Essen mit frischem Obst und Gemüse komme in vielen finanziell schlecht gestellten Familien des Einzugsgebietes kaum auf den Tisch, weiß sie aus Erfahrung. „Für uns war das kostenlose Obst eine tolle, wichtige Bereicherung. Nie blieb etwas übrig, die Kinder haben sich sehr darauf gefreut“, sagt Thalhofer. Seit Jahren sei gesundes Essen ein wesentlicher Bestandteil des pädagogischen Konzepts ihrer Kita.

Vier Jahre lang hatte die Kita Heilig Kreuz Glück, sie konnte von dem aus Mitteln der EU und des Landes finanzierten Programm profitieren (wir berichteten). Dass nun Schluss sein soll, weil die Mittel ausgeschöpft sind, und man sich erst im kommenden Jahr wieder bewerben könne, dafür zeigt Thalhofer zwar Verständnis. Sie wirft aber die Frage auf, warum es ausgerechnet ihre Kita im sozialen Brennpunkt auf der Saarbrücker Folsterhöhe, trifft – und erwähnt, dass der Saarbrücker Stadtteil zuletzt als „Saarbrooklyn“ in einer Spiegel-TV-Sendung für Aufsehen und Ärger sorgte (wir berichteten). Nicole Thalhofer kennt sich dort gut aus und hält es für kontraproduktiv, dass gerade bei denen, die es am nötigsten hätten, gespart werde.

Das Kriterium der „Bedürftigkeit“ sei kaum zu definieren und könne bei der Vergabe der Mittel keine Rolle spielen, teilt das Umweltministerium, in dessen Zuständigkeit das Schulobst-Programm fällt, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Zudem seien Kindertagesstätten erst vor wenigen Jahren in das Schulobst-Programm aufgenommen worden, das die Europäische Region ursprünglich zur Absatzförderung regionaler Produkte eingeführt habe. Im Saarland habe man es bewusst dazu genutzt, um Kindern gesundheitsförderliches Essverhalten beizubringen. Eine freiwillige Aufgabe, wie das Ministerium betont.

„Die Kitas erhalten nur dann Lieferungen, wenn alle Schulen bedient sind und noch Geld übrig ist“, erklärt die Pressesprecherin des Umweltministeriums Sabine Schorr. „Liegen mehr Bewerbungen von Kitas vor als es die Restmittel zulassen, wird per Losverfahren entschieden.“ Man habe auch schon die Portionsgrößen reduziert, damit mehr Kinder vom Programm profitieren. Mehr sei aber nicht drin, bedauert die Sprecherin.

Die Kita Heilig Kreuz ist damit also nicht die einzige Einrichtung, die kein Obst (mehr) bekommt. In diesem Schuljahr seien 199 Einrichtungen mit insgesamt 17 800 Kindern abgelehnt worden, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums. Um diese Kinder ebenfalls versorgen zu können, wären weitere 600 000 Euro nötig. Geld, das es nicht gebe. Das Land bezahle bereits rund 626 000 Euro für das Schul­obst in diesem Jahr, die EU schieße 334 000 Euro dazu. 233 Schulen mit rund 26 000 Kindern profitieren (wir berichteten).

Für die Kita Heilig Kreuz heißt das: Sie muss sich um Mittel kümmern oder anderswo Abstriche machen. „Wir würden uns sehr über einen Obst-Sponsor freuen“, sagt Nicole Thalhofer und bringt Service-Clubs wie den „Lions Club“ oder die Rotarier ins Spiel, die mit ihren gemeinnützigen Aktionen möglicherweise auch ihrer Kita helfen könnten. Vielleicht könne ja auch der Edeka-Markt um die Ecke mit einer kostenlosen Obst-Kiste ein Mal pro Woche aushelfen. Es gibt also Ideen. Und wenn kein Sponsor zu finden ist, gibt es vielleicht im kommenden Jahr wieder kostenloses Obst für die Kinder. Oder aber die Politik findet noch einen anderen Fördertopf.

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