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Nach FCS-Pokalspiel in Klinik
„Ich lache fast immer auf dem Platz“

Fabian Knoll bleibt neben der Schiedsrichterei und seinem Studium der Mittelstandsökonomie wenig Freizeit. Wenn er Zeit hat, ist die meist mit Sport gefüllt. Denn der 22-Jährige spielt gerne Beachvolleyball und Basketball.
Fabian Knoll bleibt neben der Schiedsrichterei und seinem Studium der Mittelstandsökonomie wenig Freizeit. Wenn er Zeit hat, ist die meist mit Sport gefüllt. Denn der 22-Jährige spielt gerne Beachvolleyball und Basketball. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Schiedsrichter Fabian Knoll hat den Spaß an seinem Hobby nicht verloren, obwohl er bei einem Spiel krankenhausreif geschlagen wurde. Von Patric Cordier

Seinen ersten Einsatz als Schiedsrichter in der Fußball-Regionalliga hat sich Fabian Knoll sicher anders vorgestellt. „In der vierthöchsten Spielklasse ehemalige und vielleicht künftige Bundesliga-Spieler zu pfeiffen, ist doch geil“, dachte der Student vor seinem Debüt. Er sollte das Spiel des TSV Stadtallendorf gegen den SC Freiburg II leiten. „Als wir losgefahren sind, war es noch weit über 30 Grad“, erzählt der 22-Jährige: „Vor Ort zog dann ein Gewittersturm auf. Der Platz stand total unter Wasser. Selbst nachdem wir die Anstoßzeit zwei Mal nach hinten gelegt haben, konnte nicht gespielt werden.“


So feierte Knoll beim 2:1-Erfolg der TSG Balingen gegen den FSV Frankfurt seinen Liga-Einstand – mit einem Elfmeter und einer Gelb-Roten Karte. „Natürlich war ich am Anfang etwas nervös, aber das hat sich schnell gelegt. Die Akzeptanz auch bei den Spielern war schnell da“, erzählt Knoll. Er ergänzt: „Der Elfmeter war eindeutig und die Gelb-Rote Karte war auch klar. Der Spieler war verwarnt und hat dann noch ein taktisches Foul gemacht.“

Der Schiedsricher-Beobachter war mit der Leistung des Studenten der Mittelstandsökonomie zufrieden. Aber Knoll hat auch schon die Kehrseite der Medaille kennengelernt. Nach dem Viertelfinal-Aus des 1. FC Saarbrücken beim FC Hertha Wiesbach bekam er – damals als Schiedsrichter-Assistent im Einsatz – eine Krücke auf den Kopf. Knoll musste drei Tage ins Krankenhaus. Die chaotischen Verhältnisse nach der Partie sorgten für heftige Diskussionen. Nicht beim „Getroffenen“. „Natürlich war ich geschockt, aber das Handtuch zu werfen war nie eine Option. Ich wollte sofort wieder aufs Feld. Ich habe als Schieds- oder Linienrichter mittlerweile an fast 900 Spielen mitgewirkt. Dieser Übergriff war eine Ausnahme“, sagt Knoll.



Schiedsrichter zu sein, das ist im Hause Knoll die Regel. Fabians Vater Thomas war mehrfach Saarlands Schiedsrichter des Jahres und ist mittlerweile auch Lehrwart. „Ich hätte gern schon mit zwölf angefangen, aber man darf erst mit 14 die Schiedsrichter-Prüfung machen“, erzählt Fabian Knoll. Er berichtet: „Früher hat mich mein Vater nach Spielen auch mal richtig flott gemacht. Das war aber gut so. Auch heute reden wir viel. Es macht mich stolz, mit ihm verglichen zu werden, aber wir sind ganz unterschiedliche Schiedsrichter.“

Der 22-Jährige, der für den ASV Kleinottweiler pfeift, beschreibt sich selbst als kommunikativ. „Ich lache fast immer auf dem Platz, weil ich Spaß habe an dem, was ich da mache“, sagt er: „Ein Spieler, der mich wütend macht, muss schon relativ blöd sein.“ Dass er selbst lange Jahre Spieler war, sieht er als Vorteil an.

Neben Schiedsrichterei und Studium bleibt wenig Freizeit. Aber auch die ist mit Sport gefüllt. Entweder zuhause vor dem Fernseher oder viel lieber beim Beachvolleyball im Freibad und beim Basketball am Jägersburger Weiher. Meistens dabei ist Knolls bester Kumpel Max Rupp, der um ein Haar Profi beim 1. FC Saarbrücken geworden wäre. Profi-Schiedsrichter ist dagegen für Knoll kein Thema – und auch die Bundesliga eher ein Traum. „Natürlich würde ich das gerne machen, aber man muss realistisch bleiben. Die Chance ist nicht groß, weil oft nur ein Schiedsrichter aufsteigen darf“, erklärt er. Knoll ist gerade in die Regionalliga aufgestiegen. Der nächste Schritt wäre Assistent in der 3. Liga. Aber der 22-Jährige pfeifft auch weiterhin Spiele im Saarland. „Die Liga ist egal, schließlich ist es für die beiden Mannschaften in dem Moment die höchstmögliche Spielklasse“, sagt Knoll: „Und das ist mein Anspruch an mich selbst, dass auch ich immer mein Bestes gebe.“