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Sparte 4
Schauspieler lesen aus Drehbüchern

Das sind die sieben Drehbuchautoren, die hinter dem Schreibkollektiv Q3 stecken. Zusammen haben sie auf der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studiert. Dort kam ihnen auch die Idee für „Film auf Papier“.
Das sind die sieben Drehbuchautoren, die hinter dem Schreibkollektiv Q3 stecken. Zusammen haben sie auf der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studiert. Dort kam ihnen auch die Idee für „Film auf Papier“. FOTO: Rico Mahel
Saarbrücken. „Film aus Papier“ heißt das Projekt des Berliner Schreibkollektivs Q3. Von Silvia Buss

Drehbuchautoren müssen Altmeister Hitchcock lieben. Stammt von diesem doch das Bonmot, dass man für einen guten Filme drei Dinge brauche: 1. Ein gutes Drehbuch, 2. ein gutes Drehbuch und 3. ein gutes Drehbuch. In der Sparte vier wollen die sieben Drehbuchautoren vom Berliner Schreibkollektiv Q3 am Freitag beweisen, dass sie nicht nur hervorragende Filmvorlagen schreiben können, sondern dass es auch ein Genuss sein kann, ihren Texten in einer Lesung zuzuhören. In Berlin machen die Kollektivmitglieder das erfolgreich seit 2015.


Jeden Monat stellen sie unter dem Titel „Film auf Papier“ Drehbuchauszüge, die sie von Schauspielern lesen lassen, im Kreuzberger Kino Sputnik vor. Auf die Idee kamen sie im letzten Studienjahr auf der Deutschen Film- und Fernsehakademie, wo sie alle den gleichen Jahrgang besuchten, erzählt Julia Penner. Wie hart es ist, nach dem Studium einen Job zu bekommen, und wie wichtig Netzwerke sind, wusste Penner schon von ihrem vorherigen Schauspielstudium. Deshalb haben sich die sieben erst zum Kollektiv zusammengeschlossen und dann beschlossen, ihre Abschlussarbeit etwas anders, in einem Kino, zu präsentieren. „Wir haben Popcorn gemacht, massig Leute eingeladen und haben dann auch Jobs gekriegt“, erzählt die Autorin. Und weil es so gut lief, haben sie weitergemacht, nicht nur mit dem Format „Film auf Papier“. Sie haben sich auch ein gemeinsames Büro gemietet. Dort trifft sich das Kollektiv regelmäßig zum Erfahrungsaustausch, liest die Stoffe der anderen gegen, spricht sich ab über Honorare und organisiert gemeinsam einen eigenen Empfang auf der Berlinale. Manchmal komme es auch zur Zusammenarbeit beim Schreiben, sagt Penner. So entwickelten zwei Autorinnen des Kollektivs gerade zusammen eine Thriller-Serie, zwei andere eine Komödie fürs Kino.

Gerade der Serien-Trend befördert laut Penner die Teamarbeit. Nach US-Vorbild versuche man jetzt auch in Deutschland sogenannte Writer’s Rooms mit Schreiber-Crews für Serien aufzubauen, allerdings viel kleinere. „Meist sind das nur drei Leute, die sich dann die Handlung überlegen“, sagt Julia Penner. Gut am Trend zur Serie sei aber auch, dass deren Autoren stärker wahrgenommen würden. Denn was den Drehbuchschreibern besonders mangele, sei die Wertschätzung ihrer Arbeit, betont Penner. Aktuelles Beispiel: Zur Verleihungs-Feier des Deutschen Fernsehpreises am heutigen Freitag hatte man die Drehbuchautoren der nominierten Filme zuerst gar nicht eingeladen. Erst nachdem es Proteste gehagelt hatte. Und noch ein Wunsch: Dass die Produzenten nicht immer nur mit fertigen Ideen an die Autoren herantreten, sondern diesen die Chance geben, eigene Ideen für Stoffe zu entwickeln.

Zur viel gehörten Klage, beim Nachwuchsfilm mangele es an Komödien, sagt Penner: „Also an uns liegt es nicht“. Vorstellen wollen sie in der Sparte vier unter anderem Auszüge aus einer Fantasy-Komödie, einer Tragikomödie, aus einer Thriller-Serie und zwei politische Stoffe. Einer davon über das Drama einer Politikerfamilie in der Kohl-Ära ist von Julia Penner selbst. Das Vorlesen überlassen die Berliner jedoch den Schauspielern des Staatstheaters. Die könnten das einfach besser, meint die Autorin.