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Immer diese komischen Erinnerungen...
Schaumwein und Lambrusco

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wer jung ist, macht viel dummes Zeug. Unter anderem trinkt man  leichtsinnigerweise Billig-Plörre, an deren Wirkung beziehungsweise Auswirkungen man sich bis ans Lebensende erinnert. Zu diesen Getränken gehört zweifellos ein legendärer Italiener.

Am Büfett im Wirtshaus — vom Starfighter über Sicherheitssysteme bis hin zur Steinlaus kommt da vieles zur Sprache  — haben wir mal wieder ein abendfüllendes  Thema  behandelt. Da ging’s um die ordinärste Plörre in jugendlichen Zeiten. Der Erdbeer-Schaumwein  für eine Mark nochwas, über den wollen wir gar nicht erst reden. Sondern über den Lambrusco. Jawoll, Lambrusco.


Ich weiß, ich weiß, all diejenigen, die sich für die größten Weinkenner aller Zeiten halten (und es in den seltensten Fällen sind) werden mir jetzt erzählen wollen, dass es auch ganz  wahnsinnig irrwitzig tolle Lambrusco-Sorten gibt. Von denen ist hier aber mitnichten die Rede, sondern von dem unsäglichen Gebräu, das in den 70er Jahren zumeist in bauchigen Flaschen mit langen  Hälsen daherkam. Manchmal war das verheißungsvolle Gefäß auch noch kunstvoll mit Bast ummantelt und machte gewissermaßen bella figura. Leider.

Nun ja, wir haben, weil er so billig war, als unbekümmerte wie experimentierfreudige Jugendliche unsere paar Groschen zusammengekratzt und gemeinsam Lambrusco gekauft für die ein oder andere illustre Party. Seine Wirkung haben wir natürlich völlig unterschätzt und auch die Auswirkungen seiner ungeheuren Qualität erst recht. Das Ende eines solchen Gelages ist bekannt. Die „Dreckbriiie“, also die Dreckbrühe, sorgte für höllische Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Und beim abendlichen Zubettgehen für  Räume, in denen sich alles drehte.



Geheilt von solcherlei Exzessen in jungen Jahren, kann man heute gepflegt einen zu sich nehmen. Es muss ja nicht unbedingt Lambrusco sein.