Saarland will mit Messprogramm Gefahrengas Radon aufspüren

Kostenpflichtiger Inhalt: Vorgabe des Strahlenschutzgesetzes : Land will Gefahrengas Radon aufspüren

Über das ganze Saarland sollen die Messungen verteilt werden, auch in Haushalten. Radon gilt in hohen Konzentrationen als krebserregend.

Das Umweltministerium will im Februar damit beginnen, die Radon-Konzentrationen saarlandweit zu messen. Radon ist ein natürlich im Erdboden vorkommendes Edelgas, das in höheren Konzentrationen in der Atemluft das Lungenkrebs-Risiko erhöhen kann (wir berichteten). Für die Messungen sucht die Behörde 1200 Freiwillige im Saarland, die die Messgeräte (Dosimeter) für sechs bis zwölf Monate in ihren Wohnungen aufstellen. Aufgerufen zur Teilnahme an den Messungen sind auch die rund 500 Kindertagesstätten und Schulen im Saarland. Zudem soll an bis zu 70 weiteren Orten im Land die Bodenluft gemessen werden. Aus früheren Untersuchungen des Bundes gibt es bereits 113 Messergebnisse solcher Bodenluft-Untersuchungen im Saarland. Die Gesamtheit aller Ergebnisse soll Aufschluss darüber geben, wo im Saarland bis Ende 2020 gegebenenfalls Radon-Vorsorgegebiete aufgrund erhöhter Werte ausgewiesen werden müssen. Dies schreibt das neue Strahlenschutzgesetz vor, das Anfang des Jahres in Kraft trat. Dort ist auch ein Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Bodenluft festgeschrieben worden. Wird dieser Wert in mindestens zehn Prozent der Gebäude auf dem Großteil einer untersuchten Fläche überschritten, gilt es als Vorsorgegebiet.

Umweltminister Reinhold Jost (SPD) warnte vor Panikmache im Zusammenhang mit Radon. „Wir haben keine Erkenntnisse, wonach es etwa zur sofortigen Schließung irgendeiner Einrichtung im Saarland kommen muss.“ Zudem sei man gegebenenfalls erhöhten Radon-Konzentrationen nicht hilflos ausgeliefert. „Da kann es vielleicht schon reichen, ein Zimmer regelmäßig zu lüften.“ Auch das Abdichten der Kellerräume kann in Frage kommen. Im Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz soll hierzu eine spezielle Beratungsstelle eingerichtet werden.

Die durchschnittliche Radon-Konzentration in Wohnungen in Deutschland beträgt nach Expertenangaben etwa 50 Becquerel pro Kubikmeter. Etwa die Hälfte der natürlichen Strahlenbelastung des Menschen wird durch Radon verursacht. Hinzu kommen radioaktive Strahlenbelastungen durch die Medizin (u.a. Röntgen), Nahrungsmittel, Baustoffe (u.a. Granit und Klinker) und die Höhenstrahlung beim Fliegen. Der Transport von Radon wird unter anderem von der Durchlässigkeit des Bodens bestimmt. So sind die nach früheren Messungen höchsten Werte im Saarland auch im besonders durchlässigen Muschelkalk im Bliesgau gemessen worden.

Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD). Foto: Ministerium/ Bauer/S. Bauer

Ob ein Zusammenhang zwischen erhöhten Radon-Konzentrationen und dem Bergbau besteht, ist umstritten. Die bereits vorliegenden Bodenluftmessungen aus dem Karbongebiet im Saarland, wo abgebaut wurde, seien „für Deutschland eher durchschnittlich“ gewesen, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) der Saarbrücker Zeitung bereits vor gut einem Jahr mit. Die Berliner Behörde wies zudem darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen erhöhten Radon-Vorkommen und ehemaligen Bergbaugebieten sich „nicht eindeutig herstellen“ lasse. Entsprechend sei auch nicht zu belegen, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Bergbaugebieten und der Zahl der Lungenkrebserkrankungen gibt. Laut BfS werden fünf Prozent der Lungenkrebsfälle durch Radon verursacht – und etwa 90 Prozent durchs Rauchen. Die Radon-Konzentration etwa in einem Haus hänge zuallererst von der Verfügbarkeit von Radon im Boden ab und wie gut es dort transportiert wird. Sogenannte Primärlagerstätten von Radium, zu dessen Zerfallsprodukten Radon gehört, sind das Erzgebirge, der Thüringer Wald oder der Harz. Nicht das Saarland. Aus einer Radon-Prognose des BfS für Deutschland (siehe Grafik) geht hervor, dass das Saarland in Bezug auf die Radon-Konzentrationen in der Bodenluft zumindest nach bisheriger Datenlage nicht zu den Risikogebieten in Deutschland zählt.

Jost betonte gestern außerdem, dass die künftigen Messorte nicht zusätzlich unter dem Blickwinkel einer möglichen Grubenflutung ausgewählt würden. Er gehe ohnehin davon aus, dass im Falle einer Genehmigung der Grubenflutung gesonderte Auflagen für eine Radon-Überwachung festgeschrieben würden. Laut Gutachten ist das Risiko von Radon- und Methan-Ausgasungen während der Flutungsphase am größten. Langfristig – so Experten – sollen sich die Ausgasungen nach einer Flutung jedoch verringern.

Wer an den Raumluftmessungen in Wohngebäuden teilnehmen will, muss einen Anmeldebogen ausfüllen – zu erhalten unter radon@umwelt.saarland.de oder postalisch beim Umweltministerium in Saarbrücken (Kepplerstr. 18).