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Saarländisches Staatstheater ist politisch geworden

Kulturtipp : Staatstheater wird politisch

Sie sind sehr jung. Sie tragen weiße Schutzanzüge. Und man bekommt eine Gänsehaut, wenn man in ihre fast noch kindlichen Gesichter schaut und ihre Fragen hört: „Warum?“ Das Saarländische Staatstheater ist politisch geworden.

Endlich, möchte man sagen.

10 000 vor allem junge Menschen waren vor drei Wochen in Saarbrücken auf der Straße. Sie demonstrierten, um zu zeigen, dass sie sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Weil unsere Erde in absehbarer Zeit  für Menschen nicht mehr bewohnbar sein wird, wenn wir nicht endlich etwas gegen die Klimakrise unternehmen.

Wie wir die Welt retten können, wie wir vor allem auch uns selbst retten können, das ist die wohl wichtigste Frage, vor der die Menschheit jemals gestanden hat. Und „dank“ dieser Frage, erwacht auch das Theater gerade aus dem politischen Winterschlaf.

So viele Jahre habe ich mir nach einem Theaterbesuch immer wieder die Frage gestellt: „Hat mich das jetzt weitergebracht?“  Ich habe viel schönes Schauspiel gesehen, interessante Texte gehört, gute Darsteller bewundert. Aber zu oft blieb ich mit dem Gefühl zurück, dass ich mich eben nur gut  unterhalten hatte. Auch ein Wert, natürlich. Aber für mich muss Theater auch mal nachhaltig sein. Ich bin ein Kind der politischen Bewegungen der 1970er-Jahre. Da steckt das wohl im Blut.

Umso glücklicher bin ich, dass es nun „Hoffnung“ gibt. Das saarländische Staatstheater hat es tatsächlich geschafft, ein brandneues Stück auf die Bühne zu bringen, das alle Fragen anschneidet, die uns dieser Tage bewegen. Aktueller als  Stijn Devillés Schauspiel sind höchstens die Nachrichten.

„Hoffnung“ ist spannendes, informatives Agitprop-Theater. Alles, was derzeit von den Fridays for Future-Jugendlichen und ihren Unterstützern diskutiert wird: Hier findet man es in konzentrierter Form auf der Bühne. Fast wie im Dokumentar-Theater. Besonders eindringlich wirkt das Ganze, weil Regisseur Krysztof Minkowski sich Verstärkung aus dem echten Leben auf die Bühne holt. Wie ein antiker Chor kommentieren junge Aktivisten der FFF-Bewegung aus Saarbrücken und Zweibrücken das Geschehen. Das geht manchmal ganz schön unter die Haut. Aber hinterher ist man tatsächlich schlauer.

Wenn Sie sich für die Diskussion um die Klimapolitik, ja überhaupt für Politik interessieren, ist „Hoffnung“ eine echte Empfehlung. Es gibt nur noch wenige paar Termine, Sie müssten sich also beeilen.

Die nächsten Aufführungen sind am Mittwoch, 16. Oktober, 19.30 Uhr, am Freitag, 25. Oktober, 19.30 Uhr. Anfang November sind noch drei Termine, danach ist Schluss.

Karten und weitere Informationen gibt es unter Tel. (06 81) 30 92-4 86.