Saarbrücker Thomas Fläschner ist seit 1991 Vorsitzender des ADFC

Porträt : Saarbrücker fährt im Jahr 7000 km Rad

Der Universitätsbibliothekar Thomas Fläschner, 59, ist seit 1991 Vorsitzender des Allgemeinen Fahrradclubs Saar.

Seit dem Jahr 1985 fährt Thomas Fläschner täglich von der Bellevue in Alt-Saarbrücken bis zur Universität des Saarlandes zur Arbeit – 30 Minuten hin und 30 Minuten zurück. Und das bei Wind und Wetter.

„Es ist für mich Routine und Gewohnheit geworden. Ich muss mich nicht zwingen, mit dem Fahrrad zu fahren“, sagt der Bibliothekar, der 1985 wegen des Berufes von Franken nach Saarbrücken zog.

Wie viele andere fährt er von Kindesbeinen an Fahrrad. Er hat zwar den Autoführerschein, aber kein Auto. „Radfahren ist wohltuend, man hat immer etwas für seine Bewegung gemacht und spart zudem durch das Radfahren noch Geld und oft sogar Zeit“, erklärt der 59-Jährige.

Es gibt Hardcore-Radfahrer, die täglich mit dem Rad bis zu 60 Kilometer zur Arbeit fahren und richtige Autohasser sind. So extrem ist Thomas Fläschner nicht. „Gesundheitlich konnte ich einmal ein halbes Jahr lang kein Fahrrad fahren und habe den Bus genommen. Ich nutze auch den ÖPNV und kombiniere ihn mit dem Rad. Ich werde auch ab und an zu Terminen im Auto mitgenommen und lehne so etwas nicht strikt ab“, sagt der Wahl-Saarbrücker.

1991 wurde im Saarland der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) Saar gegründet. Thomas Fläschner ist Gründungsmitglied und seit Beginn der Vorsitzende. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie es zu Beginn der 1990er Jahre große Diskussionen gab, ob in Saarbrücken Fahrradabstellmöglichkeiten installiert werden sollen oder nicht. Da sind wir heute doch ein gutes Stück weiter“, sagt der begeisterte Radfahrer.

Radwege, Schutzstreifen für Radfahrer und Gehwege, die von Radfahrern benutzt werden dürfen, wurden im Regionalverband und vor allem in Saarbrücken angelegt. Saarbrücken war in den 90ern sogar deutschlandweit Vorreiter – denn Saarbrücken war die erste Stadt, in der Fahrradfahrer in Einbahnstraßen auch gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung unterwegs sein durften.

„Das haben viele andere Bundesländer kopiert, und es ist wirklich eine tolle Sache für Fahrradfahrer. Leider gibt es im Saarland immer noch viele Städte und Kommunen, die das noch nicht erlauben. Dabei ist die Umsetzung im Prinzip ganz einfach“, weiß der 59-Jährige.

Was den Radanteil im Verkehr angeht, ist das Saarland allerdings deutschlandweit mit weitem Abstand das Schlusslicht von allen Bundesländern. „Das liegt in erster Linie an der Infrastruktur. Die Radwege müssen noch besser und durchgängiger ausgebaut werden. Es gibt zwar seit 2010 einen Radverkehrsplan, aber für die Umsetzung fehlen Personal und Geld“, sagt Thomas Fläschner. Im Jahr 2020 möchte die Landesregierung eine Million Euro für die Radinfrastruktur locker machen. Thomas Fläschner freut sich darüber, aber: „Wenn ich dann höre, dass in Homburg für 900 000 Euro ein Mitfahrparkplatz für Autos gebaut wird, relativiert sich das Ganze doch sehr“, sagt der 59-Jährige. Für alle, die auch gerne mal mit dem Rad zur Arbeit fahren möchten, aber oft ängstlich sind, hat der ADFC-Vorsitzende folgende Tipps: „Es muss nicht immer der schnellste Weg sein, den man auch mit dem Auto fährt. Oft gibt es sehr angenehme Wege, die sehr leicht gefahren werden können und bei denen einem die Fahrzeit sehr kurz vorkommt, obwohl die Strecke länger ist. Und man sollte innerlich defensiv und äußerlich offensiv fahren. Andere Verkehrsteilnehmer sollen schon sehen, dass ein Fahrradfahrer da ist. Das gilt auch für die Kleidung“, sagt der fränkische Saarländer, der jedes Jahr etwa 7000 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegt.

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