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Saarbrücker Supermarkt wehr sich gegen Telegram-Post: „Ukrainer werden nicht bedient“?

Wirbel um angeblichen Aushang : „Ukrainer werden nicht bedient“? Saarbrücker Supermarkt wehrt sich gegen „schmutzige Lügen“

Bedient ein osteuropäischer Supermarkt in Saarbrücken keine Menschen aus der Ukraine mehr? Diesen Eindruck erweckt ein Post auf dem Messenger-Dienst Telegram. Unternehmen und Filialleiter wehren sich – der angebliche Aushang könnte jetzt ein Fall für die Justiz werden.

„Das ist ein russisches Geschäft“, steht auf dem abfotografierten Zettel in Russisch. „Ukrainer werden [...] nicht bedient“, heißt es weiter. Diese Sätze finden sich nicht irgendwo in Russland, sondern als Aushang vor einem osteuropäischen Supermarkt in Saarbrücken – zumindest scheint es so auf den ersten Blick. Ein Foto des angeblichen Aushangs macht am Mittwoch die Runde in dem Messenger-Dienst Telegram. Auf dem Kanal von „Dr. Alex Sosnowski“ wurde der Aushang am frühen Morgen gepostet. Das Foto sei von Lesern aus Saarbrücken zugesandt worden, steht in der Beschreibung unter dem Post.

Der Kanal selbst postet hochfrequentiert pro-russische Propaganda – und das sehr erfolgreich. Rund 107 000 Abonnenten hat der Kanal auf Telegram. Der Post über den angeblichen Aushang in Saarbrücken wird über 55 000 Mal gesehen, Hunderte Male kommentiert und gelikt. Einige Kommentare äußern sich negativ, die überwiegende Vielzahl der Followerschaft scheint den abfotografierten Zettel allerdings zu feiern, postet Daumen nach oben oder applaudierende Putin-Bilder.

Unternehmen kündigt rechtliche Schritte an

Der betroffene Supermarkt in Saarbrücken ist durch den Aushang klar identifizierbar: Der Zettel soll vor dem Mix Markt in der Käthe-Kollwitz-Straße auf den Saarterrassen beim Globus Baumarkt hängen. Ukrainer sollten sich schämen, bei einem Russen zu kaufen, wenn sie vorher vor selbigen weggelaufen seien, heißt es auf dem angeblichen Aushang weiter. Die Adresse des Geschäftes solle man als Ukrainer vergessen. Unterschrieben ist der Aushang dann augenscheinlich mit dem Namen des Filialleiters.

Sowohl auf Russisch als auch auf Deutsch haben sich der Filialleiter und das Unternehmen Mix Markt aufgrund des Posts jetzt zu Wort gemeldet. „In einer anonymen Aktion wurden wir des Hasses und des Rassismus gegenüber dem ukrainischen Volk beschuldigt. Von diesen Vorwürfen möchten wir uns ganz klar distanzieren!“, postete Mix Markt am Mittwoch im Netz. Man sei immer ein weltoffenes Geschäft gewesen. Die Türen der Märkte stünden für alle Menschen offen. Eine Vielzahl der eigenen Mitarbeiter habe ukrainische Wurzeln.

„Eine unserer Kernaufgaben im Moment besteht darin, die Kriegsgebiete in der Ukraine mit humanitärer Hilfe zu versorgen und ukrainische Geflohene überall in Deutschland zu unterstützen“, schreibt das Unternehmen in dem Post weiter. Man wolle das zusätzliche Schüren von Hass zu diesen Zeiten nicht zulassen und leite deshalb rechtliche Schritte gegen das Posten des angeblichen Aushanges ein.

Filialleiter werht sich gegen „schmutzige Lügen“: Hass gegen ukrainisches Volk nicht akzeptabel

In einem weiteren Post einige Stunden zuvor hatte sich bereits der betroffene Filialleiter zu dem Aushang geäußert und auf Russisch mitgeteilt, dass es sich bei der Meldung um „schmutzige Lügen“ handele. Hass und Rassismus gegenüber dem ukrainischen Volk seien nicht akzeptabel.

Bereits Anfang März hatte die Supermarktkette Mix Markt, die sich auf osteuropäische Lebensmittel spezialisiert hat, zum Thema Ukraine-Krieg geäußert und große Bestürzung geäußert. Die Geschäftsleitung kündigte außerdem die Unterstützung der Ukraine durch Lieferung von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen hilfreichen Dingen an. In den über 330 Märkten von Mix Markt, die es in ganz Europa gibt, wolle man zudem den Anteil an russischen Waren „bereinigen“, versprach die Unternehmensleitung.

Ebenfalls im März hatte bereits ein Video von einem Randalierer in einem Supermarkt im Netz die Runde gemacht. Das Video, das auch auf Facebook etliche Male geteilt wurde, sollte einen Mann zeigen, der in einer Mix-Markt-Filiale in Regensburg russischen Produkte zerstört und auf den Boden wirft. In sozialen Medien wurde das Video als Beweis dafür geteilt, dass in Deutschland der Hass auf Russen zunehmen. Wie mehrere Nachrichtenportale, unter anderem Focus, allerdings nachwiesen, stammt das Video nicht aus einem Mix Markt in Deutschland, sondern aus einem russischen Supermarkt und wurde im Jahr 2019 aufgenommen.