Saarbrücker Stadtwerke schaffen erstmal keine E-Busse an.

Öffentlicher Personennahverkehr : Saarbrücken verzichtet auf Elektrobusse

Saarbahn GmbH setzt erst mal auf konventionelle Technik und beobachtet Erfahrungen anderer Verkehrsbetriebe.

Wer bei den Ersten sein will, der hat am Ende manchmal das Nachsehen. Peter Edlinger kann das offen zugeben. Als die Saarbrücker Stadtwerke, deren Geschäftsführer er heute ist, ganz vorne waren, war er noch nicht im Unternehmen. „Wir waren die Ersten, die Gasbusse hatte. Da haben wir viel Lehrgeld bezahlt. Wir waren damals innovativ, haben Preise bekommen, waren hochgelobt“, sagt Edlinger. Eine Zukunft habe diese Technik aber nicht. Den Fehler, den seine Vorgänger mit den Gasbussen gemacht haben, wolle er mit den Elektrobussen nicht machen, sagt Edlinger

Edlinger lehnt Elektobusse nicht generell ab, aber für die zu den Stadtwerken gehörende Saarbahn GmbH seien sie zurzeit noch kein Thema. Das liege vor allem an zwei Dingen. Zum einen sei es nicht damit getan, jetzt schnell Zuschüsse zu beantragen und zwei Busse zu kaufen. Man brauche die entsprechende Ladestation und eine Werkstatt, die mit dieser Technik umgehen könne.

Vor allem aber sei die Reichweite dieser Busse noch nicht zufrieden­stellend. Rund 140 Kilometer reiche die Energie der Batterien. Ein Saarbrücker Linienbus lege aber etwa 200 Kilometer zurück, bevor er ins Depot zurückkehrt.

Das Lehrgeld haben in diesem Fall unter anderem die Stadtwerke in Trier bezahlt. Dort, so berichtet die Zeitung Trierischer Volksfreund, wurde „der Stolz der Flotte“, ein Elektrobus, der gerade erst für etwa 560 000 Euro angeschafft wurde und das teuerste Fahrzeug im Fuhrpark war, nach nur zwei Wochen wieder außer Dienst gestellt.

„Es gibt Problemchen mit den Batteriezellen und der Software. Die wollen wir nicht auf eigene Faust lösen, sondern lassen uns von den Fachleuten zeigen, was Sache ist. Von denen wollen und müssen wir lernen“, erklärt Michael Schröder, der Leiter des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke Trier.

Im Winter habe sich der Bus als besonders anfällig erwiesen. Die Reichweite sinke beträchtlich, wenn die Energie aus den Akkus auch dazu genutzt wird, die Heizung zu betreiben. Im Fall des Trierer Busses kam hinzu, dass eine Beschleunigung nicht mehr möglich war, obwohl laut Anzeige die Akkuladung noch 47 Prozent betrug.

Die Trierer geben nicht auf, wollen die Probleme in den Griff kriegen. Und bald soll der zweite Elektrobus geliefert werden. Die Saarbahn setzt hingegen erst mal auf „normale“ Busse. Zehn davon sind bestellt und sollen in diesem Jahr geliefert werden. Parallel dazu arbeite man aber auch an einem Konzept zur Elektromobilität, das in diesem Jahr vorgelegt werden soll, sagt Edlinger. Wobei man da ja auch schon etwas vorzuweisen habe: „Die Saarbahn“, sagt der Geschäftsführer, „ist das größte E-Mobilitätsprojekt des Saarlandes.“

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