Saarbrücker Rapper trifft Böhmermann

Serie Menschen im Regionalverband : Saarbrücker Rapper trifft Böhmermann

Eike Staab alias „EstA“ war in der Sendung des ZDF-Satirikers zu Gast.

„EstA“ hat gerade ein paar stressige Tage hinter sich. Trotzdem lehnt der 30-Jährige lässig an der kargen Wand des Cafés „Thonet“ hinterm St. Johanner Markt. Er erzählt, dass sein Handy in den vergangenen Tagen nicht wirklich stillstand. Denn vor kurzem musste der Saarbrücker Rapper ganz spontan nach Köln – zu einer Fernsehaufzeichnung. Eingeladen wurde er von niemand geringerem als Jan Böhmermann, dem Satiriker und Moderator des „Neo Magazin Royale“, der sich in seiner Late-Night-Show bei ZDFneo gerne immer wieder über das Saarland lustig macht. Das Thema, über das sich Böhmermann in dieser Folge ausgiebig ausließ: Homöopathie und dass deren Wirkung laut Expertenaussagen nicht über den Placebo-Effekt hinausgehe.

Aber was hat „EstA“, mit bürgerlichem Namen Eike Staab, damit zu tun? Der 30-Jährige veröffentlichte im vergangenen Jahr zusammen mit einer Krankenkasse in Rheinland-Pfalz und im Saarland einen Gesundheitsrap, in dem unter anderem auch die Kostenübernahme von homöopathischen Medikamenten beworben wurde. Ein gefundenes Fressen für den Satiriker also, der „Dr. EstA“ kurzerhand dazu einlud, bei Böhmermanns eigenem Song mitzuwirken, diesmal gegen anstatt für Homöopathie.

Staab nahm das Ganze mit Humor. Er ist ja auch nicht neu im Rap-Geschäft, das eben in großen Teilen davon lebt, sich gegenseitig anzugreifen und sich übereinander lustig zu machen. Breite Bekanntheit im Saarland erlangte Staab im Jahr 2017 mit seinem Rap-Song über das Saarland, genau genommen rappt er jedoch bereits seit 15 Jahren.

Als er 15 war, besuchte Staab für ein Jahr eine Schule in Neuseeland. Davor hörte er selbst immer nur Pop-Musik, wie er erzählt. Doch als er wieder zurückkam, hörte plötzlich jeder deutschen Rap. Das war 2005. Aggro Berlin, die Sekte, Kool Savas, Sido – das waren die großen Namen. Er und seine Freunde wollten dem direkt nacheifern, schnappten sich ein billiges Headset-Mikrofon und nahmen eigene Rap-Tracks auf. „Das war alles nur Spaß. Dass sich jemals jemand meinen Rap anhören würde, hätte ich nie gedacht“, sagt der Musiker.

Als über die Lautsprecher des Cafés gerade ein spezieller Song läuft, kommt ihm dieser direkt bekannt vor. „Auf diesen Beat hab ich auch schon mal gerappt“, sagt er. In Konstanz und Berlin hat er studiert. Er hat einen Master im Wirtschaftsingenieurwesen. Besonders interessiert hat ihn diese Fachrichtung jedoch noch nie, selbst seine Abschlussarbeit war dort doch recht fachfremd gelagert, zum Thema große „Major-Labels“ in der Musikindustrie. „Das Studium hab ich eher für meine Eltern gemacht, als Backup“, sagt er und lacht. Mittlerweile hat er mit ein paar Kollegen eine Firma für Audioproduktionen gegründet, in der er hauptsächlich fürs Texten zuständig ist. So hat er bei einem Hörspiel einen rappenden Pinguin vertont und mit seinen Kollegen zusammen sogar einen neuen Song für Jürgen Drews geschrieben, wie Staab erzählt.

Gestartet hat „EstA“ seine Rap-Karriere jedoch mit Internet-Rap-Battles, einem Format, in dem zwei Rapper Songs schreiben, in denen sie sich jeweils gegenseitig angreifen und kein gutes Haar aneinander lassen. Diese Erfahrungen waren nicht immer nur positiv. Menschen, die das Ganze zu ernst nahmen, belästigten ihn online, stellten seine Adresse ins Netz. Erfahrungen, die er heute auch als Teil einer Anti-Mobbing-Kampagne der Landesmedienanstalt wiedergibt.

Trotzdem erlangte Staab durch seine vielen Tracks in der deutschen Battle-Rap-Szene Bekanntheit, 2013 trat er sogar vor ein paar tausend Menschen auf dem „Splash!“ auf, dem größten Hip-Hop-Festival Deutschlands. Heute, zwei Alben, zwei EPs, ein Mixtape und etliche Tracks später, ist ihm der richtig große Durchbruch jedoch noch immer verwehrt geblieben. Die Hoffnung darauf hat er trotzdem nicht aufgegeben. „Wenn ich nicht dran glauben würde, dann würd’ ich’s nicht mehr machen“, sagt er: „Das hängt aber auch echt viel mit Glück zusammen.“ Gerade heute, wo sehr viele Menschen ihre Musik fast nur noch bei Streaming-Anbietern wie „Spotify“ hören, komme es immer mehr darauf an, von deren Musikredaktionen in häufig gehörte Playlists aufgenommen zu werden. „Wenn man dort richtig gepusht wird, dann hat man’s geschafft“, sagt Staab.

Zumindest seine neue Single ist nun von Spotify in die Playlist „Deutschrap Brandneu“ aufgenommen worden, in nur wenigen Wochen haben schon etwas mehr als 120 000 Menschen seinen Song „Zeit“ gehört. Vielleicht ist das ja der „Push“, den der Saarbrücker Rapper gebraucht hat.

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