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Saarbrücker Rapper bricht mit Saarland-Song Rekorde

Der „Saarland“-Song : „Das ist das Saarland, du Geiler!“

Der Saarbrücker Rapper Esta bricht mit einer Liebeshymne auf das Saarland innerhalb von zwei Tagen Rekorde.

„Sau gudd!“ „Das Saarland in drei Minuten. Hammer!“ „Geiler Song!“ Die Kommentarspalte explodiert. Die Klickzahl auch. Seit Freitagvormittag, 11 Uhr, ist das Video auf der Facebook-Seite von „saarland.de“ abrufbar. Die offizielle Netzwerk-Seite der Landesregierung erreicht mit dem Rap-Song innerhalb von zwei Tagen mehr als 840 000 Menschen. Rund 390 000 Nutzer klicken auf das Video, mehr als 11 400 auf „Gefällt mir“. Hat das Saarland eine neue Hymne?

Sieht ganz danach aus. Auch wenn das Format ungewöhnlich ist: Deutscher Rap, der Songtext ist forsch bis frech, bedient von Maggi bis Lyoner alle Klischees. „Saarbrigge, du Geiler. Ey, mir hann de geilschte Dialekt.“ Aber das war’s dann auch schon mit Mundart. Den Rest serviert der Saarbrücker Rapper Esta auf Hochdeutsch. Warum eigentlich? Eine häufig gestellte Frage in den Facebook-Kommentaren. Dafür dass eine Saarland-Hymne nicht auf „Saarlännisch“ gesungen wird, dafür haben scheinbar nicht alle Verständnis. Esta, der mit bürgerlichem Namen Eike Staab heißt und dessen Handy seit zwei Tagen permanent „rappelt“, wie man im Saarland sagen würde, hat eine plausible Erklärung: „Ich will mit dem Song auch Menschen von außerhalb erreichen.“

Andere Kommentatoren finden wiederum die Klischees peinlich, hätten gut und gerne auf Heinz Becker und den FC verzichtet. Dazu sagt Esta: „Ich habe bewusst mit den Klischees gespielt. Als Saarbrücker Junge ist mir das nicht schwer gefallen.“ Seit ein paar Jahren lebt der 28-Jährige in Berlin, studiert Wirtschaftsingenieurwesen. In der Heimat ist er immer wieder gerne. Auch wenn er kein Maggi mag. Lieber Ur-Pils. „Stubbi ist ne gute Sache. Und Lyoner. Wenn ich nach Berlin fahre, dann nehme ich immer Lyoner mit.“

Also eine authentische Liebeshymne? „Ei joo.“ Sein saarländischer Lieblingsort? „Saarbrücken, am Homburg. Dort wohne ich und fühle mich zu Hause.“ Seine Lieblingsstelle im Text? Hmm. Da muss er kurz überlegen. „Ist schwierig, aber vielleicht die Stelle, an der ich rappe, dass das Saarland auch Jan Böhmermann gefallen würde.“ Ja, die Saarlandhymne ist auch ein Seitenhieb gegen den deutschen Satiriker. Böhmermann nannte das Saarland mal „eines der überflüssigsten Bundesländer aller Zeiten“. Esta kontert: „Sagt, was ihr wollt. Das Saarland schreibt Geschichte.“

Den Songtext zu „Saarland“ hat er alleine geschrieben. Auf die Idee brachte ihn vor knapp einem Jahr sein Freund und Geschäftspartner Marc Noll. „Ich war mir relativ sicher, dass es gut ankommt.“ Deshalb animiert er Esta, die flotte Saarlandhymne zu verfassen. Esta lässt sich Zeit. „Ich schreibe einen Song und lasse ihn dann eine Weile liegen. Wenn ich ihn danach immer noch geil finde, schreibe ich weiter.“ Und er schreibt weiter, präsentiert die Rohfassung der Saarbrücker Werbeagentur HDW Neue Kommunikation. Die wiederum ist so begeistert, dass sie den Kontakt zu Saaris herstellt. Die Standortagentur von IHK und Landesregierung betreut seit drei Jahren mit HDW die Marketingstrategie für „die kleine, unterschätzte Größe im Südwesten“, wie Geschäftsführer Christoph Lang das Saarland liebevoll nennt.

Estas Song sei ein authentisches „Bekenntnis zur Region“. Und die Kosten für das „Bekenner-Video“ von rund 6500 Euro habe man dann gerne übernommen. „Es ist das erste Mal, dass wir das Saarland mit einem Rap-Video vermarkten. Und genau das kommt bei der jungen Zielgruppe an.“ Junge Menschen sollten wissen, dass es auch im Saarland erstrebenswerte Karrierechancen gibt. „Weltoffenheit und Leben im Saarland schließen sich nicht aus“, betont Lang. Esta verkörpere genau das. „Es war mir klar, dass es zünden würde.“

Wie sehr es tatsächlich „zündet“, das beobachtet Wolfgang Tauchert. Der Referatsleiter für Online-Medien in der Staatskanzlei hat es am Freitag hochgeladen. „Wir haben 11 300 Likes allein auf der Saarland-Seite. Ähnliche Ergebnisse hatten wir bisher nur bei Werbefilmen an Weihnachten.“

10 000 Mal sei das Video geteilt worden, man erreiche damit auch viele Leute von außerhalb. „Das sind schon Rekorde“, sagt der Social-Media-Experte. Er geht davon aus, dass der Song bei der Zahl der erreichten Personen die Eine-Million-Marke knacken wird. „Der Erfolg ist überraschend, weil es sich um Rap handelt. Und die Geschmäcker sind ja bekanntlich recht unterschiedlich. Aber ich hatte bei dem Song von Anfang an ein gutes Gefühl.“

Ein Screenshot aus dem Video zu „Saarland“: der Saarbrücker Rapper Esta alias Eike Staab vor der Saarschleife. Foto: saarland.de/SZ/saarland.de

Und wer glaubt, dass nur 18-Jährige mit Hip-Hopper-Mütze den „Saarland“-Song cool finden, der irrt. „Auf dem Nauwieser Fest haben mich auch 50-jährige Frauen auf den Song angesprochen“, erzählt Esta. „Dass das so abgeht, hätte ich nicht gedacht.“