Saarbrücker Park wird zum Raum für Kunst

Aktion „Baum&Bild“ im Deutsch-Französischen Garten : Saarbrücker Park wird zum Raum für Kunst

Studierende der Hochschule der Bildenden Künste verwirklichen ihre Ideen im Deutsch-Französischen Garten.

Auf den ersten Blick liegt der Deutsch-Französische Garten da wie immer: Auf dem Weiher tummeln sich Enten, drumherum spazieren die Leute. Erst allmählich entdeckt der Parkbesucher kleine Abweichungen vom Gewohnten: Im Ufergrün hat jemand hier und da ein paar Bambusstäbe in Reihe aufgespießt, die großen Natursteine am Bachlauf tragen bunte Kreidestriche, und aus einem Baum tönt leise Trommelmusik.

Die Rhythmen, stellt sich heraus, kommen aus kleinen durchsichtigen Tüten, die im Geäst hängen, dazu ein roter Schal. Daneben steht Kyung-Jae Kim. Der Südkoreaner kann alles erklären. In seinem Heimatland, erzählt Kim, gab es früher Schamanismus. Man verehrte die Bäume, in denen man Lebensgeister wähnte, und die Schamanen spielten dazu Musik. Und die Farbe Rot hält böse Geister ab, deshalb der Schal.

Kim ist einer von vielen Studierenden der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar, die den DFG noch bis einschließlich Sonntag mit künstlerischen Eingriffen bespielen. „Baum & Bild“ heißt das Projekt. Die Studierenden sollen lernen, wie sie Kunst für einen Ort und an einem ganz bestimmen Ort entwickeln. Das könne man eben nicht im Atelierraum lernen, sondern müsse hinausgehen, um sich mit den Gegebenheiten eines Ortes auseinanderzusetzen, sagt Daniel Hausig, einer der betreuenden Professoren. Das freiwillige Angebot stieß auf großes Interesse. „Im vorigen Jahr hatten wir sieben Teilnehmer, diesmal im DFG sind es über 30“, erzählt Hausigs Kollege Erik Lanz und ist von den Resultaten begeistert. „Sehen Sie da die Joggerin?“, fragt er. Die werde ferngesteuert von einer Person, die am Nordbahnhof der Kleinbahn sitzt und ihr sagt, wo sie lang gehen soll. Was die Joggerin sieht, wird per Kamera in die Bahnstation übertragen. Auch am Musikpavillon sitzen Menschen vor einem Fernsehschirm. Was sie verfolgen, sind Aufnahmen aus der Perspektive einer Ente, der ein Student eine Kamera an den Hals geheftet hat. Einen anderen Blick auf den DFG, den wollen im Grunde alle Arbeiten vermitteln, mitunter mit minimalsten Mitteln. An einen Stützpfeiler der Seilbahn etwa befestigte Marika Pyrszel zwei alte Gießkannen. Der Effekt: Sie wirken wie ein „Höhrrohr“, übertragen und verstärken die Geräusche der oben am Pfeiler rotierenden Draht-Seilrollen.

Ähnlich wie eine Pokemon-App funktioniert Hyeon-Su Jongs „Chimera“. Aktiviert man Jongs App und hält sie vor eines ihrer zehn Schildchen, tummeln sich plötzlich lustige „Schimären“ vor Bäumen und Büschen. Den Großteil der Arbeiten kann der Parkbesucher tagsüber erkunden, ein Faltblatt weist zu über 20 Stellen im Park den Weg. Es lohnt sich aber auch, ab 22 Uhr noch einmal zu kommen, um lichtkünstlerische Interventionen zu sehen. Besonders apart sind Malika Hagemanns sanfte Illuminationen eines Muster-Bungalows aus der Gartenschauzeit und Ingo Wendts rollende Lichtkaleidoskope. Fazit: Es müssen nicht immer lärmende Schunkel-Feste sein, um den DFG zu beleben. Kunst zeigt, es geht auch still und leise. Und wer will, dem gibt sogar ein eigener DFG-Radiosender etwas zum Schunkeln auf die Ohren.

Baum & Bild, täglich ab 11 Uhr, ab 22 Uhr Lichtkunst, bis einschließlich 21. Juli.

Mehr von Saarbrücker Zeitung